ABTSWIND

Kreuz und quer durchs Becken

Zehn Uhr am Morgen, endlich wird das kleine Kassenfenster nach oben geschoben. Endlich ist das Abtswinder Freibad geöffnet. Obwohl die Sonne ihren Höchststand noch nicht erreicht hat, sirrt die Luft.
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Beliebt: Das Freibad Abtswind, hier bei der Poolparty im Sommer 2014. Foto: Foto: Siggi Koos

Zehn Uhr am Morgen, endlich wird das kleine Kassenfenster nach oben geschoben. Endlich ist das Abtswinder Freibad geöffnet. Obwohl die Sonne ihren Höchststand noch nicht erreicht hat, sirrt die Luft.

Doch die Rekordtemperaturen von über 38 Grad vom vergangenen Sonntag werden es heute wohl nicht werden, freut sich auch Ulrich Zehnder, der Gaststättenpächter des Bades. Mit Bierkrügen an den Wänden und der Einrichtung aus Holz strahlt das Lokal eine gemütliche Stammtischatmosphäre aus, lädt zu einer kurzen Rast im Schatten ein.

Seit sechs Jahren verkauft Ulrich Zehnder tagsüber vor allem Eis und Kaffee und abends Bier und Frankenwein an die Gäste. In der Hochsaison steht er oft mehr als zwölf Stunden am Stück in der Gaststätte, aber das ist es ihm wert. „Ich treffe viele nette Leute und das Sommer-Flair ist einfach ein Traum. Das macht noch jede kurze Nacht wieder wett.“

Am vergangenen Sonntag suchten rekordverdächtige 1200 Badegäste ihr Heil im kühlen Nass. „Das war Stress pur“, seufzt Holger Lenz aus dem Team der nebenberuflichen Bademeister(innen). Viele Wespen- und Sonnenstiche mussten versorgt und einige Streithähne beruhigt werden, erzählt Lenz. Aber selbst wenn es mal Ärger gibt – er liebt es Bademeister zu sein. Seine Lieblingszeit ist der frühe Morgen, wenn es ganz still ist, und er die Aussicht auf den Friedrichsberg genießen kann.

Obwohl Holger Lenz heute Geburtstag hat, springt er gerne für einen Kollegen ein: Schließlich sieht er seine Arbeit nicht nur als Beruf, sondern als Berufung. „Man muss es wirklich wollen, nur für das Geld allein geht das net,“ lacht er.

Langsam füllt sich das kleine Bad und die vielen Badetücher machen die Wiese zu einem bunten Flickenteppich. Eine Klasse aus Wiesentheid hat ihren Schwimmunterricht kurzerhand nach Abtswind verlegt. Aber die Schüler kommen auch nach der Schule gerne in das Freibad. Ganz einfach, weil man hier jeden trifft und sich nicht nur im Wasser, sondern auch auf dem Beachvolleyballfeld austoben kann.

Ausgelassen hüpfen die Schüler ins Wasser und schwimmen kreuz und quer durchs Becken. Das freut nicht jeden, wie Bademeister Lenz weiß. Viele Senioren ärgern sich, weil sie sich beim Bahnen ziehen gestört fühlen. „Man muss Alt und Jung ein bisschen zusammenbringen, dass jeder zufrieden ist. Das ist gar nicht so einfach.“ Zur Mittagszeit, übernehmen zwei Rentner seine Arbeit; abends und am Wochenende sieht die Abtswinder Wasserwacht ehrenamtlich nach dem Rechten. Deshalb kann sich der Ort das Geld für einen teuren, hauptamtlichen Bademeister sparen. Viele Abtswinder und Engagierte aus dem Umland helfen zusammen, damit die Gemeinde entlastet wird und das Freibad so günstig und schön bleibt, wie es ist.

Grillfest für Helfer

Am kommenden Wochenende wird sich die Gemeinde dafür revanchieren. Für die Helfer der Wasserwacht und weitere fleißige Hände aus der Gemeinde wird es ein großes Grillfest geben. Alle anderen Feierwütigen müssen sich noch bis zum 1. August gedulden: Dann startet die beliebte Pool Party im Abtswinder Freibad in die nächste Runde.

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