Kitzingen
Naturphänomen

Märzfliegen: Experten geben Entwarnung

Schlagzeilen machten fremdartig erscheinende Insekten, die plötzlich überall in der Region Schwärme bildeten. "Alles halb so wild", geben Experten Entwarnung. Sie freuen sich über die Haarmücken, die heuer so präsent sind.
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Die Märzfliege ist eigentlich keine Fliege, sondern eine Mücke. Sie wird etwa acht bis elf Millimeter lang und ist damit die größte Haarmücke Europas.  Foto: Walter Eberl /pixelio.de
Die Märzfliege ist eigentlich keine Fliege, sondern eine Mücke. Sie wird etwa acht bis elf Millimeter lang und ist damit die größte Haarmücke Europas. Foto: Walter Eberl /pixelio.de
Auffällig waren in den vergangenen Wochen diese großen Insekten, die mit hängenden Beinen relativ langsam durch die Luft schwirren, über Sportplätzen, durch Wohnsiedlungen, an Bahndämmen und Hecken und in der Nähe von Kirschbäumen. Schwarz, haarig und mit Rüssel - es sind so genannte März- oder Markusfliegen, die durch Mainfranken ziehen. Heuer ist ihre Zahl explodiert. Auch wenn mancher dachte, er habe es mit einem Exoten zu tun, den uns der Klimawandel beschert: Bibio marci, so ihr wissenschaftlicher Name, ist eine heimische Art. Was auch wichtig ist: Diese Insekten stechen nicht und sind nützlich.

Bibio marci ist laut Wikipedia die häufigste, meist in Schwärmen vorkommende Art aus der Familie der Haarmücken und gehört zu den Zweiflüglern. Die tiefschwarz glänzende Märzfliege oder Märzhaarmücke wird auch Markusfliege genannt, weil sie gerade um den Markustag, also den 25. April, besonders oft ausschwärmt. Die Weibchen haben schwarze Flügel, die Männchen eher weißlich erscheinende. Es sind die Männchen, die beim Ausschwärmen im Flug die Beine hängen lassen. Ausgewachsene Markusfliegen ernähren sich von Pflanzensäften und Nektar; im Larvenstadium ziehen sie verrottendes Laub vor.

Keine unbekannte Art

Hartmut Brick von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes sagt, diese Art sei seit Jahren im Landkreis Kitzingen bekannt. "Sie sollte als Nützling betrachtet werden, der für den Menschen harmlos ist und durch seine Blütenbesuche auch zur Bestäubung beiträgt, beziehungsweise als Larve durch die Zersetzung von pflanzlichen Resten wichtig für den Naturhaushalt wird", sagt Brick.

Klaus Petter, Vorsitzender der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Mainstockheim, sieht die Markusfliegen heuer als "unverzichtbaren Bestandteil des Bestäubungsvorganges von Obstblüten aller Art". Aufgrund der Regenfälle in letzter Zeit habe die Blüte der Bäume nur kurz angehalten, Bibio habe genau in diesem Zeitraum für die Bestäubung gesorgt. Petter: "Die Bevölkerung wird gebeten, diese nützlichen Tiere nicht als Plage, sondern als Heil bringende Natur zu verstehen."

Peter Krämer, Biologe an der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken, hat Meldungen von "schwarzen Fliegen" aus ganz Unterfranken bekommen. Als Experte ist er davon kaum beeindruckt. Denn er habe auch schon Jahre erlebt, in denen Bibio-Exemplare in noch größeren Schwärmen geflogen sind. "Das Auftauchen der schwarzen Mücken ist normal. Es gibt solche Jahre, in denen sie in Massen auftreten", sagt Krämer. Daraus sei keine Ableitung möglich, wie sich andere Insekten verhalten, ob sie zur Plage werden und uns den Sommer vermiesen.

Die Larven sehen aus wie kleine graue Miniwürstchen, ungefähr so dick wie Bleistiftminen. Krämer nimmt an, dass die gute Bodenfeuchtigkeit im Herbst und Winter die Entwicklung der Larven in größerer Zahl begünstigt hat. Und die warmen Tage Ende April haben die Tiere dann in Massen hervorgebracht.
Die Gärtner und Landwirte haben sich an den Tierchen nicht gestört. Bei Rudolf Bender, dem Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes Kitzingen, sind jedenfalls keine Klagen von Landwirten eingegangen.

Keine Klagen von Gästen

Auch im Büro der Kitzinger Touristinfo haben sich keine Gäste beschwert, sie seien beim Aufenthalt am Main von den Tierchen belästigt worden. "Wir haben generell viele Insekten bei uns am Büro an der Alten Mainbrücke, aber die schwarzen Fliegen sind uns noch nicht besonders aufgefallen", berichtet Julia Then.




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