PRICHSENSTADT

„Manchmal eine Tropfsteinhöhle“

Der Streit um die Kanalsanierung in Prichsenstadt geht in die nächste Runde: In der Stadtratsitzung am Donnerstagabend stellten die Bauingenieure Thomas Spyth und Frank Braun vom Planungsbüro Braun ihre Pläne vor und verglichen sie mit dem privaten Gegengutachten, das Freihof-Chef Richard Gebert auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hatte.
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Was passiert mit dem Pflaster und dem Kanal in der Prichsenstädter Freihofgasse? Foto: Foto: A. Stöckinger

Der Streit um die Kanalsanierung in Prichsenstadt geht in die nächste Runde: In der Stadtratsitzung am Donnerstagabend stellten die Bauingenieure Thomas Spyth und Frank Braun vom Planungsbüro Braun ihre Pläne vor und verglichen sie mit dem privaten Gegengutachten, das Freihof-Chef Richard Gebert auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hatte.

Vorläufiges Ergebnis: Zwei Parteien betrachten aktuelle Fotos von Kanalbefahrungen aus dem Jahr 2011 und kommen zu gegensätzlichen Ansichten. Während Gegengutachter Karl Jansen von einem „guten Zustand“ spricht, sehen die Bauingenieure in vielen Bereichen einen „sofortigen Handlungsbedarf“.

„Erhebliche Unfallgefahr“

Spricht der Gutachter von „gut erhaltenen Schächten“, sehen die Ingenieure marode Schächte mit einer erheblichen Unfallgefahr. Listet der Gutachter auf, warum 185 000 Euro für den Kanal in der Freihofgasse ausreichen, rechnen die Bauingenieure mit 369 000 Euro und zählen auf, welche Arbeiten, die ausgeführt werden müssen, im Gutachten überhaupt nicht berücksichtigt sind.

Fast zwei Stunden lang stellten die Ingenieure ihre Planung im Stadtrat vor. Sie stützten sich weitgehend auf das Gutachten von Jansen und hielten ihre Pläne und Ausführungen dagegen. „Es gibt viele Zahlen in dem Gutachten, die richtig sind“, sagte Frank Braun, „allerdings benutzt der Gutachter viele gesetzliche Vorgaben, die nicht mehr aktuell sind“.

So würde Jansen für den eigentlichen Kanalbau ein Verfahren mit wasserundurchlässigem Beton vorschlagen, „das wir nur bei sehr großen Bauwerken und Gebäuden einsetzen würden“. Auch sei die gesamte Breite des Baugrabens mit einer Breite von 2,31 Metern angegeben, „der Gutachter hätte auch die Möglichkeit von geringeren Breiten darstellen sollen“, so Braun. Ein Kanalschacht, vom Gutachter als „gut“ bewertet, berge laut Braun „hochgradige Unfallgefahr“, weil die Tritte nicht untereinander, sondern versetzt angebracht seien. „Der Arbeiter, der dort rückwärts runterklettert, tritt ins Leere.“

Thomas Spyth stellte die Fotos der Kanalbefahrung vor. Was für einen technischen Laien aussieht, als wäre alles in Ordnung, ist für ihn an manchen Stellen eine „Tropfsteinhöhle“. Durch deutlich sichtbare Löcher und Risse, tritt Grundwasser ein und das Abwasser versickert in der Erde. Besonders betroffen seien viele Hausanschlüsse. Die könnten laut Gutachter für einen weitaus geringeren Betrag saniert werden. Das stimme, so die Bauingenieure. „Allerdings halten die vom Gutachter vorgeschlagene Hutprofile höchstens 15 Jahre.“

Stichwort Starkregen: Da gehen Gutachter und Ingenieure von verschiedenen Grundvoraussetzungen aus. Beide benutzen Tabellen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) – allerdings aus unterschiedlichen Zeiten. Der Gutachter stützt sich auf Daten aus dem Jahr 1997, die Ingenieure gehen von regionalen Daten aus, mit „ortsüblichem Regen“, so Braun, „es regnet in Deutschland nicht überall gleich viel, und Starkregen wirkt sich in einer dichtbebauten Altstadt anders aus als bei lockerer Bebauung auf dem Land“.

Kritik aus der SPD

Verschiedene Grabentiefen beim Bau, verschiedene Ansätze für die Sanierung – dass diese Differenzen vielleicht sogar juristisch geklärt werden, darüber freut sich der genesene Bürgermeister Adolf Falkenstein: „Nach wie vor bin ich völlig gelassen, denn jetzt kommt die ganze Sache auf den juristischen Prüfstein.“ Hans-Dieter Kern (SPD) kritisierte indes, dass die Angelegenheit überhaupt in der Sitzung besprochen wurde. „Wir haben in der vorigen Sitzung beschlossen, die Pläne bis zur Anwohnerversammlung zu stoppen. Weil es trotzdem auf der Tagesordnung stand, hebeln wir unseren eigenen Beschluss aus.“

Die Versammlung werde er auf jeden Fall einberufen, entgegnete Falkenstein. „Das machen wir dann, wenn der Plan und das Gutachten von einem unabhängigen Gutachter begutachtet worden ist.“ Der Rat wählte im nicht-öffentlichen Teil aus einer Liste vom Landgericht und der Industrie- und Handelskammer (IHK) von unabhängigen und vereidigten Gutachtern drei aus, um ihre Angebote einzuholen.

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