GIEBELSTADT

Landwirtschaft als Spiegel der Gesellschaft

Was erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft? Zu diesem interessanten Thema hatte sich der Maschinen- und Betriebshilfsring (MR) Maindreieck den Philosophen Christian Dürnberger von der Uni München zur Jahresversammlung nach Giebelstadt eingeladen.
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Bauer
Traumjob: Der Beruf des Bauern ist unter jungen Leuten attraktiver geworden, auch wenn sie nicht aus der Landwirtschaft stammen. Foto: Karl Schönherr

Was erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft? Zu diesem interessanten Thema hatte sich der Maschinen- und Betriebshilfsring (MR) Maindreieck den Philosophen Christian Dürnberger von der Uni München zur Jahresversammlung nach Giebelstadt eingeladen.

Zunächst stellten Geschäftsführerin Jutta Michel sowie die Mitarbeiterinnen Christine Gumpert und Anja Meyer die Zahlen und Aktivitäten des MR im Jahr 2014 vor. Erfreulich sei die Entwicklung der Mitgliederzahl, die ist auf 1306 angestiegen.

Einen Verrechnungswert von über 9,8 Millionen Euro verzeichnet der MR für 2014. Hier schlagen vor allem der Transport mit über 3,8 Millionen und die Hackfruchternte mit 2,4 Millionen zu Buche. In der Betriebshilfe wurden insgesamt 46 978 Stunden geleistet, davon 30 496 in der wirtschaftlichen Betriebshilfe und 16 482 in der sozialen.

Die Landwirtschaftliche Maschinengemeinschaft (LMG) Ochsenfurt hat 2014 einen Rekord eingefahren: Über eine Million Zuckerrüben wurden verladen und transportiert. Michels Fazit: „Ich war begeistert.“ Insgesamt besitzt die LMG fünf Ladegeräte und 27 Lastwagen. Bereits seit vier Jahren gibt es eine kostenlose Wetter-App, viermal täglich wird sie aktualisiert. Das Angebot der individuellen Betriebsberatung legte Michel den Landwirten ans Herz. Ebenso die Maschinenring-Zeitung „MR Aktuell“.

Zu den Aufgaben des MR gehören unter anderem die Vermittlung und Abrechnung von sozialer und wirtschaftlicher Betriebshilfe und Maschinen, die Betreuung, Einsatzleitung und Abrechnung der Gemeinschaften sowie die Öffentlichkeitsarbeit, so Michel.

Mit einem Gewinn von 13 292 Euro schließt der Verein sein Jahresergebnis, berichtete Steuerberater Karsten Roth. Im Vorjahr lag der Gewinn bei 6731 Euro. Bücher und Belege waren ordentlich geführt. Der Gesamtvorstand wurde entlastet. Für 2015 rechnet Jutta Michel mit einem Gewinn von 14 350 Euro.

Vorsitzender Johannes Menth lobte die gute Zusammenarbeit sowohl in der Geschäftsstelle als auch im Vorstand des Vereins. Assistent Timo Michel wurde für seine zehnjährige Tätigkeit geehrt.

Referent Dürnberger begann seinenVortrag mit dem Hinweis, dass laut Umfragen der Landwirt als ein zukunftsträchtiger Beruf gesehen werde. Allerdings werde den Kindern in der Schule kein realistisches Bild von der Landwirtschaft vermittelt, sondern eher ein romantisches, meinte Dürnberger. Die Frage, was sie von der Landwirtschaft erwarten, sei 27 000 Europäern gestellt worden. Dabei kam eine Vielfalt an Erwartungen heraus, unter anderem, die Bevölkerung mit gesunden und unbedenklichen Produkten zu versorgen und die Umwelt zu schützen. „In den Erwartungen spiegeln sich zentrale gesellschaftliche Werte und Grundbedürfnisse wider; was den Menschen wichtig geworden ist, das erwarten sie auch von der Landwirtschaft“, so Dürnberger.

Hier kämen Ethik und Landwirtschaft ganz nah zusammen. Ganz besonders wichtig seien dabei der Umwelt- und Klimaschutz, die Nachhaltigkeit und der Tierschutz. Die ethische Frage lautet laut Dürnberger: „Wie dürfen wir mit unseren Tieren umgehen?“ Im Dialog mit der Gesellschaft müsse der Landwirt deshalb auch auf ethische Wertorientierungen eingehen, forderte er. Man sollte also nicht nur Zahlen, Daten und Fakten vermitteln, sondern auch das, was einen antreibt. Denn Menschen wollten nicht nur wissen, was jemand macht, sondern auch warum.

Dürnbergers Fazit: Landwirtschaft liegt im Brennpunkt der modernen Gesellschaft. „Hier laufen zahllose Fäden zusammen, die wichtig sind: Klimawandel, Tier- und Umweltschutz, Energiewende und die Gestaltung des ländlichen Raumes“, meinte er.

In der Diskussion zeigte sich, dass sich viele Landwirte in einer Position sehen, in der sie sich immer wieder verteidigen müssen. Hier riet der Philosoph: Die Stalltüren aufmachen und sich nicht verbarrikadieren. Denn eine Alternative zur Kommunikation gebe es nicht. Von Angesicht zu Angesicht miteinander reden, das sei nicht ersetzbar. Viele Anregungen habe Dürnberger in seinem Vortrag gegeben, meinte am Ende Vorsitzender Johannes Menth.

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