KITZINGEN/WÜRZBURG

Klage wegen Erstklass-Zeugnis: Schulamt kritisiert Vater

Das Zeugnis seines Sohnes brachte einen Vater auf die Palme - er sah den Schüler benachteiligt und klagte. Nun meldet sich das Schulamt zu Wort: Der Vater erzähle nur die halbe Wahrheit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Schulamtsdirektor Norbert Zwicker ärgert sich über die Klage des Vaters. Foto: Michael Kämmerer

Die Klage eines Vaters vor dem Würzburger Verwaltungsgericht wegen einer Bemerkung im Erstklass-Zeugnis seines Sohnes schlägt Wellen. Zwar hatte der 50-Jährige aus dem Landkreis Kitzingen seine Klage am Mittwoch zurückgezogen, sich aber weitere Schritte vorbehalten (wir berichteten) . Gleichzeitig ist im Internet eine Debatte um den Fall entbrannt. Am Donnerstag meldete sich nun das Schulamt Kitzingen zu Wort – und erhebt Vorwürfe gegen den Vater.

Die Darstellung des Vaters sei nur die halbe Wahrheit, erklärt Schulamtsdirektor Norbert Zwicker im Gespräch mit der Redaktion. So stimme es zwar, dass die Lehrkraft dem damaligen Erstklässler für die richtigen Lösungen in einer Mathematikprüfung null Punkte gegeben habe, weil der Schüler den Rechenweg nicht eingehalten habe. „Nach der Beschwerde des Vaters wurde die Bewertung aber geändert“, betont Zwicker. Der Junge habe nachträglich jeweils die halbe Punktzahl bekommen. Das wurde nur auf dem Prüfungspapier nicht nachgetragen, da der Vater das Original besitze und es nicht zurückgegeben habe.

Vater stellte „inakzeptable Bedingungen“

„Aber diese Mathearbeit war ohnehin nicht entscheidend für die spätere Zeugnisbewertung“, so Zwicker weiter. Über welche Formulierung sich der Vater so geärgert hatte, kann der Pädagoge nicht nachvollziehen. „Ich habe in dem Zeugnis kein einziges Wort zu beanstanden“, erklärt er. Ähnlich sah es am Mittwoch Richter Rudolf Emmert, der dem Vater dringend geraten hatte, mit der Schule konstruktiv zusammenzuarbeiten.

Den Vorwurf, dass die Lehrerin nicht zu einem Gespräch mit dem Vater bereit gewesen sei, weist Zwicker zurück. Erstens sei der Vater trotz Einladung nie zu offiziellen Elternabenden und Elternsprechterminen erschienen. Zweitens wäre die Lehrkraft grundsätzlich zu einem Gespräch bereit gewesen – dass dieses nicht zustande kam, habe auch an dem 50-Jährigen gelegen. Zwicker spricht von „inakzeptablen Bedingungen“, die der Vater gestellt habe. Ins Detail will er nicht gehen, unter anderem soll der Vater aber eine „Bestrafung“ der Lehrerin gefordert haben.

Der richtige Rechenweg

Außerdem betont Zwicker, dass die Schule nicht zuständig sei für die Probleme zwischen dem Vater und dessen Ex-Frau. „Der Sohn lebt bei der Mutter, daher ist sie für uns der erste Ansprechpartner.“ Da ein gemeinsames Sorgerecht vereinbart wurde, habe der Vater ein Informationsrecht über die schulische Entwicklung seines Sohnes. Hier sei allerdings die Mutter in der Pflicht.

Dass sich in den Internetforen viele darüber echauffieren, dass die Lehrerin null Punkte vergab, obwohl der Schüler Aufgaben wie 15 minus acht richtig gelöst hatte, kann Zwicker prinzipiell verstehen. Aber in der ersten Klasse sei es „fundamental“, dass die Schüler auf „sicherem Rechenweg“ zu Lösungen kommen. Der richtige Weg wäre übrigens gewesen, wenn der Schüler bei 15 minus acht zunächst 15 minus fünf gerechnet und dann noch einmal drei abgezogen hätte. Das soll den Kindern helfen, den Sprung über die Zehnergrenze zu verstehen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.