KITZINGEN

Kreativ sein in der Wohlfühl-Oase

Norman Struckmann hat vor sich Laptop, Tastatur und zwei große Bildschirme, arbeitet an einem Kabelsatz-Plan, der für Laien eher wirr aussieht. „Es ist angenehm, dass ich zwischen Sitzen und Stehen wechseln kann“, erzählt der junge Mann, einer von 200 Leoni-Mitarbeitern in Kitzingen, die seit kurzem in neuen Büroräumen arbeiten. 15 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür investiert.
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Rückzugsräume: Eine grünen Besprechungsinsel und der (geöffnete) Gardinen-Pavillon (im Hintergrund) für Kurz-Konferenzen. Foto: Foto: Leoni AG
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Norman Struckmann hat vor sich Laptop, Tastatur und zwei große Bildschirme, arbeitet an einem Kabelsatz-Plan, der für Laien eher wirr aussieht. „Es ist angenehm, dass ich zwischen Sitzen und Stehen wechseln kann“, erzählt der junge Mann, einer von 200 Leoni-Mitarbeitern in Kitzingen, die seit kurzem in neuen Büroräumen arbeiten. 15 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür investiert.

Struckmann ist in der Entwicklung tätig, wo Bordnetzsysteme, sprich Kabel und Kabelbäume, ausgetüftelt werden. „Es macht mir nichts aus, dass jemand von hinten auf meinen Bildschirm schauen kann“, sagt Struckmann auf Nachfrage. Oft komme es ohnehin nicht vor, dass jemand hinter ihm vorbeigeht, weil die vorgesehenen Laufwege des Großraumbüros auf dem Teppich mit grünen Quadraten markiert sind. „Und außerdem habe ich ja nichts zu verbergen.“

Schaut Struckmann halblinks nach vorn, sieht er durch die einige Arbeitsplätze weiter entfernte Glasfront in der Ferne den Schwanberg – ein Büro mit Aussicht also, in dem Kunstlicht auf das Nötigste beschränkt wurde. „Natürlich waren die Fensterplätze begehrt“, erzählt Jürgen Linhard, der Geschäftsführer Leoni Bordnetz-Systeme und Leiter des Kitzinger Standorts. „Durch unser ausgeklügeltes Raumkonzept haben wir viele Wünsche berücksichtigen können.“

Leitgedanke sei gewesen, Büros mit Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, also offene Räume mit viel Licht, modernem Mobiliar und gedämpfter Akustik. Gleichzeitig sollte den neuen Kommunikationswegen Rechnung getragen werden: Kollegen, die häufig miteinander arbeiten, sitzen jetzt näher beieinander. „Früher wurde hin- und hertelefoniert, es wurden Konferenzen abgehalten. Jetzt geht Vieles auf ganz kurzem Dienstweg“ freut sich Linhard.

Zwischen den Büroboxen gibt es keine Trennwände mehr, dafür Besprechungsinseln und Gardinen-Pavillons, die sich per Knopfdruck in einen Konferenzraum verwandeln lassen. „Das geht schnell, Reservierung entfällt – und den Rest des Tages ist der Raum offen.“ Clever auch: Es gibt Arbeitsplätze, wo sich ein Vorhang zuziehen lässt – für ein ungestörtes Telefonat, oder für Tage, wo man in Ruhe gelassen werden will. „Kreative Mitarbeiter brauchen ein inspirierendes Umfeld“, so Linhard, der einräumt, dass es anfangs durchaus Skepsis gab. Beispielsweise, als kleinere Schreibtische beschlossen wurden, weniger Schränke, weniger Raum für persönliche Dinge. „Doch im Laufe der Diskussion ist fast ein Wettbewerb entstanden, wer mit dem geringsten Platz auskommt.“

Wichtig sei gewesen, von Anfang an den Betriebsrat einzubinden. „Dort gibt es naturgemäß andere Ideen, andere Prioritäten. Und erst zusammen ergab sich die heutign Lösung.“ Drucker und ähnliche Hilfsgeräte wurden konsequent in abgetrennte Bereiche verlegt, die Mülltrennung optimiert, eine Belüftungsanlage sorgt für gutes Klima.

Weitere Millionen investiert Leoni ab jetzt in die Büros der anderen gut 700 Mitarbeiter. (siehe unten). Und am Samstag wird jetzt erst einmal gefeiert: Rund 1200 Gäste werden erwartet, Mitarbeiter und ihre Familien. „Die Kinder sollen sehen, wo ihre Eltern arbeiten“, so Linhard. Vielleicht werden das ja dann die Mitarbeiter von übermorgen. . .

Leoni-Standort Kitzingen im Profil

Kitzingen ist seit den Anfängen 1960 in der Glauberstraße ein Leoni-Standort und seit 1999 Hauptsitz der Bordnetzsysteme GmbH. 2014 soll in über 30 Produktionswerken mit rund 56 000 Mitarbeitern ein Umsatz von 2,4 Milliarden Euro erzielt werden, 2016 bereits 3 Milliarden Euro. Kitzingen ist Kompetenzzentrum für Forschung& Entwicklung mit Zentralabteilungen wie Einkauf, Personal oder Controlling. Nach Überwindung der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 konnten rund 250 Arbeitsplätze aufgebaut werden (aktuell 930), weitere 100 sind geplant. Die in Kitzingen entwickelten Produkte und Technologien kommen weltweit in der Automobil- und Nutzfahrzeugbranche zum Einsatz. Abgeschlossen ist nun die Erweiterung der Büroflächen um 6500 Quadratmeter in bisher ungenutzten, früheren Produktionshallen. Es gibt Raum für mindestens 100 neue Arbeitsplätze. Jetzt sind Umbau und Modernisierung der übrigen Flächen (15 000 Quadratmeter) dran. Auf dem neuen Grundstück (Harvey-Barracks, 2,5 Hektar) entstehen 200 Parkplätze, in Kürze soll es dafür
aurecht geben. Zudem gibt es Flächen „auf Vorrat".
 

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