Jeden Morgen dreht Gerhard Lauk die Hähne an den Wasserleitungsrohren auf. Seit Anfang März braucht der Etwashäuser Gärtner Wasser für seine Kulturen. Vom eher niederschlagsarmen Winter war nicht mehr viel Feuchtigkeit im Boden übrig. Also musste Lauk, um überhaupt pflanzen zu können, das sandige Substrat anfeuchten und dann fräsen, damit das Pflanzen mit der Maschine überhaupt funktionierte.
Nun blickt er über die Kulturen. Es ist sonnig und windig. Zufrieden sieht er nicht aus. "Was die Sonne nicht holt an Wasser, das nimmt sich der Wind", sagt Lauk.
Gärtner sein ist beschwerlich. Im vergangenen Jahr verbreiteten die Meldungen über das angeblich in Gemüse und Sprossen grassierende Ehec-Bakterium Angst und Schrecken unter Erzeugern und Verbrauchern. Nun müssen die Gärtner mit dem zweiten trockenen Frühjahr in Folge zurecht kommen.
Die Wärme und der Wind in den vergangenen Tagen machten die Lage kritisch, sagt Gerhard Reichelsdorfer, der beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen die Abteilung Gartenbau leitet. Frischmarktgemüse hat ohne Beregnung derzeit laut Reichels dorfer keine Überlebenschance mehr. Auch Gemüse, das weiterverarbeitet wird, zum Beispiel Weißkohl, Sellerie oder Gurken, droht zu vertrocknen, wenn es nicht durchgängig bewässert wird.
Auch die Landwirte klagen. Die Trockenheit dieses Frühjahrs sei noch schlimmer als die von 2011, sagt Gerhard Reiser vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Auf den Feldern geht das Wachstum nur mühsam voran.
Das Problem: Nach dem trockenen Winter schlug der Frost beim Wintergetreide zu. Viele Bauern mussten Sommergetreide nachsäen. Dieses bringt nicht den Ertrag der Winterfrüchte. "Auf den besseren Böden steht die Nachsaat zwar nicht schlecht", sagt Gerhard Reiser, "das Ertragspotenzial verschlechtert sich nun aber wegen des fehlenden Regens."
Beim Grünland sieht es laut Reiser ganz schlecht aus. Eine Zahl zur Verdeutlichung: Wo ein Landwirt im Vergleich zu feuchteren Frühjahren noch zehn Silageballen aus dem geschnittenen Gras pressen konnte, waren es heuer beim ersten Schnitt nur vier.
Die Landregen fallen schon im zweiten Jahr hintereinander aus. Schauer oder Gewitter gibt es nur punktuell. Während in einer Ortschaft ein Wolkenbruch niedergeht, bleibt es einige Kilometer davon entfernt trocken.
Die Regierung von Unterfranken ließ zur Vorbeugung von Waldbränden am vergangenen verlängerten Wochenende täglich den Luftraum über den Wäldern auf Brände kontrollieren. "An Pfingsten war die Gefahrenstufe recht hoch", sagt Pressesprecherin Lydia Neubert. Gestern sei nach Rücksprache mit dem Forstamt nicht geflogen worden. Heute wird je nach Wettervorhersage das weitere Vorgehen für die nächsten zwei bis drei Tage entschieden.
Die Trockenheit zeigt weitere Auswirkungen. Die Quellen, die früher die Trinkwasserversorgung der Stadt Mainbernheim sicherstellten, versiegen. Das Überlaufrohr am Hochbehälter nahe dem Kreisverkehr an der B8 liegt bereits trocken. Wo früher überlaufendes Wasser sichtbar sprudelte, ist der Einlauf in die Wasserableitung trocken.
"Bei anderen Wassernutzern, die vor dem Wasserbehälter angeschlossen sind, kommt bereits kein Wasser mehr", sagte gestern Verwaltungsleiter Hans Brummer. Die Stadt überlege noch, ob sie den Hochbehälter über einen Hydranten auffüllen soll, damit wenigstens die Wasserversorgung der Grabengärten gewährleistet ist. "Nicht auszudenken wäre es, wenn wir heute nicht an die Fernwasserversorgung angeschlossen wären", sagt Bürgermeister Karl Wolf.