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Kitzingen

Kitzinger OB-Kandidatin Tröge geht unbekümmert in die Wahl

Die Kandidatin der ÖDP weiß um ihre Außenseiter-Chancen. Ihr geht es auch darum, ökologische Politik in der Stadt voranzubringen und anderen Feuer unterm Hintern zu machen.
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Bianca Tröge, OB-Kandidatin der ÖDP, an ihrem Lieblingsplatz in Kitzingen: in ihrem Geschäft, "Biancas Kreativcafé". Foto: Andreas Brachs
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Als rotzfrech bezeichnet sich Bianca Tröge selbst. Unbekümmert wäre vielleicht das passendere Adjektiv. Die OB-Kandidatin der ÖDP geht unerschrocken in die Kommunalwahl am 15. März und weiß durchaus, dass sie eher Außenseiterchancen hat. 

Dennoch setzt sie darauf, mit ihrer Kandidatur ökologische Themen voranzutreiben. Nein, nicht frech, eher ungeduldig, aber freundlich-fröhlich. Da der ÖDP eine entsprechende Infrastruktur fehlt, ist Tröges Geschäft in der Kaiserstraße, "Biancas Kreativcafé", zur heimlichen Wahlkampfzentrale mutiert. Ein Wahlplakat hängt im Schaufenster. In einer Ecke dürfen Besucher Zettel mit dem hinterlassen, was "mich bewegt. . .". Als Wahlgeschenke gibt es Parkscheiben, Pflasterpäckchen und Chili-Salz, "weil ich den anderen Parteien Feuer unterm Hinter machen will", sagt Tröge und lacht. Also doch ein wenig frech?

Im Stadtrat ist die OB-Kandidatin eher von der ruhigen Sorte, obwohl sie sich manchmal ärgert: darüber, dass ÖDP-Anträge oder -Redebeiträge von manchen im Gremium als "Spinnerei" abgetan werden. Tröge ist mancher Stadtrat zu konservativ, zu muffig, zu alt – zumindest im Denken. Vieles geht ihr zu langsam.  

Live-Übertragungen aus dem Stadtrat

Schlecht findet sie, dass ihrer Meinung nach OB Siegfried Müller und die Verwaltung weder den Stadtrat noch die Bürger ausreichend informieren. "Ich bin für offene und ehrliche Politik", wirbt sie für sich "und will die Leute mitnehmen". Deshalb scheut sie sich auch nicht davor, Live-Übertragungen von Stadtratssitzungen im Internet zu beantragen. Das Ziel: mehr Transparenz, mehr Verständnis, mehr Akzeptanz für die Kommunalpolitik.

Tröge sagt: "Mir geht es um ganz Kitzingen, nicht nur um einen Stadtteil, und um alle Bürger." Die Siedlung sei nicht nur das Notwohngebiet, beim Wohnungsbau gehe es nicht nur um Sozialwohnungen, und beim Hotel am Main schaut Tröge aufs große Ganze und nicht nur auf den Verlust des Bürgerzentrums: Sie hält ein Hotel mit Biergarten für eine Belebung des gesamten Mainufers und die weitere Übernachtungskapazität für dringend erforderlich, auch wenn dafür die Vereine weichen müssen. 

In Sachen Umweltschutz setzt die ÖDP-Kandidatin auf Nachhaltigkeit auf allen Ebenen: vom Kaffee im Rathaus bis zum Geschirr bei den Stadtfesten. Umweltbewusstsein möchte sie durch "grüne Klassenzimmer" in der Siedlung und im Deuster-Park fördern. Tröge möchte ein Klimakonzept, das regenerative Energien in städtischen und privaten Gebäuden fördert, die Flächenversiegelung eindämmt und mehr Ausgleichsflächen für die Natur schafft. 

"Sachen, die funktionieren, würde ich nicht ändern."
Bianca Tröge, OB-Kandidatin der ÖDP

Was unterscheidet die ÖDP von den Grünen? Spätestens bei der Frage der Abtreibung stellen sich die Weichen: Die ÖDP hat nicht nur ökologische, sondern auch kirchliche Wurzeln. Sich selbst rechnet Tröge zu den Öko-Demokraten, während ihr die Grünen mitunter zu radikal handeln und zu ideologisch argumentieren. "Wir reißen keinen Mais raus, sondern setzen auf Dialog", nennt sie ein Beispiel. Außerdem sei ihre Partei stolz darauf, keinerlei Firmenspenden anzunehmen, um unabhängig zu sein.

Dennoch ist Tröge für Wirtschaftsförderung und dafür, dass die Stabsstelle der Stadt sich ausschließlich diesem Thema widmen soll. Bisher ist die Stelle geteilt und beinhaltet auch die Öffentlichkeitsarbeit. 

In der Innenstadt will die OB-Kandidatin die Aufenthaltsqualität durch mehr Grün steigern, wendet sich als Geschäftsfrau aber zugleich gegen Einbahnstraßen und weniger Parkplätze. Für Tempo 30 ist sie gleichwohl, auch wenn sie die Verkehrsführung so lassen würde wie bisher. "Sachen, die funktionieren, würde ich nicht ändern", lautet ihr Argument. Ändern will sie aber den Öffentlichen Personen-Nahverkehr: Ein Stadtbus soll das Angebot des Anruf-Sammeltaxis erweitern.

Sie würde sogar Verbindungen bis ins Hubland schaffen wollen, damit Studenten vom Bus profitieren können. Auch Wohnungen für Studenten, ob in den Wohnblocks Innopark oder in den ehemaligen Marshall Heights, sind für sie denkbar. "Wir müssen auch etwas für Jüngere machen", sagt die 47-Jährige und würde gern ein verbessertes Kneipenangebot in der Stadt unterstützen. 

Erfolg mit dem Volksbegehren Artenschutz

Als klein, aber oho hat sich die ÖDP mit dem erfolgreichen Volksbegehren für Artenschutz "Rettet die Bienen!" erwiesen. Andere seien auf diesen Zug aufgesprungen, sagt Tröge selbstbewusst, dabei sei ihre Partei die treibende Kraft gewesen. Dennoch freut sie sich über jeden Erfolg, den das Volksbegehren gezeigt hat und sei er noch so klein: ein Verkauf von regionalem Honig im Supermarkt, ein Zeitungsbericht, der sich mit dem Klimwandel beschäftigt, Fair-Trade-Artikel in der Schule.

Von sich glaubt Tröge, Menschen gewinnen zu können. "Du würdest mich unterstützen, wenn . . ." beginnt sie ihre Sätze, wenn sie um Hilfe bittet oder Mitglieder auffordert, sich für die Partei zu engagieren. Sie selbst ist durch ihren Mann in die Politik gekommen. Martin Tröge ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbands. Vom Öko bis zum Arzt sei alles vertreten. 

"Ich selbst bin mehr die Praktikerin", sagt die selbstständige Fachlehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft, die in der Altenpflegeschule des bfz Würzburg arbeitet, Ernährungskurse in Kindergärten gibt und zum größten Teil in ihrem Geschäft steht. In der Freizeit hält sie ehrenamtlich Gottesdienste in der evangelischen Kirche, denn der Glaube ist ihr wichtig. Folgerichtig sagt sie über ihre Chance, die erste ÖDP-Oberbürgermeisterin Kitzingens zu werden: "Das wäre ein Wunder."

Bianca Tröge
Geburtsdatum: 8.8.1972
Wohnort: Kitzingen-Siedlung
Partei: ÖDP
Beruf: Fachlehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft
Politische und sonstige Ehrenämter: Stadträtin und ÖDP-Vorstandsmitglied im Ortsverband, Lektorin
Familie: verheiratet
Hobbys: Handarbeiten, Lesen, Schwimmen

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