Fast schon legendär ist das große Fest, das es anlässlich der Einweihung der Nordbrücke in Kitzingen gegeben hat. Am 15. August 2003 war die Stadt voller Menschen, denn es wurde nicht nur gefeiert, sondern auch eingekauft. Die Geschäfte in Kitzingen hatten geöffnet, während sie in Würzburg, Schweinfurt und in Landkreis-Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung geschlossen hatten. Für 18 Kommunen im Landkreis ist der Mittwoch ein Arbeitstag, während in 13 Gemeinden feiertägliche Ruhe herrscht.

Kitzingen ist überwiegend protestantisch und deswegen sind die Einzelhändler und die Gastronomen am Feiertag Mariä Himmelfahrt gut vorbereitet für den Dienst an Kunden und Gästen. Ein so groß aufgezogenes Fest wie damals ist nach Auskunft des Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Michael Hoinkis, nicht geplant. "Von Seiten des Vereins sind keine zusätzlichen Aktionen wie an den verkaufsoffenen Sonntagen vorgesehen", sagt Hoinkis. Er werde aber bei der nächsten Sitzung des Vereins ansprechen, ob es künftig doch wieder Aktionen an Mariä Himmelfahrt geben soll. In jedem Fall rechnet Hoinkis mit einem starken Verkaufsumsatz am heutigen Teil-Feiertag.

In der "Ladenzeile" in der Herrnstraße hat sich Filialleiterin Monika Memmel zusammen mit den Mitarbeiterinnen gut auf den Tag vorbereitet. Es wird Secco ausgeschenkt und etliche Gewürzzubereitungen stehen zum Verkosten auf dem Präsentationstresen. Kerstin Schadowske hat sich darum gekümmert, dass bei diesen hohen Temperaturen kühler Eistee angeboten werden kann. "Wir profitieren schon davon, dass die Geschäfte nicht überall im Landkreis geöffnet sind. Der 15. August war schon immer gut besucht", weiß Monika Memmel.

Natürlich ist dies nur mit zusätzlichem Personal zu schaffen. Aber die Mitarbeiterinnen sind mit Freude bei der Sache, weil die Leute allgemein guter Dinge sind. Arbeitnehmer, die sonst nur an Samstagen durch die Einkaufsmärkte und Läden hetzen müssen, können heute mal gemütlich durch die Stadt bummeln. Die Geschäftsleute spüren das. Mariä Himmelfahrt ist ihr bester Tag im August.

Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbandes Bayern, denkt in bayernweiten Dimensioinen. So gesehen sei die Feiertagsregelung an Mariä Himmelfahrt schon "etwas unglücklich im Sinne der Gleichbehandlung". Die Würzburger Händler hätten freilich einen gewissen Umsatzverlust zu verkraften. Dinge des täglichen Bedarfs seien aber schon an den Tagen zuvor besorgt worden, weiß Ohlmann aus Erfahrung. "An Mariä Himmelfahrt machen die Kunden Ergänzungseinkäufe. Das ähnelt dem Konsumverhalten an einem verkaufsoffenen Sonntag", sagt er.

Generell habe der unterfränkische Einzelhandel mehr unter den unterschiedlichen Ladenschlusszeiten im Grenzbereich zu anderen Bundesländern zu kämpfen. Wenn die Aschaffenburger nach 20 Uhr nach Hessen fahren, um dort zu shoppen, "wirkt sich das viel schmerzlicher aus".

Adolf Wolz, in dessen Brust eigentlich zwei Herzen schlagen müssten - er ist Inhaber der Schöningh-Buchhandlungen sowohl in Würzburg als auch in Kitzingen - ist der Ansicht, am 15. August werde Rücksicht genommen auf die vorherrschende Konfession. Wolz: "Dies ist zu respektieren und erlaubt keine Bewertung."

Der Kreisvorsitzende des Einzelhandelsverbandes Würzburg ist der Meinung, dass der eine verkaufsoffene Tag im Vergleich zu den fast 300 Geschäftstagen im Jahr keine so große Rolle für den Einzelhandel spiele. Wolz: "Ich glaube nicht, dass so große Umsatzströme von Würzburg nach Kitzingen fließen."

Eine Fahrt nach Kitzingen lohnt sich heute auf jeden Fall. Denn außer dem Kauf-Angebot gibt es ein kleines Fest mit Live-Musik. Walter Vierrether feiert sein 25. Dienstjubiläum als Symbolfigur des Kitzinger Hofrats. Angelo Grimaldi von der Piccolo-Bar am Marktplatz übernimmt die Bewirtung. "Die Kitzinger werden nicht verhungern", verspricht Grimaldi.