Kitzingen

Kolumne: Tempo-Lümmel und rasende Störche

Mit 152 Sachen in einer 80er Zone - das klingt wie ein Spitzenwert, ist aber längst Alltag. Außerdem geht's um eine Rettung im Freizeitland Geiselwind - und um Störche.
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Rasen und drängeln, drängeln und rasen: Auf den Straßen scheinen die Beschleunigungsgesetze außer Kraft zu sein, findet unser Kolumnist. Foto: Marcus Führer (Archiv)
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Der Tempo-Lümmel der Woche wurde auf der A 3 bei Geiselwind erwischt. Der 24-jährige BMW-Fahrer raste mit 152 Sachen an einer Zivilstreife der Polizei vorbei. In einer 80er Zone. Wobei das Bemerkenswerte an der Nachricht nicht die Geschwindigkeit des BMW ist, sondern der eher seltene Umstand, dass die Polizei zufällig vor Ort war.  

Wer die Anschlussstelle Geiselwind und die Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen kennt, der weiß nur zu gut: Dort wird eigentlich immerzu gerast. Da ist 152 eher ein unterer Durchschnittswert und gar nicht die aufregende Meldung, wie man glauben könnte. Das Bleifuß-Schauspiel gibt es fast im Minutentakt zu beobachten. Keiner hält sich mehr an irgendwas. Egal ist egal. Was uns die Polizei da als Spitzenwert oder Ausnahme verkauft, ist längst Standard.

Aufregung in Geiselwind

Bleiben wir gleich in Geiselwind. Dass ein Besuch im Freizeit-Land ein Abenteuer sein kann, wussten wir bereits. Aber dass man in einem Turm in 60 Meter Höhe festhängt und dann ein Hubschrauber kommt, an dem ein Mann an einer Seilwinde hängt, dem man sich in die Arme wirft und davonfliegt - da lässt einen schon die bloße Vorstellung aus den Latschen kippen. Wobei ich an dieser Stelle nicht repräsentativ bin, weil ich schon das Anschauen der Vogelhochzeit mit den 40 animierten Figuren ganz schön aufregend finde. 

Eine echte Vogelhochzeit gibt es nur wenige Meter weiter regelmäßig auf dem Dach der Geiselwinder Kirche zu bewundern. Dort brütet seit 2011 ein Storchenpaar. Damals gab's zur Premiere gleich vier Storchen-Kinder und der Landesbund für Vogelschutz bestätigte seinerzeit, dass es der erste Storchen-Nachwuchs seit 80 Jahren im Landkreis Kitzingen gehandelt habe.

Geiselwind ist längst zu Storch-City geworden. In diesem Jahr wurden dort drei Störche mit göttlichem Beistand und unter den wachsamen Augen von Bürgermeister Ernst Nickel groß. Die Tiere sind längst über alle Berge in ihr Winterquartier abgewandert. Wobei sie nicht so gerne ohne ihr Geiselwind sind: In diesem Jahr waren die Tiere schon im Februar wieder dagewesen. Sie müssen also ganz schön gerast sein – und dabei so manche 80er Zone missachtet haben. 

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