Michael Bauer und Tobias Schleelein laufen nervös über den Platz, wo in wenigen Minuten die Kirchweihpredigt stattfinden soll. Im Arm die ausgedruckte Rede. Michael Bauer räuspert sich. Irgendwie will seine Stimme nicht so wie er will. Verzweifelt versucht der Hüttenheimer Kirchweihprediger seine Stimme mit Wasser zu ölen, um die nächsten Minuten einigermaßen zu überstehen. Und siehe da: Es gelingt.
Aus insgesamt acht Wagen bestand am Sonntag der Umzug zur Hüttenheimer Kirchweih. Zahlreiche Bürger und Gäste standen am Wegesrand, um sich das lustige Treiben anzuschauen und jeden vorbeiziehenden Mottowagen mit viel Applaus zu bedenken. Viele Ereignisse aus dem Dorfleben des vergangenen Jahres wurden wieder in Erinnerung gerufen - unter anderem die Fußball-Aufstiegsfeier mit einer "erotischen Tänzerin" oder ein Ehrengast des Weinfestes, der etwas über den Durst getrunken hatte.
Neben der optischen Unterhaltung bekamen die Gäste am Straßenrand auch in den Genuss süffigen Weines. Weinprinzessin Michelle Fröhlich und ihre Mädels sorgten eifrig dafür, dass ein jeder ein Gläschen Wein probieren konnte.
Im Vorfeld des Umzugs hatten die Hüttenheimer Burschen wochenlang gewerkelt - auch Michael Fröhlich. "Wir haben uns alle Themen selbst ausgedacht und die Wagen auch selbst entworfen und gebaut" erklärte der Hüttenheimer voller Stolz. Die Kirchweih ist im Ort fast vollkommen in Männerhand. "Mit 14 Jahren kann man der Burschenschaft beitreten und wenn man irgendwann mal heiratet, fliegt man raus", so laute ganz grob die Regelung.
Dann endlich. Nachdem sich der Kirchweihumzug seinen Weg durch die engen Gassen geschlängelt hatte, fand im Ortskern die Kirchweihpredigt statt. Zwar merkte man, dass die Stimme von Kirchweihprediger Michael Bauer in den letzten Tagen etwas gelitten hatte, doch was macht ein gutes Mikrofon nicht alles möglich?!