Iphofen

Machen Fertighäuser in Unterfranken wirklich Probleme?

Schlechte Qualität und Probleme mit den Bebauungsplänen – Iphofens Bürgermeister Josef Mend hält nichts von Fertighäusern. Ist sein Angriff auf die Branche gerechtfertigt?
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Falsche Vorurteile? Hochwertige Fertigbauten stehen Massivhäusern in nichts nach, sagen die Anbieter.  Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Fertighäuser sind beliebt. Auch am "Geiersberg", im neuesten Baugebiet in Iphofen (Lkr. Kitzingen), haben sich viele Bauherren für die Fertigbauweise entschieden. Sehr zum Ärger von Bürgermeister Josef Mend. In einer Sitzung des Bauausschusses vor wenigen Wochen  sprach er von "Hundehütten" und "Schrott" und machte damit zweifelsfrei deutlich, wie wenig er von diesen Häusern hält.

Mend kritisierte nicht nur die Qualität, sondern auch die Optik der Fertighäuser. Damit löste er eine heftige Diskussion in den sozialen Netzwerken aus. Einige warfen dem Rathauschef Arroganz und Unwissenheit vor, andere lobten ihn für seinen Mut und seine Weitsicht. Was ist dran an der Kritik des Bürgermeisters?

Gerade Franken sei eine Hochburg der Fertigbauweise, sagt Christoph Windscheif, Pressesprecher des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF). Er verweist nicht nur auf zwei große Musterhausparks in der Region – einer in Heßdorf bei Erlangen und einer in Estenfeld (Lkr. Würzburg). Auch das Interesse an Fertighäusern sei hier besonders groß, sagt Windscheif. Im Landkreis Kitzingen etwa entschieden sich im Jahr 2017 laut BDF rund 41 Prozent der Bauherren für die Holzfertigbauweise, die beliebteste Form des Fertighauses. Im Nachbarlandkreis Würzburg sind es immerhin 27 Prozent. Deutschlandweit hat die Fertigbau-Branche ein Allzeithoch erreicht. Nach Angaben des BDF fällt jedes fünfte in diesem Jahr genehmigte Ein- und Zweifamilienhaus unter die Kategorie Fertigbau. 

Architekt: Bewährte Anbieter liefern hochwertige Häuser

Doch ist die Qualität von Fertigbauten prinzipiell schlechter als die von Massivhäusern? Nein, sagt der Würzburger Architekt Rainer Kriebel: "Grundsätzlich ist ein Fertighaus nichts Verwerfliches." Es gäbe einige bewährte Anbieter, die durchaus hochwertige Häuser liefern, so der Kammerdeligierte der Bayerischen Architektenkammer. Kriebel kennt aber auch Negativbeispiele: "Wer besonders günstig bauen will, erhält oft auch nur die ausgemergelte Version eines Hauses. Für mehr Qualität werden dann Zuschläge fällig." Das sei aber nicht unbedingt eine Frage der Bauweise.

Fertighaus-Hersteller aus der Region wehren sich deshalb gegen die Vorwürfe des Iphofener Bürgermeisters. Volodymyr Liver vom Anbieter Gussek Haus spricht von "Sippenhaft". Auch sie kenne unseriöse Firmen, sagt die Bauberaterin aus dem Vertriebsbüros in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg). Man dürfe aber nicht von Einzelfällen auf die ganze Branche schließen. Die Kritik von Josef Mend hält Liver für ungerechtfertigt: "Probleme mit den Kommunen haben wir sonst nie."

Auch Verbandssprecher Windscheif sind solche Fälle nicht bekannt. "Ich vermute, dass da einfach falsche Vorstellungen herrschen. Fertighäuser sind nicht mehr das, was sie in den 60er Jahren mal waren." Stattdessen bekäme man heute überwiegend hochqualitative und individuell geplante Häuser, so der Sprecher des Bundesverbands. Vorausgesetzt die Kunden nehmen genug Geld in die Hand: "Viele Bauherren zahlen für ein Fertighaus heute zwischen 200 000 und 300 000 Euro." Die Kosten aber auch die Qualität seien also nicht automatisch niedriger als bei Massivhäusern.

  • Lesen Sie auch: Strategien zur Auswahl des Fertighauses

Probleme mit den Bebauungsplänen

Bürgermeister Mend sind die Fertighäuser in Iphofen aber noch aus einem anderen Grund ein Dorn im Auge. Er kritisiert, Fertigbauten seien häufig zu wenig an die regionaltypische Bauweise angepasst. Das führe dazu, dass immer wieder Bauherren ins Rathaus kommen, die bereits Verträge für ihr Fertighaus unterschrieben haben. Weil die aber laut Mend oft nicht mit den Bebauungsplänen übereinstimmen, versuchen die Bauherren dann Ausnahmen durchzusetzen.

Bauberaterin Liver hat Verständnis für den Ärger des Bürgermeisters. Üblich sei so ein Vorgehen in ihrer Branche aber nicht. "Seriöse Anbieter studieren erst den Bebauungsplan, beraten dann die Bauherren und klären dann alles mit dem Bauamt ab." Aus ihrer Sicht ist auch eine moderne Bauweise da kein Hindernis. 

Die Extrawünsche mancher Bauherren sind auch in anderen Kommunen bekannt. "Es kommen immer wieder Leute, die gerne einen höheren Kniestock hätten oder eine andere Dachneigung. Aber das kommt genauso bei Massivhäusern vor", sagt etwa Sebastian Heun vom Bauamt in Eußenheim (Lkr. Main-Spessart). Auf 60 bis 70 Prozent schätzt Heun den Anteil der Fertighäuser, die im dortigen Neubaugebiet "Dohle" entstehen. Probleme gäbe es dort aber keine. Laut Christian Sengl vom Bauamt in Kist (Lkr. Würzburg) machen Fertighäuser auch im dortigen Baugebiet "Flussäcker 1" keine besonderen Schwierigkeiten.

Architekt rät zum Anbieter-Vergleich: Qualität statt Größe

Zukünftigen Bauherren rät Architekt Kriebel: Wer sich für ein Fertighaus entscheidet, sollte die Anbieter gut vergleichen. "Das heißt, man sollte am besten mal bei einem Haus des Herstellers klingeln, das schon ein paar Jahre steht, und nach den Erfahrungen fragen." Außerdem empfiehlt er lieber an der Größe des Hauses zu sparen als an der Qualität. "Dann stimmt hinterher auch das Ergebnis."

Was ist ein Fertighaus?
Während klassische Massivhäuser Stein auf Stein vor Ort entstehen, werden die Bauteile eines Fertighauses in der Fabrik vorgefertigt. Die Einzelteile liefert der Fertighaus-Hersteller dann mit dem Lastwagen zur Baustelle und setzt sie dort innerhalb weniger Wochen zusammen.
Die Angebote der verschiedenen Hersteller variieren jedoch stark. Nicht alle Häuser sind nach dem Bau bezugsfertig. Bei einem Ausbauhaus etwa übernimmt der Bauherr den Innenausbau selbst.
Der beliebteste Baustoff ist Holz. Über 90 Prozent der Fertighäuser entstehen in der Holzfertigbauweise. Seltener sind Häuser mit vorgefertigten Wänden aus Beton oder Ziegel. 

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