Kirchschönbach

Kirchweihprediger: Seit 1979 in Frack und Zylinder

Joachim Dusel ist seit fast vier Jahrzehnten Kirchweihprediger in Kirchschönbach. Aus einer spontanen Sache wurde eine große Leidenschaft. Ans Aufhören denkt er nicht.
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Joachim Dusel ist seit 39 Jahren Prediger bei der Kirchweih in Kirchschönbach. Mit Zylinder und mit Tuba nimmt der Spaßvogel an den Umzügen teil.
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Auf einem Wagen beim Kirchweihumzug fühlt er sich besonders wohl. Pünktlich zum Höhepunkt der Veranstaltung – der Predigt – richten sich alle Augen auf ihn. Dann beginnt Joachim Dusel, was er nun bald seit 40 Jahren so gerne macht. Der 54-Jährige trägt die kuriosen und spaßigen Kirchschönbacher Ereignisse des vergangenen Jahres auf unterhaltsame Weise vor.

Aufgabe spontan übernommen

Bereits seit 1979 ist Joachim Dusel der Kirchweihprediger in Kirchschönbach. Vom meistens im November stattfindenden Fest ist er kaum noch wegzudenken. Aus Mangel an Nachwuchs übernahm Dusel damals im Alter von 15 eher spontan die Aufgabe, bei der er in Frack und Zylinder auf einem Umzugswagen zu den Besuchern spricht. Nervös sei er nie gewesen, beschreibt Dusel seine bisherigen Auftritte. „Ich habe mir das schon beim ersten Mal zugetraut.“

Das Selbstbewusstsein war anscheinend nicht ungerechtfertigt, denn seit seinem ersten Auftritt, fragten die Kirchschönbacher Dusel jedes Jahr erneut, ob er die Rolle des Predigers fortführen wolle.

Auf den Leib geschrieben

Und auch der „Gemeindediener Joggel“, wie Dusel häufig im Ort genannt wird, war seit seinem ersten Auftritt vom Predigen begeistert. „Die Rolle ist mir auf den Leib geschrieben“, erklärt er und erzählt, dass er sich jedes Jahr wieder auf die Veranstaltung freue. Man müsse die Leute an seine Lippen fesseln, die Eigenheiten und Sprüche der beschriebenen Menschen einfangen. Dies gelingt ihm durch besondere Mimik und Gestik. Weil der selbstständige Veranstaltungstechniker in seinem Beruf weltweit unterwegs sei, habe er dort viele Erfahrungen bezüglich guter Auftritte gesammelt. Ein freies Vortragen der Rede sei das Wichtigste, um die Menschen zum Lachen zu bringen.

„Brauchtum soll nicht einschlafen“

1992 heiratete Dusel und überlegte deshalb, die Predigten an jemand anderen zu übergeben. Aus Mangel an Nachwuchs führte er die Rolle aber dennoch fort. „Ich bin froh, dass ich es weiterhin gemacht habe“, resümiert der Kirchschönbacher im Nachhinein, „dieses Brauchtum soll nicht einschlafen.“ Die Predigt stelle eine Verbindung zum Ort her.

Die Kuriositäten werden von allen Ortsbewohnern über das gesamte Jahr zusammengetragen und in Reimform gebracht. Dusel selbst passt den Text daraufhin noch an und nimmt kleine Änderungen vor. Hierbei komme ihm seine Erfahrung sehr zugute.

Heuer wieder dabei

Bei seinen Auftritten kleidet sich Dusel selbstverständlich traditionell in Frack, Fliege und Zylinder. Letzterer ist noch von seinem Großvater und bereits über 100 Jahre alt. Da „Joggel“ auch musikalisch breit aufgestellt ist und meist auf dem Wagen der Kirchschönbacher Musik mitspielt, ist die Tuba aus den Anfangstagen seiner Predigten ebenfalls nie fern. An ein Aufhören habe er noch nicht sehr häufig gedacht, erklärt er. Wenn er nicht mehr gefragt werde, sei es nun mal so. Die Lust sei aber noch immer da.

Auch heuer freue er sich wieder auf die Kirchweih, diesmal am Sonntag, 11. November. Die Kirchweihjugend hat ihn schon gefragt. Für Dusel ist das selbstredend: „Natürlich. Mach ich!“



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