Als ehemaliger Kitzinger und ehemaliger Stadtrat in Kitzingen verfolge ich immer noch mit Interesse die Entwicklungen in der Stadt. Dem Bürgerdialog ist wirklich nur Erfolg zu wünschen. Aber neben dem von Herrn Graumann bedauernd festgestellten schlechten Image der Stadt bei den eigenen Bürgern hat sie noch mit einem anderen Manko zu kämpfen: Dem Image im Umland.

Während meiner Zeit in Kitzingen war ich selbst im Stadtmarketing-Verein aktiv und habe die Arbeitsgruppe Lokalstolz geleitet. Unser gemeinsames Ziel war es, Ideen zu entwickeln und anzustoßen, um das Image der Kitzinger Innenstadt, vor allem als Einkaufsort mit vielfältigen Angeboten, zu verbessern und im Umland besser bekannt zu machen. Als ich 2010 selbst nach Iphofen zog und hier einen immer noch wachsenden Bekanntenkreis aufbaute, musste ich feststellen, das anscheinend wenig bis gar nichts von unseren Bemühungen angekommen war. „In Kitzingen ist doch nichts los, Kitzingen hat doch nichts zu bieten.“ Solche und ähnliche Bemerkungen höre ich leider immer wieder.

Zwar lassen sich die Gesprächspartner in der Regel überzeugen, wenn man die Einstellung hinterfragt, aber die Diskussion ist zäh und die Einsicht kommt oft widerwillig. Am Ende steht dann doch immer wieder der Satz: „Dann fahr ich doch lieber gleich nach Würzburg.“

Sicher wurzelt dieses Vorurteil (denn ein solches ist es. Ich kaufe immer noch einen Großteil meiner Sachen problemlos und zu guten Preisen in Kitzingen) auch in dem Bild, das die Kitzinger von ihrer eigenen Stadt haben. Denn viele haben im Umland Verwandtschaft und Freunde und transportieren so ihre eigene Sichtweise immer wieder nach draußen. Dabei verstehe auch ich nicht, wie diese Haltung zu erklären ist. Als Stadtführer führe ich regelmäßig Gruppen von Touristen durch die Innenstadt und bekomme ebenso regelmäßig sehr positive Kommentare über die Vielfalt und Qualität der Geschäfte.

Das Thema „Wohnen in der Altstadt“ haben sich die Teilnehmer selbst als Aufgabe für den nächsten Bürgerdialog gestellt. Das ist gewiss eng mit der oben angesprochenen Problematik verknüpft, denn wer will schon in einem Stadtzentrum mit schlechtem Image wohnen? Dem Bürgerdialog ist dabei auch ein langer Atem zu wünschen, denn wer trennt sich schon gerne von lieb gewordenen Vorurteilen?

Volker von Hoyningen-Huene

97346 Iphofen