KIRCHSCHÖNBACH

Kirchschönbach statt Ranch in Arizona

Idyllisch am Wald gelegen ist die Reitanlage von Gerd und Ute Wilhelm im Prichsenstädter Stadtteil Kirchschönbach. Zu der 2007 errichteten Anlage gehören Ställe, Reithallen und insgesamt 26 Hektar Pferdekoppeln. Dort betreiben die Wilhelms eine Zucht, in der spezielle Pferde für das amerikanische Westernreiten gezüchtet und auch trainiert werden.
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Inmitten zufriedener Lehrgangs-Teilnehmer: Auf der La Mesa Ranch in Kirchschönbach bot Ute Wilhelm (Mitte, Fünfte von rechts) erstmals ein Trainingscamp im Para Reining, einer Art Westernreiten, an. Reitsport-Freunde aus ganz Deutschland nahmen daran teil. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Idyllisch am Wald gelegen ist die Reitanlage von Gerd und Ute Wilhelm im Prichsenstädter Stadtteil Kirchschönbach. Zu der 2007 errichteten Anlage gehören Ställe, Reithallen und insgesamt 26 Hektar Pferdekoppeln. Dort betreiben die Wilhelms eine Zucht, in der spezielle Pferde für das amerikanische Westernreiten gezüchtet und auch trainiert werden.

Die Sparte, die es nicht nur den Wilhelms angetan hat, ist das so genannte Para Reining – eine Art von Dressurreiten. „Dressur mit Action“, könnte man auch sagen. Das Reining, vom englischen Wort „Reins“ für Zügel, abgeleitet, zählt zu den Westernreit-Disziplinen und wurde 2002 vom Weltreiterverband in die Liste der offiziellen Reit-Disziplinen aufgenommen.

In dieser Disziplin fand kürzlich erstmals ein Trainingscamp statt, zu dem elf Teilnehmer aus ganz Deutschland anreisten. Para Reining sei die einzige Sparte im Pferdebereich, die momentan wachse. Dressur und Springreiten gehe leicht zurück, behauptet Ute Wilhelm.

In Deutschland sei der Bereich noch nicht so richtig organisiert. Derzeit zählt der Verband etwa 3500 Mitglieder. Para Reining würden insgesamt rund 10 000 Menschen in Deutschland betreiben, Tendenz steigend. Zumal die Disziplin bei Reitveranstaltungen laut Ute Wilhelm mehr und mehr zum Zuschauermagnet werde.

In der Reithalle übten dieser Tage ausgebildete Trainer mit den Teilnehmern, unter denen auch Menschen mit Behinderung oder einer körperlichen Beeinträchtigung sind. Schnell, langsam, einhändig oder am losen Zügel wird das Pferd gesteuert. Das Pferd reagiere im Idealfall sehr intuitiv. Es werde kaum vom Zügel aus geleitet, sondern nahezu nur durch Gewichtsverlagerung.

Häufig würde Para Reining als Therapie genutzt, wie Ute Wilhelm ausführt. „Viele der teilnehmenden Reitenden haben mit den Beinen Probleme. Dazu braucht es speziell dressierte Pferde.“ Diese reagierten sensibler.

Beim Reining geht es weniger um schnelles Rennen oder Springen, sondern um Geschick. Das Pferd soll mit möglichst wenig Hilfsmitteln das tun, was der Reiter möchte. Das ist bei Galoppwechsel, Drehungen im Trab oder Stopps, eben gar nicht so einfach. Gerade die Stopps und Wendungen machten den Reiz des Reining aus, wie es heißt. „Es setzt eine gewisse Intelligenz der Pferde voraus. Sie sind so gezüchtet, dass sie diese wendigen Bewegungen machen können“, so Wilhelm.

Das sind Paint- oder Quarterhorses, Pferderassen, die aus den USA stammen. Zur Zeit stehen zehn Zuchtstuten und zwei Deckhengste aus dem eigenen Wilhelmschen Besitz im Stall, dazu kommen einige, die dort zur Pflege eingestellt sind. Ihre Liebe zum Reining haben Gerd und Ute Wilhelm in den USA entdeckt, wo sie zehn Jahre lebten und eine Ranch in Arizona hatten.

„Für uns ist es ein größer gewordenes Hobby. Mein Mann gehört auch zum Vorstand des Weltverbands“, sagt Ute Wilhelm. Sie selbst saß früher beim Dressur- und Springreiten im Sattel, mittlerweile nahezu nur noch beim Para Reining, wo sie zum Teil auch europaweit auf Turnieren startet.

In Deutschland seien Trainingscamps wie dieses eher selten bis gar nicht im Angebot. Als Veranstalter trat der Verband auf, die Wilhelms stellen ihre Anlage zur Verfügung. Die Teilnehmer nutzten die Tage gerne, nicht nur, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sondern um unter fachkundiger Anleitung von zwei Trainern zu üben. Abends wurden Videoaufzeichnungen besprochen, der gemütliche Teil kam ebenso nicht zu kurz.

Den Grund für ihr Kommen nannte eine Teilnehmerin. „Weil wir alle wissbegierig sind, dazulernen und uns manches abschauen wollen.“ Bis aus Niedersachsen, vom Ostalb-Kreis, aus dem Harz und so weiter, haben sie dazu den Weg nach Kirchschönbach auf sich genommen und sind froh darüber, wie einer bekennt. Mancher dürfte sicher nicht zum letzten Mal bei den Wilhelms in Kirchschönbach gewesen sein.

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