Kitzingen
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Macht der Investor den Abflug?

Vor ein paar Wochen war die Euphorie groß. Mit Markus Blum war ein Investor gefunden, der die ehemalige Harvey-Kaserne als Gewerbegebiet entwickeln wollte. Jetzt könnte alles scheitern.
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Rund 200 Hektar umfasst das Gebiet der ehemaligen Harvey-Kaserne.  Foto: Stadt
Rund 200 Hektar umfasst das Gebiet der ehemaligen Harvey-Kaserne. Foto: Stadt
Der Verkauf der rund 200 Hektar großen Harvey-Barracks ist gefährdet. Investor Markus Blum will sein finanzielles Risiko nicht über Gebühr beanspruchen. Knackpunkt ist die Kampfmittelräumung.
Anfang November sorgte die Nachricht in Stadt und Landkreis Kitzingen für Überraschung. Die Blumquadrat GmbH in Iphofen war plötzlich der Favorit für den Erwerb der ehemaligen US-Kaserne am östlichen Rand von Kitzingen. Die Fläche galt seit dem Abzug der Amerikaner im Sommer 2006 als besonders wichtig. Mit ihrer Entwicklung hat die Stadt schon immer die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze verbunden. Blum erfüllt diese Hoffnungen: Er will Gewerbe ansiedeln. Jetzt ist allerdings das ganze Projekt gefährdet.
"Es kann sein, dass der Kauf verschoben oder aufgehoben wird", informierte Markus Blum während der Stadtratssitzung am Donnerstagabend.
Am Montag will er mit der Besitzerin der Fläche, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, ein entscheidendes Gespräch führen. Im Moment ist Blum das wirtschaftliche Risiko zu hoch. Die Frage, die es zu klären gilt: Wie muss die Kampfmittelräumung auf der Fläche aussehen? Im Moment liegt das wirtschaftliche Risiko laut Blum im siebenstelligen Bereich. "Und das ist einfach zu hoch."
Die Fläche soll nach den Plänen des Investors nach und nach entwickelt und damit auch von Kampfmitteln befreit werden. Wobei eine absolute Kampfmittelfreiheit eine Illusion bleiben wird. Blum: Dann müssten wir alle Gebäude abreißen, den Boden auf fünf Meter Tiefe abgraben und alles wieder neu errichten."
Wie bei anderen Flächen auch, wird es in Harvey eine so genannte beschränkte Kampfmittelfreiheit geben. Deren Grundlagen hängen von der jeweiligen Nutzung ab. Bleibt die Fläche beispielsweise versiegelt, muss gar kein Eingriff erfolgen.
Blum hat klare Vorstellungen, wie die Harvey-Kaserne künftig aussehen soll: Für den größten Teil der Fläche ist eine gewerbliche und industrielle Nutzung vorgesehen. Zehn Prozent der Fläche wird an die Firma Frankenguss gehen. Eventuell könnten auf den FFH-Flächen neben der Landebahn Photovoltaik-Anlagen entstehen. Der Sonderlandeplatz soll weiterhin vom Luftsportclub Kitzingen betrieben werden. "Wir bemühen uns, dass der Flugplatz weiter existieren kann", versicherte Blum.
Ein weiteres Problem steht kurz vor der Lösung. Die Sanierungsvereinbarung mit dem Landratsamt wegen der Altlasten ist nach Blums Worten so gut wie unterschrieben. Sachgebietsleiterin Antoinette Graber kann bestätigen, dass die Gespräche sehr weit gediehen sind. "Wir wissen, wie es weiter gehen muss", sagt sie. "Die zeitliche Schiene und die Art und Weise, wie das Problem angegangen wird, sind abgesprochen." Altlasten gibt es auf der ganzen Fläche, in unterschiedlicher Ausprägung. Eine akute Gefährdung für das Grundwasser liegt an keiner Stelle vor.
Fehlt also nur noch eine Einigung in Sachen Kampfmittel. Oberbürgermeister Siegfried Müller betont, dass die Stadt dem Konzept von Blum positiv gegenüber steht. "Wir erhoffen uns vor allem Arbeitsplätze", erinnert er. Allerdings muss die Stadt auch ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. "Wir sind in diesem Fall die Genehmigunsbehörde", erklärt Müller. Mit anderen Worten: Die Stadt muss am Ende des Verfahrens prüfen, ob die Kampfmittelbescheinigung ausreichen ist. Die erhält Blum von einem Spezialisten, der das Gebiet nach den vorgegebenen Richtlinien und je nach vorgesehener Nutzungsart räumt.
Nachdem die Stadt keinen eigenen Kampfmittel-Experten hat, wird ein dritter Prüfer hinzugezogen. Dem Zufall könne man bei diesem sensiblen Thema nichts überlassen, betont Müller. Genehmigt die Stadt beispielsweise den Bau eines neuen Gebäudes auf einer Teilfläche, muss für ausreichend Sicherheit gesorgt sein. "Im Vorfeld kann es keinen Freischein geben", betont Müller.
Auch deshalb muss der Investor ganz genau kalkulieren und die Risiken so gut es eben geht abschätzen. Das Gespräch mit der Bima soll Aufschluss geben, ob ein Kauf unter den gegebenen Umständen noch sinnvoll ist.
Leoni hat den Kauf einer Teilfläche im Anschluss ihres Firmengebäudes bereits wieder aufgehoben, informierte Blum am Donnerstagabend. "Auch die brauchen schließlich Klarheit, was die Kampfmittelfreiheit angeht."
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