Kitzingen

Kommentar zu Müllers Gesprächsabsage: Erst mal drüber schlafen

Gerade noch mal gutgegangen, könnte man nach dem Sturm im Wasserglas bilanzieren, den Oberbürgermeister Siegfried Müller entfacht hatte. Das meint unser Autor.
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Der Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller entfachte im Stadtrat einen Sturm im Wasserglas, als er die üblichen Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen kurzerhand absagte. Foto: Stadt Kitzingen

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller setzte in einer knappen E-Mail alle Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen bis zur Wahl aus. Keine politische Gruppierung im Stadtrat fand die Entscheidung richtig, auch Müllers UsW nicht. Immerhin: Müller reagierte vier Tage später und ist nun bereit, seine Entscheidung zu revidieren. Er war "erstaunt" von den "massiven Reaktionen", teilt er mit.

Allerdings hätte sich der OB das schon vorher denken können. Zwar ist eine Fraktionsvorsitzenden-Besprechung nirgends vorgeschrieben, jedoch eine lange gepflegte, demokratische Tradition in vielen Rathäusern. Auch wenn man in der Sache streitet, müssen doch alle Stadträte dieselben Informationen bekommen und diesem Fluss dient die Vorbesprechung in Müllers Amtsstube.

Was genau Müller ärgerte, behält er für sich

Was ihn genau geärgert hat, kann man nur vermuten. Er hielt die Vorgespräche zuletzt für "nicht zielführend" und "ernüchternd". Mag sein, dass auch einmal Informationen aus diesen Runden für Wahlkämpfe benutzt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass Müller "einvernehmliche Verabredungen für ein weiteres Vorgehen" und "Verlässlichkeit im Prozess" erreichen wollte, wie er es formulierte. Sprich: Er sah die Besprechung womöglich als Instrument, die Fraktionen auf Linie zu bringen.

Dass das bei neun politischen Gruppierungen kaum möglich ist und der Wahlkampf die Unterschiede noch zuspitzt, sollte einen alten Hasen wie Müller nicht überraschen. Und wichtiger: Er sollte es nicht persönlich nehmen. Dass er nun bereit ist, die für die Stadtratsarbeit notwendige Gesprächsrunde wieder aufzunehmen, zeigt, dass er über seinen Schatten springen kann. Manchmal hilft es, eine Nacht drüber zu schlafen, bevor man eine E-Mail schreibt.

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