Kitzingen

Leserforum: Verwelkte Körperwelten

Zu „Die Leiden der Fußballpause“, Frühstück vom 15. Juni:
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Tattoo you: Die Rolling Stones hätten ihre Freude an Chiles Arturo Vidal.Foto: True, dpa

Die schreckliche fußballfreie Zeit hat begonnen! Die Bundesliga ist abgespielt, Auf- und Abstiegsplätze sind vergeben, die Champions League entschieden. Wie soll der Fußballfan diese leere und sinnlose Zeit überstehen?

Und das ist ja noch nicht alles! Es fehlt nicht nur das sportliche Element, die Spannung, das Sich-begeistern-Können. Nein, es geht uns auch ein gravierender optischer Genuss für unendlich lange Wochen abhanden: der ästhetische Genuss nämlich, die tätowierten Körper und einfallsreichen Frisuren der Spieler zu bewundern!

Was manche der jungen Männer mit ihren Köpfen anstellen, grenzt in vielen Fällen an Körperverletzung – und muss als optische Umweltverschmutzung empfunden werden! Und ob sich all die Tätowierten sicher sind, dass ihre ach so kreativen Muster auf der Haut ihnen auch noch in fünf oder zehn Jahren oder gar später gefallen werden?

Wie schrieb der Satiriker Axel Hacke einst: „Man könnte meinen, einige Fußballspieler seien in eine Tapetendruckmaschine geraten.“

Mein Gott! werden die jungen Leser unter Ihnen sagen, was ist das für eine altmodische hausbackene Einstellung! Kann sich doch jeder piercen, tätowieren oder kopfrasieren wie er will – das ist doch so was von cool! Das mag ja sein, liebes Jungvolk, und man kann vielleicht im einen oder anderen Fall eine Anmutung von Ästhetik oder etwas Interessantes entdecken.

Das mit den abstrusen Frisuren erledigt sich ja bei sehr vielen Männern im Laufe der Jahre von selbst. Aber stellt Euch doch mal vor, wie all die jetzt noch strammen, durchtrainierten Körper in einigen Jahrzehnten aussehen werden, wenn Falten, Speckrollen, Bierbäuche, Runzelhaut oder gar Operationsnarben die Tattoos zur Unkenntlichkeit entstellen und endgültig zur Karikatur werden lassen – und den armen Tätowierten gleich mit? Vielleicht wird eines Tages ein umtriebiger Künstler solche misshandelten Körper zum Kunstgegenstand erklären und daraus ein neues Projekt „Verwelkte Körperwelten“ gestalten!

Das wird eine Ausstellung mit beträchtlichem Würg-Faktor, eine Dokumentation des Verfalls menschlicher Eitelkeiten.

Wer sich aber trotzdem an den bunten Hautverzierungen nicht satt sehen kann, dem sei die aktuelle Fußball-WM der Frauen empfohlen. Die Tattoo-Seuche hat leider schon auf die Fußballerinnen übergegriffen. . .

Hans Bauer 97318 Kitzingen

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