KITZINGEN

Lachend und weinend durch die Geschichte

Der Häcker scheint ewig zu leben. Der Erzähler in der Häckerchronik kommentiert in dem Festspiel die Kitznger Stadtgeschichte von den Anfängen bis heute.
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Warum der Falterturm schief ist: Die Maurer haben einen großen Anteil – weil sie dem Alkohol zusprachen. Foto: Fotos (2): Timo Lechner

Der Häcker scheint ewig zu leben. Der Erzähler in der Häckerchronik kommentiert in dem historischen Festspiel, das derzeit von rund 100 Laiendarstellern im Hof der Friedrich-Bernbeck-Schule zwischen Paul-Eber-Haus und evangelischer Stadtkirche aufgeführt wird, von den Anfängen bis heute. Das sind stolze 1270 Jahre, gerechnet ab 745 mit der Gründung eines Frauenklosters durch Hadeloga bis heute.

Der Häcker war immer dabei. Er ist so etwas wie der typische Franke dieser Region, hervorragend dargestellt von Reinhard Hüßner. Dem Leiter des Kirchenburgmuseums Mönchsondheim nimmt man die Rolle des knorrig-schelmischen Mannes auch voll ab. Aber auch die anderen Akteure bringen große Leistungen in den 15 Szenen des Schauspiels, das am Freitag seine Premiere hatte.

Eine Portion Sitzfleisch

Man muss kein Kitzinger sein, um die Häckerchronik genießen zu können. Jedoch erfordert sie ein Stück geschichtliches Interesse. Und eine Portion Sitzfleisch. Denn inklusive Pausen sind es gut vier Stunden, die den Besucher Aufmerksamkeit abverlangen. Also fast Bayreuther Ausmaße.

Nichtsdestotrotz geht die Zeit schnell vorbei. Das liegt nicht nur an dem stimmungsvollen Bühnenbild, das regelmäßig gewechselt wird, und der ausgeklügelten Licht- und Tontechnik, sondern auch an dem spannenden Stoff, den Regisseur Helmut Fuchs in Szene gesetzt hat.

Der Schleier Hadelogas, der vom Schwanberg aus bis ins heutige Kitzingen fällt und dort vom späteren Namensgeber, dem Schäfer Kitzo gefangen wird, das hat noch Sagenhaftes. Politisch wird es dann beim Bau des Kitzinger Rathauses, eine der neuen Szenen der Häckerchronik anno 2015. Wie lange sich die Diskussion um das neue Domizil der Ratsherren damals hingezogen hat und welche Haken die Geschichte geschlagen hat, das erinnert zuweilen an die Zustände der Gegenwart im Stadtrat.

Mucksmäuschenstill

Während in Giebelstadt die Geschichte Florian Geyers und den Bauerkriegen an einem ganzen Abend erzählt wird, reicht in der Häckerchronik eine komprimierte Szene. Das anschließende Strafgericht über 54 Kitzinger Bürger, die im Leidenhof geblendet werden, wird eindringlich dargestellt. Eine Episode, die in ihrer Intensität nur noch von der Erzählung vom Bombenangriff auf Kitzingen am 23. Februar 1945 getoppt wird. Da blitzt und kracht es um die Bühne. Das sind dann auch die Momente, in denen es im Publikum mucksmäuschenstill ist.

Gelacht werden darf aber freilich auch. Wie in der Falterturmszene, in der betrunkene Maurer den Mörtel mit Wein mischen, der angesichts einer Trockenheit statt Wasser reichlich da ist. Und die Szene in der Hill-Billy-Bar bringt auch die Zuschauer auf die Stühle, wenn zu Bill Haleys „Rock around the Clock“ plötzlich die Puppen tanzen.

Umbaupausen werden gekonnt überbrückt. Wenn Gästeführer Franz Hildebrand eine Gruppe Touristen durch das Szenenbild führt, dann ist das für die Zuschauer ein Aha-Effekt, während dem die Kulissen ohne Aufmerksamkeit wechseln.

Mit einer Abordnung des Kolping-Musik-Corps, das die Fanfaren ebenso erklingen lässt wie kirchliche Choräle, und dem Hadeloga-Consort, das auf Nachbauten historischer Instrumente barocke Klänge zum Besten gibt, hat die Häckerchronik zudem eine musikalische Note.

Termine: Noch bis 2. August wird die Häckerchronik im Innenhof der Friedrich-Bernbeck-Schule aufgeführt: Mittwoch, 29. Juli, Freitag, 31. Juli, Samstag, 1. August, Sonntag, 2. August. Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr. Dauer: dreieinhalb Stunden.

Kartenverkauf: Hauptverwaltung

der Stadt Kitzingen Zimmer 2.6,

(0 93 21) 20 10 04, Tourist-Information

Kitzingen, Schrannenstraße 1,

(0 93 21) 20 88 88 (während der

allgemeinen Öffnungszeiten). Eintrittspreise: Kategorie A

zwölf Euro, Kategorie B zehn Euro

und Kategorie C acht Euro.

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