KITZINGEN

Konzert mit Gänsehautfaktor

„Ich habe jetzt noch Gänsehaut.“ Das sagte am Samstagabend eine Zuhörerin beim Verlassen der Stadtkirche. So wie ihr erging es vielen anderen, die das knapp eineinhalbstündige Konzert des Ensembles Hundshaupten in dem fast voll besetzten Gotteshaus miterlebt hatten.
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Begeistert: Rund 300 Zuhörer erlebten am Samstagabend in der evangelischen Stadtkirche in Kitzingen ein Konzert der Extraklasse mit dem Ensemble Hundshaupten. Foto: Foto: Ralf Weiskopf
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„Ich habe jetzt noch Gänsehaut.“ Das sagte am Samstagabend eine Zuhörerin beim Verlassen der Stadtkirche. So wie ihr erging es vielen anderen, die das knapp eineinhalbstündige Konzert des Ensembles Hundshaupten in dem fast voll besetzten Gotteshaus miterlebt hatten.

Die elf Musiker des Blechbläserensembles aus der Fränkischen Schweiz begeisterten ihre rund 300 Zuhörer so sehr, dass diese am Ende des bis dahin einstündigen Konzertes mit stehenden Ovationen drei Zugaben „erklatschten“.

Ein Dankeschön

„Das Konzert zum Jahresende ist eine lieb gewordene Tradition und eine Gelegenheit, Dankeschön zu sagen“, sagte Dekan Hanspeter Kern. Die Zuhörer seien heute eingeladen. Das Konzert war gleichzeitig das Geburtstagsständchen für Kern, der seinen 60. Geburtstag feierte.

Das aus elf Blechbläsern, Schlagzeug und Dirigent bestehende Ensemble Hundshaupten bescherte dem Publikum zum zweiten Mal nach 2009 mit brillanten Blechbläsertönen ein musikalisches Vergnügen, voller Leichtigkeit und höchster Präzision. Unter der Überschrift „Laute(r) Ouvertüren“ präsentierte das aus preisgekrönten Berufsmusikern und ambitionierten Amateuren bestehende Orchester unter der Leitung von Bernhard Joerg Bekanntes und echte Raritäten aus der Musikgeschichte.

Wer dachte, die Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmont“ von Ludwig van Beethoven sei ohne großes Orchester unvorstellbar, wurde eines Besseren belehrt. In der ungewöhnlichen Besetzung von vier Trompeten, vier Posaunen, zwei Hörnern, Tuba, beziehungsweise Schlagzeug zeigten die Musiker, dass scheinbar nichts unmöglich ist, wenn man sein Metier beherrscht. Faszinierend das scheinbare „Zwiegespräch“ zwischen Trompeten und Posaunen, die sich am Ende zur Sieges-Sinfonie vereinigten.

Den Auftakt bildete „Trumpet Tune“ des englischen Komponisten John Stanley. Als die Musiker Franz von Suppés Ouvertüre zur ersten aller Wiener Operetten, „Die leichte Kavallerie“, anstimmten, sprang der Funke endgültig auf die Zuhörer über. So mancher schien kurz davor, begeistert mitklatschen zu wollen.

Gefangenenchor

Das erste Mal stehenden Applaus gab es im Anschluss für die Interpretation von Guiseppe Verdis Gefangenenchor aus Nabucco. So richtig in Stimmung brachten die elf Musiker ihre Zuhörer schließlich mit Julius Fucík's „Florentiner Marsch“. Dass sie auch „Salon-Orchester“ können, bewiesen sie mit der Tritsch-Tratsch-Polka aus der Feder von Johann Strauss II.

Nach Ende des Konzerts ließen sich viele Zuhörer noch auf ein Glas Sekt im Foyer der Kirche einladen und gaben bereitwillig einen Obolus für die Sanierung der Kirchenorgel. Schließlich hatten sie eineinhalb Stunden Blechmusik vom Feinsten erlebt.

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