Kitzingen

Kitzinger Unternehmen: Wenn der Wirtschaftsmotor stottert

Jahrelang war Kurzarbeit ein Fremdwort – jetzt ist sie wieder Thema. Im Fokus stehen die Automobilzulieferer. Doch wie ernst ist die Lage bei Kitzinger Konzernen wirklich?
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Ein Mitarbeiter von Franken Guss in Kitzingen hantiert in der Ofenhalle an einer Gussform. Im Bereich Alu-Guss greift das Unternehmen derzeit auf Kurzarbeit zurück, um auf sinkende Auftragszahlen zu reagieren. Foto: Thomas Obermeier
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Dominierten in den zurückliegenden Jahren Meldungen über Fachkräftemangel und Auftragsrekorde die Wirtschaftsnachrichten, taucht jüngst immer häufiger ein Wort auf: Kurzarbeit.  Auch von "Krise" ist in Mainfrankens Unternehmerkreisen immer wieder zu hören. Besonders betroffen von Kurzarbeit sind Unternehmen der Automobilbranche sowie deren Zulieferer. Betriebe im Raum Kitzingen bleiben davon nicht unberührt.

Bei Franken Guss in Kitzingen gilt seit dem 13. September Kurzarbeit für 107 der aktuell 621 Beschäftigten, berichtet Personalleiter Andreas Dietrich auf Nachfrage dieser Redaktion. Betroffen ist der Bereich Alu-Guss, während der Metall-Guss-Bereich trotz eines Auftragsrückgangs ohne Kurzarbeit zurecht kommt. Das Unternehmen plant laut Dietrich auch für den Monat November Kurzarbeit an drei Tagen – das ist das vorgeschriebene Minimum. Für Arbeitnehmer bedeutet dies ein Entgeltausfall von zehn Prozent. In der Woche vor dem vierten Advent (Kalenderwoche 51) wird Franken Guss seine Mitarbeiter wohl vorzeitig in die Weihnachtsferien schicken.

"Lichtblick im Tunnel" bei Franken Guss

"Fast jede Woche schließt eine Gießerei in Deutschland", sagt der Personalleiter des Kitzinger Unternehmens. Davon sei man bei Franken Guss glücklicherweise weit entfernt, wenngleich der Umsatz in diesem Jahr geschätzt bis zu 20 Prozent unter dem des Vorjahres liegen dürfte. Besonders die Krise im Automotive-Bereich mache sich bemerkbar. Insoweit ist Dietrich froh, dass Franken Guss sich möglichst breit aufgestellt hat und jetzt auch Backofentüren und Füße für Flugzeugsitze gießt. Zudem gewinne der Aluminium-3D-Druck an Bedeutung. Als "Lichtblick im Tunnel" bezeichnet er die Fertigung von mehreren Teilen für den neuen Elektro-Porsche Taycan, die Franken Guss herstellt und deren Produktion hochgefahren wird und ab dem ersten Quartal 2020 im Normalbetrieb läuft.

Entlassungen sind bei dem Kitzinger Guss-Werk aktuell kein Thema, versichert der Personalleiter. Der Personalstand sinkt dennoch, indem ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt werden. Anfang des Jahres zählte der Betrieb noch 642 Beschäftigte. Keine Sorgen brauchen sich nach Stand der Dinge die sieben Azubis machen, die im Februar auslernen werden: Ihre Übernahme ist laut Dietrich fest eingeplant.

Unklare Auswirkungen des Stellenabbaus bei Leoni 

Das Unternehmen Leoni hat die Zahl seiner Beschäftigten der Bordnetz-Division am Standort Kitzingen in den vergangenen Jahren auf rund 1100 Beschäftigte ausgebaut. Nachdem Wachstumsziele mittlerweile reduziert wurden, hat Leoni im Strategieprogramm "Value 21" bereits im März dieses Jahres angekündigt, weltweit rund 2000 Stellen zu streichen,  davon etwa 500 in Hochlohnländern wie Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass die Umsetzung noch in diesem Jahr beginnen wird", berichtet Pressesprecher Sven Schmidt. Der Stellenabbau soll möglichst über natürliche Fluktuation, auslaufende Befristungen und den Wegfall von Leiharbeitern erfolgen.

Genaue Zahlen und Angaben dazu, ob und inwieweit Stellen in Kitzingen betroffen sind, kann Schmidt aktuell nicht sagen. "Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen", erklärt der Pressesprecher des Konzerns. Erklärtes Ziel des Sparprogramms ist es, den Konzern möglichst profitabel zu halten.

Undurchsichtig stellt sich die Lage bei Fehrer Automotive dar, das im Landkreis Kitzingen circa 1200 Mitarbeiter an den drei Standorten Kitzingen, Großlangheim und Wiesentheid beschäftigt. Auf Anfrage dieser Redaktion verweigert die Geschäftsführung jede Angabe zur Einführung möglicher Kurzarbeit oder zum operativen Geschäft.

Geschäftsführung von Fehrer hüllt sich in Schweigen

Die Gründe für die Geheimniskrämerei bleiben im Dunkeln. Eine Nachfrage bei Betriebsratsvorsitzenden Kurt Wexlberger ergibt zumindest keinen Anhaltspunkt, der Grund zur Sorge gibt. Dieser spricht zwar von einem spürbaren Rückgang der Aufträge. Doch damit habe das Unternehmen nach Phasen der Überproduktion eher wieder seine "Normalauslastung" erreicht, womit Wexlberger 90 bis 100 Prozent meint. Kurzarbeit oder Schlimmeres sind laut ihm bei Fehrer nicht in Sicht.

Nach Übernahme durch Aunde vor fünf Jahren wurde das Fehrer-Werk in Kitzingen laut des Betriebsratsvorsitzenden so umgebaut, dass dort komplizierte Teile, Kleinserien und Ersatzteile gefertigt werden. Ziel war es, die großen Werke und Anlagen des Konzerns in Europa möglichst effizient zu machen und nicht durch Kleinserien und komplexe Teile zu bremsen.

Gewerkschaft sieht noch keine Alarmzeichen 

Norbert Zirnsak, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg, sieht keinen Anlass angesichts der wirtschaftlichen Situation der Betriebe in der Region "Alarm zu schlagen". Kurzarbeit ist seinen Informationen nach zwar vielerorts im Gespräch, doch als Instrument, um Arbeitsplätze zu sichern, noch lange nicht voll ausgeschöpft. Aktuell nutzten die meisten Arbeitgeber noch die Möglichkeit, die in den vergangenen Jahren gut gefüllten Stundenkonten ihrer Mitarbeiter zurückzufahren.

Eine gewissen Verunsicherung unter den Arbeitnehmern erkennt Zirnsak allerdings. Der Beratungsbedarf durch die Gewerkschaft nehme derzeit deutlich zu. Für den Raum Kitzingen sieht er hier insbesondere noch Nachwirkungen der Insolvenz des Backmaschinenherstellers Fritsch in Markt Einersheim, die dort trotz Übernahme durch Multivac Anfang Juli 72 Stellen gekostet hat.

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