Eine Strategiesitzung sollte es sein. Manche Stadträte hatten ihre Zweifel. Thomas Rank (CSU) lachte sich nach etwa dreieinhalb Stunden Diskussion beinahe schlapp. Nicht vor Erschöpfung. Er konnte dem neuen Prozedere der Haushaltsberatungen nichts abgewinnen. "Das macht doch alles keinen Sinn", meinte er zwischen einem neuerlichen Lachanfall.
Bislang lief es so: Vor den Haushaltsberatungen im März brachten die Fraktionen ihre Anträge ein, die Kämmerei fasste sie zusammen und an drei bis vier spannenden Abenden diskutierte der Stadtrat, welche Wünsche berücksichtigt werden sollen. Nachteil: Gerade für größere Baumaßnahmen war man spät dran, außerdem kamen manche Themen im Lauf des Jahres immer wieder auf die Tagesordnung.
Kämmerer Bernhard Weber will diese Systematik aufbrechen. Zunächst einmal soll der Stadtrat eine Prioritätenliste verabschieden. Die Stadtverwaltung - insbesondere die Mitarbeiter im Bauamt - werden die Kosten für die gewünschten Maßnahmen berechnen - und anschließend werden die Räte diskutieren. "Im Oktober", lautete denn auch die stereotype Antwort auf die Frage, wann man bei den wichtigsten Themen ins Detail gehen könne. Thomas Rank musste sich da schon ein Lachen verkneifen.
Insgesamt waren in diesem Frühjahr 93 Anträge aus den Fraktionen und Gruppen in der Stadtkämmerei eingegangen. Beinahe 20 Themen landeten nach der Diskussion vom Dienstagabend auf der Prioritätenliste ganz vorne. "Alle anderen müssen auch behandelt werden", forderte Klaus Christof (KIK). "Sie dürfen nicht dem Stadtrat zum Fraß vorgeworfen werden."
Und tatsächlich: Der Wunsch wird erhört. Alle Anträge werden im Lauf des Jahres behandelt, OB Siegfried Müller (UsW) geht dennoch von einer Zeit- und Arbeitsersparnis durch das neue Prozedere aus. "Die Anträge, die nicht auf der Prioritätenliste gelandet sind, werden von der Verwaltung nicht mehr groß aufbereitet", erklärte er und appellierte an die Fraktionen, in Zukunft nicht mehr so viele Anträge zu stellen. Manches könne schließlich auch abseits der Haushaltsberatungen schnell erledigt werden. Bestes Beispiel: Der Wunsch nach Parkgutscheinen für die Weinprinzessinnen (SPD).
Nachdem die Vorgehensweise ausführlich diskutiert und trotz mancher Skepsis akzeptiert war, einigten sich die Räte relativ schnell auf die wichtigsten Maßnahmen im kommenden Jahr. Dass diese Maßnahmen tatsächlich alle umgesetzt werden, erscheint allerdings mehr als fraglich, schließlich müssen Kämmerer und Stadtrat bei allen berechtigten Wünschen die finanzielle Handlungsfähigkeit im Auge haben. Nach derzeitgem Stand werden rund 4,5 Millionen Euro in 2013 aus der allgemeinen Rücklage entnommen. "Wir sind wirtschaftlich dauerhaft leistungsfähig", versicherte Weber. "Aber große Sprünge sind nicht mehr möglich." Thomas Rank konnte sich ein Lachen nicht mehr verkneifen.

Die wichtigsten Maßnahmen in Kitzingen


Der Stadtrat hat am Dienstag seine Prioritätenliste festgelegt. Die Stadtverwaltung wird jetzt die Kosten für die folgenden Maßnahmen ausrechnen. Im Herbst wird der Stadtrat entscheiden, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden: Sanierung der Schulsportanlage Deusterpark: Ehemaliges Marktcafé (Ende des Jahres soll die Entscheidung vorliegen, wer das Gelände bebauen kann. Die Stadt hofft, dass ein Investor die Fläche erwirbt); Bahnhofsgelände; Konversion Marshall Heights (Die Stadträte forderten, die Vorstellungen der Stadt gegenüber der BIMA als Grundstücksbesitzer klar zu formulieren. Nach der Sommerpause soll die Grundsatzentscheidung getroffen sein, ob die Stadt die Fläche erwerben will.); Sanierung Toilettenanlage Turnhalle Grund- und Mittelschule Siedlung; Bürgerfreundliche Gehwege und Pflaster in der Innenstadt; Bürgerservice-Zentrum im Rathaus. Einbezogen wird die Diskussion um die Nutzung des benachbarten Gebäudes Nr. 17; Energiemanagement/Energiesparmaßnahmen; Anbau/Umbau Feuerwehrhaus Hoheim; Generalsanierung Alte Mainbrücke; Erschließung Baugebiet Sickershausen; Parkplatz am Rotweißheim (soll versiegelt werden, der Parkplatz am Bleichwasen soll laut Verkehrskonzept kostenpflichtig werden.); Hochwasserfreilegung Essbach; Erneuerung Heizzentrale Rathaus und Fensteraustausch; Kanalsanierungen; Sanierung Breslauer Straße; Sanierung Sickergrundhalle.