Mainstockheim

Kulturzeichen: Die Wäsche ist trocken

Das Team um Melinda Hillion beteiligt sich in Mainstockheim mit Landart an den Kulturzeichen im Kreis Kitzingen. Schauplatz sind die Weinberge, atemraubende Blicke inklusive.
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Die Vernissage zum Mainstockheimer Beitrag zur den Kulturzeichen, gestaltet von Melinda Hillion, war am Samstagnachmittag gut besucht. Foto: Robert Haaß
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Ganz hinten in Mainstockheim – ganz oben über Mainstockheim, mit atemberaubenden Blick über das Maintal und das Steigerwaldvorland: Dort findet diesmal der Mainstockheimer Beitrag des Teams rund um Melinda Hillion zu den Kulturzeichen statt. Keine Streetart diesmal, sondern Landart hat die französische, in Mainstockheim lebende Künstlerin bei der Vernissage am Samstagnachmittag den gut 100 Besuchern präsentiert. Und wer möchte, kann Kunst, Kultur und Landschaft noch bis Ende August erleben.

Manchmal braucht es halt den Blick von außen, um tief ins Innere zu schauen, um auch denjenigen, die schon lange hier leben, zu zeigen, wo sie denn wohnen, welche Schätze ihre Heimat bietet. "Landart" hat Hillion zu ihren drei Installationen ausgewählt, Kunst, die eher zufällig die Landschaft schmückt, die nicht direkt ins Auge springt, die die Frage offen lässt: Hat hier jemand absichtlich gewirkt?

Hillion spricht von "Schlüsselworten für uns alle"

Ein alter rostiger Schlüssel weist an der Scheune am Ende des Brunnwegs auf die erste Installation hin: Pflasterreihen, beschriftet mit den drei Worten "Main", "Stock" und "Heim". Schlüsselworte für uns alle, sagte Melinda Hillion, und sie enthalten auch vieles, schüttelt man die Buchstaben. Da klingt "Amen", "Thomas", "Mon Ami" und auch "Heimat".

Wenige Schritte weiter den Berg hinauf, zwischen den Weinbergen, eine gefasste Quelle. Auch hier wieder der menschliche Eingriff: Auf Wäscheleinen gespannt sind Geschirrtücher, die am Samstag lustig im Wind wehten. Wer genauer hinsieht, entdeckt Gedrucktes: Die Portraits von alten Mainstockheimern, von Szenen aus dem Dorfleben, von der Weinlese. "Die Wäsche ist trocken", sagte Melinda Hillion – ein schöner Titel, aber ist er ernst gemeint?

Die Überraschung an der letzten Station ist gleich mehrfach: Da ist natürlich dieser Blick weit in die Landschaft hinein. Unterhalb der Hütte steht ein alter Fischer-Schelch aus Holz, beladen mit Weidenkörben und Weidenruten. Das Team um Hillion ist fleißig gewesen und hat Steine den Berg hinauf transportiert und eine Plattform für das Boot geschaffen. Sieben Tonnen Gewicht wollen verteilt werden.

Erinnerung an die Zeit, als hier noch Meer war

Hat hier ein Hochwasser gewirkt und den Schelch aus dem Tal geschwemmt? Nein, es ist ein Blick weit zurück in die Historie, als die Landschaft hier noch Meer war und mit den Kalkablagerungen die Voraussetzungen für den eigenen Geschmack des Weins geschaffen hat.

Am Ende gab's Beifall. Viele Teilnehmer haben Picknickkörbe und Decken mitgebracht, in der Hütte wird Wein ausgeschenkt, Liegestühle werden aufgeklappt oder die Besucher setzen sich auf Strohballen. Es geht gemütlich zu und gar nicht abgehoben.

Für Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs war es "ein Wagnis", als sich die Gemeinde vor drei Jahren erstmals an den Kulturzeichen beteiligte. Das Team um Melinda Hillion war aber schon damals so erfolgreich, dass die Fortsetzung logisch erschien. Auch wenn die Kulturzeichen in diesem Jahr enden, versprach der Bürgermeister: "Nächstes Jahr werden wir uns sicher wieder etwas einfallen lassen."

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