Gewöhnlich ist ja eher schlechtes Wetter der Freund des Museums. An diesem letzten Samstagabend im April war es umgekehrt. Ein herrlicher Sommerabend lockte die Besucher der "Museums-Nacht" im Knauf Museum zu Iphofen immer wieder in den Garten, um es sich auf den Terrassen bei einem Glas Wein gut gehen zu lassen. Die Türen zum Innenhof waren geöffnet, und so lauschten die Besucher mal der Salonmusik des Geigers Florian Meierott, mal Pop-Balladen der Band "The Dukes".

Wer sich dann aber auf den Weg in die Räume des Museums machte, den erwartete ein Fest der Sinne und zugleich eine Zeitreise in die zwanziger Jahre des letzen Jahrhunderts. Die Fotografie entwickelte sich in dieser Zeit weiter. Im Medienraum des Museums zeigte Gerhard Binder vom Zeiler Foto- und Filmmuseum seltene Raritäten. Ein erstes Sammlerbuch mit "Promi-Bildern", unter anderem von Kaiserin Sissi oder Abraham Lincoln durften die Besucher bestaunen. Oder Exponate rund um die Fotografie, so auch das berühmte Vögelchen. "Damals war die Belichtungszeit noch länger", erklärt der Foto-Fachmann. "Die Kinder mussten ganz ruhig sitzen und um dies zu erreichen, gab es das Vögelchen." Die Betrachter waren amüsiert. "Bei mir im Laden kann man Passbilder machen lassen", erklärt Jutta Uebelacker, die in Iphofen ein Schreibwarengeschäft betreibt. "Das geht dann heute zum Glück schon etwas schneller".

In den frühen Jahren des Jahrhunderts machten auch die bewegten Bilder ihre ersten Schritte. So präsentierte der Seinsheimer Pianist Helge Barabas im großen Saal des Museums Stummfilme mit Charlie Chaplin oder Asta Nielsen, dem ersten weiblichen Kinostar der Filmgeschichte. Barabas begleitete die Filme selbst am Flügel wie zu der Zeit, als diese Filme noch neu waren.


Grimms Märchen in Gedichtform



Ein akustisches Highlight ganz anderer Art zelebrierte die Autorin Cornelia Boese. Sie, die "im Theater immer relativ schlechte Librettos soufflieren durfte", war eines Tages auf die Idee gekommen, selbst zu fabulieren und Grimms Märchen in Gedichte zu verwandeln. "Die poetischen Formulierungen der Grundtexte habe ich belassen", erklärt sie zu ihrer Arbeitsweise, "ich habe sie nur Satz für Satz in eine Reimform gebracht". Vier Lesungen waren angesetzt, Cornelia Boese war sich aber nicht zu schade, auf Wunsch auch eine Einzel-Lesung zu geben. Gohar und Martin Budesheim aus Kitzingen kamen so in den Genuss eines Märchens, das nur für sie vorgetragen wurde. "Es war wunderbar", schwärmte der Kitzinger. "Wir sind sehr kulturinteressiert. Was hier geboten wird, ist in dieser Mischung wirklich einen Besuch wert".

Die Abwechslung ist es, die das Besondere dieser Nacht ausmacht. Bilder, Töne - das alles in Form einer Reise zurück in eine Zeit, in der auch das Bürgertum ferne Länder entdeckte. Ägypten war so ein Land. "Wer eine Perücke hatte, der war unter der Haube. Wer noch nicht verheiratet war, trug eine Glatze und einen Zopf", erklärte Museumsführer Ludwig Weißkopf den Besuchern. Es sind eher diese Anekdoten am Rande der großen Geschichte, die die Zeit lebendig machen. Die Zeit der zwanziger Jahre war außerdem eine Zeit, in der das Bürgertum, und nicht nur der Adel oder das Kloster, allmählich eigene Bibliotheken anlegte. Um die eigenen Bücher zu kennzeichnen, legte man kleine bedruckte "Ex Libris"-Zettel in die Bücher. Die Motive und die dafür nötigen Grafiken waren in den Obergeschossen des Museums zu bewundern, wie auch eine Ausstellung über Exponate aus Bergkristall. "Es war einfach eine faszinierende Zeit", resümierte Markus Mergenthaler, der Leiter des Museums. Eine faszinierende Zeit verbrachten auf jeden Fall die Besucher dieser Sommernacht im Museum.