KITZINGEN

Kleiner Unfall – großer Ärger

Ein Anstoß von hinten, ein Scheppern. Es war ein typischer Auffahrunfall, der sich am 13. Mai gegen 18.30 Uhr in Kitzingen im Berufsverkehr ereignete. Passiert ist es auf der B 8 in Fahrtrichtung Würzburg zwischen der Kreuzung am Falterturm und der Bahnbrücke. Eva Niederhausen stand vor der roten Ampel in einer Schlange, als ihr gelber Kia Piccanto durchgerüttelt wurde – der Hintermann hatte wohl zu spät gebremst.
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Wenn's gekracht hat: Auch bei Bagatellunfällen sollte man die Polizei rufen. Ansonsten kann es böse Überraschungen geben, wie ein Fall aus Kitzingen zeigt. Foto: Archiv-Foto: Frank Weichhan

Ein Anstoß von hinten, ein Scheppern. Es war ein typischer Auffahrunfall, der sich am 13. Mai gegen 18.30 Uhr in Kitzingen im Berufsverkehr ereignete. Passiert ist es auf der B 8 in Fahrtrichtung Würzburg zwischen der Kreuzung am Falterturm und der Bahnbrücke. Eva Niederhausen stand vor der roten Ampel in einer Schlange, als ihr gelber Kia Piccanto durchgerüttelt wurde – der Hintermann hatte wohl zu spät gebremst.

Der Fahrer des silbernen Audi A 3 zeigte sich einsichtig. Wie Eva Niederhausen in einer Mail an die Redaktion schreibt, wurde der vermeintliche Bagatellschaden ohne Polizei geregelt. „Der junge Mann – schätzungsweise Mitte 20 – war einsichtig und machte einen normalen Eindruck. Er hat seine Schuld eingestanden und meinte, er melde das seiner Versicherung. Ich habe mir Namen, Telefonnummer und Kennzeichen notiert.“

Frust ist groß

Was sich gut anließ, sollte im Fiasko enden. Eva Niederhausen erreichte den Mann nie wieder. Er reagierte weder auf Nachrichten im Internet noch auf Anrufe. In ihrer Not meldete sie den Unfall bei der Versicherung des Unfallgegners, was indes auch nicht weiter half. „Ich bin“, schreibt Eva Niederhausen, „frustriert, da ich offensichtlich an einen betrügerischen Menschen geraten bin. Somit bleibe ich anscheinend auf den Kosten sitzen und hatte zusätzlich eine Halswirbelsäulen-Zerrung.“

Sollte man also auch bei vermeintlich kleinen Unfällen die Polizei rufen, statt die Dinge untereinander zu regeln? Der Rat von Polizeioberkommissar Helmut Pfaff: Wer keine böse Überraschung erleben will, sollte die Beamten einschalten. „Die Polizei kommt in Bayern grundsätzlich zu jedem Verkehrsunfall, zu dem sie gerufen wird“, so Pfaff.

Laut Statistik der Kitzinger Polizei wurden 2014 im Landkreis 1160 Kleinunfälle bekannt. Wobei bei der Definition „Kleinunfall“ nicht die Schadenshöhe entscheidend ist, sondern die vorwerfbare Verkehrsordnungswidrigkeit. Beispiele für Kleinunfälle sind Parkrempler, Wildunfälle und – wie in dem angesprochenen Fall – leichte Auffahrunfälle.

Bei Kleinunfällen passiert nach dem Eintreffen der Polizei das: Fahrzeugführer und Fahrzeuge werden auf Fahrtauglichkeit überprüft. Für den privatrechtlichen Schadensausgleich erfolgt der Austausch der Personalien. Begangene Verkehrsordnungswidrigkeiten werden meist mit Verwarnungsgeld geahndet. Eine Unfallaufnahme findet nicht statt.

Kühlen Kopf bewahren

Der Ratschlag des Experten: „Kühlen Kopf bewahren. Die erste Aufregung könnte dafür sorgen, dass man unbesonnen reagiert, insbesondere wenn es um die Schuldfrage geht.“

Wichtig auch: die Dokumentation. Ein Unfallbericht und Fotos von Beschädigungen sind sinnvoll. Hat man nicht alle Angaben des Unfallgegners zur Hand, lassen sich die notwendigen Informationen beim Zentralruf der Autoversicherer unter Tel. (0180) 2 50 26 erfragen. Schließlich sollte auch die eigene Versicherung benachrichtigt werden.

Eva Niederhausen hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass doch noch alles gut wird und sich über die Veröffentlichung in der Zeitung Zeugen finden, „um Gerechtigkeit zu erlangen.“ Wobei ihr klar ist, dass dies Zufall wäre. Ihre Lektion hat sie gelernt: Nie wieder ohne Polizei.

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