Dettelbach

Kreuzschlepper in neuem Glanz

Bildstöcke aus Sandstein gehören zum Bild der fränkischen Landschaft wie die Weinberge. Mit ihren verschiedenen Motiven sind sie bis heute Erinnerung an die Frömmigkeit und Dankbarkeit vergangener Generationen. So stand auch ein Kreuzschlepper im Garten von Roswitha und Rudolf Then, einem einstigen Weinberg in der Dettelbacher Michael-Göbel-Straße.
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130 Arbeitsstunden stecken in der Replik des Kreuzschleppers. Das Original hatten Rudolf und Roswitha Then jahrelang im Garten stehen. Hilfe kam von den Restauratoren Petro Schiller und Andreas Klesse, der Segen von Pfarrer Uwe Hartmann (von links). Foto: Andreas Ruhsert

Bildstöcke aus Sandstein gehören zum Bild der fränkischen Landschaft wie die Weinberge. Mit ihren verschiedenen Motiven sind sie bis heute Erinnerung an die Frömmigkeit und Dankbarkeit vergangener Generationen. So stand auch ein Kreuzschlepper im Garten von Roswitha und Rudolf Then, einem einstigen Weinberg in der Dettelbacher Michael-Göbel-Straße.  

"Im Zuge eines Umbaues, mussten wir dieses Denkmal 2003 versetzen", erinnert sich Rudolf Then. Der Zahn der Zeit hatte schon lange am Sandstein genagt, mittlerweile fehlten Kopf, Hals und der rechte Arm. Die Inschrift war nicht mehr vollständig erhalten. "Wir wollten dieses Denkmal früherer Frömmigkeit nicht ganz der Vergangenheit überlassen", war sich das Ehepaar einig. Im Gespräch mit dem Restaurator Petro Schiller sei ihnen klar geworden, was für ein Kleinod sie im Garten stehen haben, erzählt Rudolf Then. Sogar der Denkmalschutzbehörde war der Kreuzschlepper noch nicht bekannt. Eine Restaurierung war jedoch längst nicht mehr möglich.

Über 400 Buchstaben mussten gefertigt werden

Mit Hilfe der Relikte und früherer Aufnahmen der Inschrift gelang es dem Restaurator Andreas Klesse in Schillers Werkstatt in Königsberg, eine originalgetreue Replik herzustellen. 130 Arbeitsstunden waren hierfür notwendig, hinzu kam noch die Fertigung der über 400 Buchstaben. "Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und folgt mir nicht nach, der ist meiner nicht wert", beginnt die Inschrift in barocker Schreibweise.

"Als ich den Kreuzschlepper sah, wusste ich sofort, das ist mein Projekt", erinnert sich der Künstler an seine erste Begegnung mit dem Bildstock. Ein Kreuzschlepper in dieser Größe sei für ihn "kein alltäglicher Auftrag". Als Material hat Andreas Klesse bewusst Udelfanger Sandstein aus der Eifel gewählt. "Das ist besonders fest und wetterbeständig", so der Restaurator.

Ursprüngliche Stifter des Kreuzschleppers waren Johan Caspar Dhereser und seine Frau Kunigunda. Der Grund für die mit dem Denkmal ausgedrückte Dankbarkeit ist nicht überliefert. Die Geschichte konnte mit Hilfe von Konrad Reinfelder gut rekonstruiert werden. Aufgestellt wurde er um 1700, in der Zeit des Hochbarocks.

Bildstock stand über 300 Jahre im Weinberg

Die Inschrift besagt auch, dass eine Elisabeth Stöcklein 1890 den Bildstock renovieren ließ. So stand dieses Denkmal über 300 Jahre im Weinberg, den Thens Großvater, Justizrat Johann Baptist Then, 1905 von der Familie Stöcklein erwarb. "Wir haben uns dazu entschlossen, diese Replik nicht am ursprünglichen Standort aufzustellen, sondern hier, an der Straße, wo sie jeder sehen kann. Der Kreuzschlepper soll auch ganz bewusst eine kleine Erinnerung an die frühere Frömmigkeit und Dankbarkeit unserer Vorfahren sein, Eigenschaften, die heute in unserer säkularisierten Welt, nicht mehr viel zählen", erklärt Rudolf Then. Pfarrer Uwe Hartmann segnete den Kreuzschlepper und danke der Familie Then für dieses Zeichen christlichen Engagements.

"Der Dettelbacher Kreuzschlepper hat noch einen Bruder, der ihm sehr ähnelt", weiß Heimatpfleger Hans Bauer. Dieser steht am Kitzinger Ortsausgang in Richtung Mainstockheim und wurde, von einem Gebüsch zugewachsen, zufällig entdeckt. Seine Inschrift ist auf das Jahr 1703 datiert.

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