Kitzingen

Kitzinger Bauausschuss öffnet Dach und damit Tür und Tor

Mit der Genehmigung eines Bauantrags aus der Kitzinger Altstadt hat der Bauausschuss einen Präzedenzfall geschaffen, auf den sich künftige Gebäudesanierer beziehen können.
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Die historische Dachlandschaft von Kitzingen – hier auf einem Archivbild von 2013. Der Bauausschuss der Stadt diskutierte kürzlich darüber, was in der Altstadt erlaubt ist und was nicht. Foto: Richard Scharnagel (Archiv)

Der Bauantrag war fast eine Lappalie, wuchs sich aber zum Grundsatzstreit aus: Ein Bauherr möchte an seinem Haus in der Kitzinger Falterstraße einen Dachausschnitt öffnen, um im Dach eine Freifläche zu schaffen. Das Problem: Diese Plattform, im Vortrag der Stadtverwaltung Altane genannt, ist bei Neubauten erlaubt, bei Altbauten aber grundsätzlich verboten. Das regelt die Gestaltungssatzung der Stadt. Der Stadtrat hat sie nach langer Diskussion erst 2015 verabschiedet, um einheitliche Regeln für das Bauen und Sanieren in der historischen Altstadt zu schaffen.

Genau an diesem Widerspruch rieb sich Oberbürgermeister Siegfried Müller; er hatte dafür gesorgt, dass der Bauantrag nicht kurzum per Verwaltungsakt abgelehnt wurde, sondern zur Diskussion in den Bauausschuss kam. Er werde für die Altane stimmen, denn sie sei von der Straße kaum einsehbar und auch nicht übermäßig groß. Er könne nicht nachvollziehen, warum in dieser Frage zwischen Alt- und Neubau unterschieden werde. Der städtische Bauamtsleiter Oliver Graumann widersprach seinem Chef. 

Graumann: Einzelfall-Diskussionen vermeiden

Man habe die Regelung für die Altbauten in die Gestaltungssatzung aufgenommen, um das Bild der Altstadt zu erhalten. Man wolle die historische Dachlandschaft nicht durch ortsuntypische Dacheinschnitte stören, lautete die Begründung. Bei Neubauten hingegen wolle man den Bauherren diese Option offen halten. In besonderen Ausnahmefällen, das gestand der Bauamtsleiter ein, könnten Ausnahmen auch für Altbauten genehmigt werden. Diese träfen hier aber nicht zu. Vielmehr warnte Graumann davor, Präzedenzfälle zu schaffen, sonst würde man immer Einzelfall-Diskussionen führen, was letztlich willkürlich sei. 

Thomas Steinruck (KIK) empfand die Regelung in der Satzung als Unklarheit. Man solle doch Ordnung hineinbringen und dann die Satzung konsequent anwenden. Pragmatisch argumentierte Hans Schardt (ProKT) für die Dachöffnung: Wohnraum werde weniger; man wolle die Dachgeschosse beleben. Da sei es manchmal "schön, ein Loch ins Dach zu machen". Am Ende war es eine klare Angelegenheit: Der Ausschuss stimmte mit 10:2 für den Bauantrag und gegen die Empfehlung der Stadtverwaltung.

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