VOLKACH

Lesung und Musik zu 200 Jahre „Stille Nacht!“

Was hungrige Mäuse mit dem Erfolg von „Stille Nacht!“ zu tun hatten, erfuhren die Gäste des Volkacher Museums Barockscheune. Und sie tauchten ein die Gefühle des Liedes.
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Das Publikum und die Künstler singen gemeinsam „Stille Nacht!”, begleitet von Rosemarie Seitz an der Harfe. Foto: Foto: Maria Keil

Die erste weihnachtliche Veranstaltung im Museum Barockscheune war am Freitag sehr gut besucht. Anlass für den vorweihnachtlichen Abend mit Autorenlesungen und musikalischer Unterhaltung war der 200. Geburtstag des weltweit bekannten Liedes „Stille Nacht!“.

Es wurde im Jahr 1818 an Heiligabend in der St. Nikolaus Kirche in Oberndorf bei Salzburg das erste Mal gesungen. Franz Xaver Gruber komponierte die Melodie zu dem sechs Strophen langen Gedicht, das der Priester Josef Mohr schon zwei Jahre zuvor verfasst hatte. Mohr war das uneheliche Kind einer Strickerin. Der Besuch des Akademischen Gymnasiums wurde ihm aufgrund seines Talents von einem Salzburger Bürger ermöglicht. Angeblich hatten die Mäuse vor lauter Hunger den Blasebalg der Orgel angefressen und daher musste sie durch ein anderes Instrument ersetzt werden. Und nur so kam die Gitarre – bis dahin das Instrument der Wirtshäuser und der leichten Unterhaltung – in die Kirche.

Kirche verlor Deutungsmacht

Der Literaturwissenschaftler und Autor Bernhard Viel von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur erläuterte in seiner Einleitung die Hintergründe der Entstehung dieses tröstenden Liedes. In Europa war gerade die Napoleonische Herrschaft zu Ende gegangen. Das ursprünglich wohlhabende Oberndorf, in dem vor allem Salzachschiffer und Schiffbauer lebten, erfuhr einen Niedergang durch die Folgen des Krieges, Missernten und eine neue Grenzziehung entlang der Salzach. Auch die Lebenswelt in Europa begann sich im Zuge der Aufklärung und der Industrialisierung stark zu verändern. Die Kirche verlor die Deutungsmacht zugunsten der modernen Wissenschaften.

In dieser Zeit erstarkte das Bürgertum und entfaltete seine Werte und gesellschaftlichen Strukturen. Bis dahin war Ostern das wichtigste Fest im Jahreskreis und Weihnachten nur ein Fest unter vielen. Weihnachtsbräuche kannte man zwar schon im Mittelalter, ebenso wurde der Heilige Nikolaus bereits lange verehrt, jedoch erst am Ende des 18. Jahrhunderts entstand Weihnachten als bürgerliches Familienfest mit dem Lichterbaum.

Sehnsucht in Zeiten größter Not

„Stille Nacht!“ drückt die weihnachtlichen Gefühle Sehnsucht, Mitleid und Hoffnung aus. Und auch die von Maren Briswalter, Jutta Richter und Alois Prinz vorgetragenen Weihnachtsgeschichten bauten auf dieses sehnsüchtige Element in Zeiten größter Not und Verzweiflung. In dem von Maren Briswalter illustrierten Kinderbuch „Holly und Ivy: Eine Weihnachtsgeschichte“ ist es ein Waisenkind, das durch Verlust und Schicksalsschläge eine große Leere in sich spürt und dennoch nicht aufhört, von einem Weihnachtsbaum zu träumen und einer Großmutter, das ihm eine Puppe schenkt. Eindrucksvoll war auch der von Alois Prinz vorgelesene Weihnachtsbrief des Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, den dieser 1943 aus seiner Gefängniszelle an seine Verlobte Maria von Wedemeyer schrieb. Leidenschaftlich wehmütig war ebenfalls die Performance von Jutta Richter.

Musikalisch begleitete den Abend die Harfenistin Rosemarie Seitz aus Eibelstadt mit wunderbar zu den Geschichten passenden populären, weihnachtlichen Melodien. Zum Abschluss sangen alle gemeinsam „Stille Nacht! Heilige Nacht!“.

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