KITZINGEN

Landfrauen: Eine besondere Gemeinschaft

Am Anfang bestimmten die Männer, welche Bäuerin die Ortsbäuerin wurde. Lange ist das her und - kaum noch vorstellbar.
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Seit 70 Jahren gibt es im Landkreis Kitzingen Landfrauen. Zum Jubiläum trafen sich die letzten drei Kreisbäuerinnen (von links) zu einem Gespräch: Gertrud Schwab, Anette vom Berg-Erbar und Erika Voltz. Foto: Foto: Julia Lucia
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Am Anfang bestimmten die Männer, welche Bäuerin die Ortsbäuerin wurde. Lange ist das her und für Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar gar nicht mehr vorstellbar. Im Mai 1948 richtete der Bayerische Bauernverband (BBV) das Referat „Die Landfrau“ ein, Kreis- und Bezirksbäuerinnen wurden berufen und die Landfrauen waren geboren.

Viel hat sich seitdem geändert. Die Landwirtschaft wird immer industrialisierter, kleine Bauernhöfe starben und viele Orte – auch im Landkreis – haben gar keinen Bauernhof mehr. Erzeuger und Verbraucher entfernen sich immer weiter voneinander. In diesem Umfeld bewegt sich vom Berg-Erbar, die mit ihrem Mann einen Hof in Gnodstadt hat und auch Felder in Haidt bewirtschaftet. Der Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit liegt deshalb auf dem Erzeuger-Verbraucher-Dialog.

Selbstläufer

„Ich hatte es damals leichter“, erinnert sich Erika Voltz. Von 1972 bis 1997 war sie die oberste Bäuerin im Landkreis. Das Ansehen der Landwirte war anders, es gab noch mehr Bauern und Veranstaltungen der Landfrauen waren Selbstläufer. „Wir sind damals zu Werkabenden in die Dörfer gefahren“, erzählt Voltz, die mit ihrem Mann einen Hof in Schernau betrieb. Und alle haben dieses Angebot genutzt. „Die Frauen haben sich ausgetauscht. Es waren junge Mädels und ältere Frauen da“, sagt vom Berg-Erbar. Auch Gertrud Schwab, Kreisbäuerin von 1997 bis 2012, erinnert sich an diese Zeit: „Die Gemeinschaft war etwas Besonderes.“

Tolle Gemeinschaft

Vom Berg-Erbar nickt. „Landfrauen unter sich sind eine tolle Gemeinschaft. Sie geben Hilfe, wenn das Leben nicht zaghaft mit einem umgeht“, sagt sie. Da alle einen ähnlichen Hintergrund haben, verstünden sie die Probleme und Belastungen. Neben Ratschlägen gäbe es auch Lob und das sei „wertvolle Hilfe“.

Bis die Gemeinschaft auf Kreisebene so eng wurde, dauerte es allerdings. In die Anfangsjahre von Erika Voltz als Kreisbäuerin fiel die Gebietsreform. Landwirte aus Ochsenfurt, Scheinfeld und Gerolzhofen kamen in den Landkreis. Streitereien sind nicht ausgeblieben. „Erst als ich gemeinsame Fahrten organisiert habe, sind wir zusammengewachsen“, sagt Voltz. Drei Tage waren die Landfrauen in Deutschland unterwegs. „Für viele war das der einzige Urlaub im Jahr“, sagt Schwab, die in Kitzingen ihren Hof hatte. Die Zeiten sind lange vorbei, die drei Tage sind auf einen Tag geschrumpft.

„Es war ein Kampf“

Früher hat auch das Amt für Landwirtschaft mehr geholfen, hat Kurse und Veranstaltungen in Hauswirtschaft und Ernährungsberatung organisiert. Dessen Rückzug fiel in die Amtszeit von Gertrud Schwab. „Dabei ist Hauswirtschaft mehr als Kochen und Backen“, sagt Schwab. Ernährung allgemein, der Umgang mit Geld oder Umweltschutz gehören auch in dieses breite Feld. „Es war ein Kampf der Landfrauen für die Hauswirtschaft“, erinnert sich Schwab an ihre Bemühungen, die Lücke, die das Amt hinterlassen hat, zu schließen.

Berg-Erbar, die 15 Jahre lang Stellvertreterin von Schwab war, kämpft an anderen Fronten. Sie möchte den Verbrauchern „etwas über die moderne Landwirtschaft erzählen“. Kreisheimattag, Mainfrankenmesse oder Feinschmeckermesse – regelmäßig ist die 48-Jährige auf solchen Veranstaltungen anzutreffen. „Wir müssen Zeit investieren und präsent sein“, erklärt sie.

Einsicht

Sich, die Arbeit der Landfrauen und die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit darzustellen, ist nicht nur Aufgabe der Landfrauen, auch die Ortsobmänner sind gefragt. „Es hat gedauert, bis sie das eingesehen haben“, sagt vom Berg-Erbar. Mittlerweile informieren Männer und Frauen die Verbraucher gemeinsam.

Auch der Begriff Ortsbäuerin steht zur Diskussion. „Winzerinnen und Gärtnerinnen sehen sich nicht als Bäuerinnen“, erklärt vom Berg-Erbar. Kein Problem im Landkreis, dann wird aus der Ortsbäuerin eben eine Ortsvorsitzende. Leichter wird es so für die Fränkinnen auf Landfrauen-Landesebene nicht. „In Ober- und Niederbayern gibt es noch sehr traditionelle landwirtschaftliche Strukturen“, sagt vom Berg-Erbar. Ihre Vorgängerinnen lächeln vielsagend.

Zukunftswunsch

Sicher sind sich alle drei, dass sich in den nächsten zehn Jahren viel im Bereich Landwirtschaft tun wird. Und so hat jede ihren Wunsch für die Zukunft. Erika Voltz (78) hätte gerne, dass die Landwirtschaft „nicht weiter mies gemacht wird“. Gertrud Schwab (66) wünscht sich die Landwirtschaft als „festen Bestandteil in der Gesellschaft, die wichtig ist für Ernährung und Landschaftspflege“.

Ein „stärkeres Wir-Gefühl“ steht ganz oben auf der Wunschliste von Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar. „Der Zusammenhalt im Berufsstand muss wieder besser werden.“ Eine wichtige Rolle spielen ihrer Meinung nach dabei Frauen. „Die Frauen müssen mit- und in die Gemeinschaft aufgenommen werden.“

Die Gemeinschaft der Landfrauen wird am Dienstag, 4. Dezember, im Dekanatszentrum Kitzingen gefeiert. Um 9.30 Uhr hält Dekan Hanspeter Kern eine Andacht, der Landfrauentag mit Vorträgen und einer Bilderausstellung schließt sich an.

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