GEISELWIND

Licht und Kraft für alle Wege

Bremsen quietschen, Motoren heulen. Tausende Laster und Autos brummen, rattern und rasen täglich über die A3. An der Ausfahrt Geiselwind biegt so mancher Reisende ab – zum Auftanken. Im doppelten Sinn.
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Licht fürs Leben: Luitgard Hünerkopf bittet um Schutz für ihre Söhne.
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Bremsen quietschen, Motoren heulen. Tausende Laster und Autos brummen, rattern und rasen täglich über die A3. An der Ausfahrt Geiselwind biegt so mancher Reisende ab – zum Auftanken. Im doppelten Sinn.

Gleich hinter den Zapfsäulen mit Benzin und Diesel zieht ein weißer, 30 Meter hoher Turm die Blicke auf sich. Wer erkundet, worum es sich handelt, gelangt an eine ganz andere Tankstelle – eine Tankstelle für die Seele.

„Come in“, „venid todos“, „Komm herein“: In vielen Sprachen steht über der gläsernen Eingangstür, dass jeder willkommen ist. Wer den Schritt ins Innere wagt, kommt durch einen lichtdurchfluteten Vorbau – hier plätschert Wasser in einem großen Taufbecken – in den Andachtsraum, in dem sanfte Meditationsmusik zum Entspannen einlädt. Inklusive Empore hat das Kirchlein 120 Plätze. Im zentralen, runden Glasfenster sind die Kontinente der Erde zu sehen – ein Symbol dafür, dass der Raum offen ist für jeden, egal welcher Herkunft und welchen Glaubens.

Bezüge zur evangelischen und katholischen Kirche gibt es trotzdem. Der Altar besteht aus einer umgedrehten, indirekt beleuchteten Wurzel mit zwölf „Armen“ – Symbole für die Apostel oder die zwölf Stämme Israels. Daneben können Kerzen angezündet werden. An der Kirchendecke erinnern Halogen-Sterne an den Namen der Autobahnkirche: „Licht auf unserem Weg“.

Kraft tanken

Seit fast 13 Jahren gibt es das besondere Gotteshaus. Hier kommen Menschen aus aller Herren Länder zur Ruhe. In dem hellen, mit Holz und Stein gestalteten Andachtsraum tanken sie neue Kraft für die Weiterfahrt – manche auch für ihr ganzes Leben. „Es sind schon viele wundersame Dinge rund um die Autobahnkirche geschehen“, erzählt Manuela Strohofer, die in einer Person sowohl Mesnerin, Wortgottesdienstleiterin, Organisatorin, Blumenbeauftragte und Kirchenführerin ist.

Den Wunsch, eine Kapelle zu bauen, habe ihre Familie schon lange gehegt. „Eigenmächtig, wie er ist, hat mein Vater dann Ende der 90er Jahre entschieden, mitten im Event-Zentrum eine Kirche zu bauen.“ Anton Strohofers Platzwahl war gut. „Die Kirche heute muss dahin gehen, wo die Menschen sind“, ist sich Manuela Strohofer sicher. „Wir müssen andere Wege gehen und neue Gottesdienstformen ausprobieren, um die Menschen zu erreichen, die sonst außen vor bleiben.“

Ein 22-jähriger Mann aus Berlin war nach dem ökumenischen Gottesdienst beim Trucker-Fest so beeindruckt, dass er spontan beschloss, sich taufen zu lassen – und das wenige Monate später in der Autobahnkirche auch tat. „Besonders gern erinnere ich mich auch an die Doppeltaufe zweier kleiner Cousins“, berichtet Manuela Strohofer. Eines der Kinder wurde katholisch getauft, das andere evangelisch. „Bei der Feier haben alle gemerkt, dass wir in der Taufe vereint sind, dass wir alle einen Vater im Himmel haben.“

„Ich wünsche mir, dass ich die Einheit der christlichen Kirchen noch erlebe!“
Manuela Strohofer

Die fünffache Mutter hat eine große Hoffnung: „Dass ich die Einheit der christlichen Kirchen noch erlebe!“ 500 Jahre der Trennung seien „eigentlich ein Skandal“. Manuela Strohofer: „Auch wenn ich katholisch bin, bin ich sicher, dass Luther, der in vielen Bereichen Recht hatte, diese Spaltung so nicht wollte.“

Immer wieder erlebe sie, dass der ökumenische Geist die Menschen begeistere. „Ein junges Pärchen ist auf der Suche nach seinem Hotelzimmer in der Kirche gelandet. Beide waren von der Atmosphäre so ergriffen, dass er ihr spontan einen Heiratsantrag machte.“ Einige Zeit später gab sich das Paar in der Autobahnkirche das Ja-Wort.

„Ein tolles Erlebnis war auch, als eine Frau aus der Umgebung, die jahrelang vergeblich auf ein Kind gehofft hatte, sich nach dem Autobahnkirchen-Gottesdienst spontan vom einstigen Dekan Georg Güntsch segnen ließ. Vier Wochen später war sie schwanger.“

Dass viele Menschen ihr Schicksal in Geiselwind vor den Herrn tragen – davon zeugt auch das mittlerweile elfte Anliegenbuch. Es liegt im Nebenraum, jeder kann seine Gedanken, Gebete und Hoffnungen hineinschreiben. Es gibt Seiten in den verschiedensten Sprachen.

Eine Kerze für die Söhne

Luitgard Hünerkopf schreibt nicht. Aber sie brennt regelmäßig in der Autobahnkirche eine Kerze an, stellt sie der Gottesmutter zu Füßen und betet um Schutz und Segen für ihre Familie, insbesondere für ihre beiden Söhne, die täglich auf der viel befahrenen A3 unterwegs sind.

Warum die 53-Jährige ausgerechnet in die Autobahnkirche kommt? „Vor allem, weil sie rund um die Uhr geöffnet ist, aber auch, weil ich die Atmosphäre und die Musik mag.“ Als Inhaberin der „Kupferpfanne“ muss die Geiselwinderin jeden Sonntag ab 7 Uhr ihre Gäste bewirten und verpasst deshalb den Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche. „Ohne fehlt mir was. Deswegen gehe ich am Nachmittag hierher.“

In schweren Zeiten habe sie auch schon mit Gott gehadert – das sei menschlich und normal. „Dann gilt es, ruhig zu werden und Gespräche mit ihm zu führen – und das kann man hier in der Autobahnkirche ganz wunderbar.“ Hier hole sie sich die Kraft für den Alltag. Und das Licht für den Weg.

Unterwegs Ruhe tanken – Aktionstag am Sonntag

Autobahnkirchen: 42 Autobahnkirchen und -kapellen in Deutschland laden zur Entspannung, Besinnung, Andacht und zum „Ruhe-Tanken“ ein. Eine davon ist die ökumenische Autobahnkirche „Licht auf unserem Weg“ am Autohof Strohofer in Geiselwind. Infos: www.autobahnkirchen.de

Geiselwind: Die Autobahnkirche „Licht auf unserem Weg“ ist Tag und Nacht geöffnet. Ökumenischer Gottesdienst ist jeden Sonntag ab 14 Uhr (Ausnahme: Juli und August). Die Kirche befindet sich hinter der Pkw-Tankstelle an der Rückseite des Hotels.

Aktionstag der Autobahnkirchen: Am 6. Juli findet in allen deutschen Autobahnkirchen um 14 Uhr ein Gottesdienst mit Reisesegen statt (10 Uhr Fernsehgottesdienst im ZDF). In Geiselwind lädt Wortgottesdienstleiterin Manuela Strohofer zu einer ökumenischen Feier mit Kommunion ein. Dabei werden ein neues Gebets- und Liederheft für unterwegs kostenlos verteilt sowie Infobroschüren und geweihte Christophorus-Schlüsselanhänger.

Reisesegen: Es ist eine gute Tradition, Menschen vor Beginn einer Reise zu segnen. Senden Sie eine SMS mit dem Text „Reisesegen“ an die Telefonnummer 0163/ 6633777. Wenige Minuten später erhalten Sie kostenlos den Reisesegen auf Ihr Handy. Infos: www.sms-reisesegen.de ldk

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