Kitzingen

Landkreis will Option für Steigerwaldbahn offen halten

Die Regierung von Mittelfranken möchte bis Sommer vom Landkreis Kitzingen wissen, ob er die Strecke der Steigerwaldbahn erhalten will oder nicht. Die Landrätin kämpft dafür.
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In Großlangheim, dem südlichen Endpunkt der Steierwaldbahn-Strecke, sind die Gleise stellenweise stark zugewachsen. Jetzt bekommt eine mögliche Reaktivierung der Bahnlinie neuen Schwung. Foto: Barbara Herrmann

Die erste Hürde hat der Landkreis Kitzingen genommen: Der ÖPNV-Ausschuss des Kreistags möchte die Steigerwaldbahn-Strecke erhalten. Damit will sich der Landkreis alle Optionen für die Zukunft offen halten. Nur zwei Kreisräte stimmten dagegen. In der Folge werden auch Kreisausschuss und Kreistag insgesamt darüber abstimmen.

Ausgangspunkt für die Debatte im ÖPNV-Ausschuss am Montag war der Antrag mehrerer Anrainergemeinden der Strecke  von 2016 an die zuständige Regierung von Mittelfranken, die Bahnlinie aufzuheben. Nach Ansicht dieser Kommunen ist die Steigerwaldbahn überflüssig; sie würden das Gelände der Bahnstrecke gern anders nutzen – sei es als Radweg, oder als Teile von Bau- oder Gewerbegebieten.

Rückenwind für die Schiene

Doch mittlerweile dreht sich der Wind. Die Diskussionen über zunehmenden Straßenverkehr, damit über Staus, Lärm und Umweltbelastung lassen Politiker auf verschiedenen Ebenen über neue Initiativen zugunsten des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) und somit auch der Schiene nachdenken. Dem trägt der aktuelle Landesentwicklungsplan für Bayern Rechnung, der einen Abbau vorhandener Infrastruktur – also auch von Bahnstrecken – vermeiden will. Und auch die Stadt Gerolzhofen hat mittlerweile ihren Antrag auf Freistellung der Strecke zurückgezogen.

Potenzialanalysen des Fördervereins Steigerwaldbahn und des Landkreises Schweinfurt kommen zum Schluss, dass die für eine Reaktivierung der Strecke notwendigen 1000 Reisenden-Kilometer erreicht, wenn nicht überschritten würden. Diese Analysen erkennt auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) an, die für den regionalen Schienenverkehr zuständig ist. So fasste Landrätin Tamara Bischof die aktuelle Faktenlage im ÖPNV-Ausschuss zusammen. 

Landrätin will Anrainergemeinden überzeugen

Der Landkreis Kitzingen selbst, so betonte es die Landrätin, habe sich seit 1979 immer wieder für den Erhalt der Bahnstrecke ausgesprochen. Und Bischof vertritt noch immer den Standpunkt, dass man die Gleise nicht leichtfertig aufgeben sollte. Schließlich sei der Landkreis der Träger des ÖPNV auf seinem Gebiet, nicht etwa die Gemeinden. Die Anrainer-Kommunen will die Landrätin überzeugen, dass es auch für sie vorteilhaft wäre, würde die Bahnlinie eines Tages reaktiviert. Sie gab bekannt, dass man sowohl im nördlichen Teil der Strecke, im Landkreis Schweinfurt, wie im südlichen, im Landkreis Kitzingen, mit Kosten von jeweils 22 bis 27 Millionen Euro für eine Neuaufnahme des Betriebs rechnen müsse.

In der Diskussion wurde deutlich, dass nicht alle Politiker an die Zukunft der Steigerwaldbahn glauben. Der gemeinsame Nenner ist aber die Erwartung, dass der ÖPNV in den kommenden Jahren eine deutlich größere Rolle spielen könnte. Wären die Gleise der Steigerwaldbahn aber erst einmal abgebaut, wäre die Möglichkeit, die Strecke zu reaktivieren, vertan. Deshalb entschied sich das Gremium mit großer Mehrheit für die Erhaltung der Strecke. Dabei spielte möglicherweise auch eine zweite Entscheidung eine Rolle: Der Ausschuss genehmigte einen Zuschuss von 68 000 Euro für die Instandsetzung der Mainschleifenbahn-Strecke zwischen Volkach und Seligenstadt. Wie berichtet , soll diese Strecke bei Seligenstadt einen Anschluss an die Hauptstrecke nach Würzburg bekommen. 

Kritiker bezweifeln die Prognosen zu Fahrgastzahlen

Für die Befürworter der Bahnlinien stiege damit die Attraktivität der angeschlossenen Gemeinden. Zugleich würden die Kommunen vom zunehmenden Straßenverkehr entlastet. Die Gegner bezweifeln dagegen die prognostizierten Fahrgastzahlen, sehen die Kommunen durch eine Bahnlinie auf ihrer Gemarkung in ihrer Entwicklung behindert oder halten die teils abgelegenen Haltestellen für wenig attraktiv. Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller betonte, dass die Strecke im Süden lediglich bis Großlangheim fahren würde. Eine Fortführung – zum Beispiel als Straßenbahn – bis zum Kitzinger Bahnhof, hält er für unrealistisch. Für den Abschnitt Kitzingen-Etwashausen ist die Freistellung seit Mai 2016 erteilt.

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