Coburg
Kalender

Kirchendecken für die Zimmerwand

Der Coburger Klaus Dieter Bätz stellt Sakralbauten quasi auf den Kopf. Auch im Landkreis Kitzingen.
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Klaus Dieter Bätz.
Klaus Dieter Bätz.
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2012 waren es die gotischen Kathedralen im Norden Frankreichs. Für seinen Kalender 2013 ist Klaus Dieter Bätz in die Heimat zurückgekehrt und zeigt Kirchen aus Deutschland. Das Besondere daran: Bätz präsentiert die Kirchendecken als Vertiramen vom Eingangsportal bis zum Chor, zusammengesetzt aus mehreren Einzelbildern.
Mit der Pfarrkirche St. Mauritius in Wiesentheid (Juni) und der St. Veit Kirche in Iphofen (April) hat der Coburger Fotograf und Redakteur auch zwei Kirchen aus dem Landkreis Kitzingen dabei. Ansonsten führt sein Kalender weit durch Deutschland: Vom Dom in Paderborn über das Grabfeld, das Heldburger Unterland hinunter nach Bad Wimpfen und wieder nordwestlich nach Knechtsteden bei Düsseldorf. "Die Aufnahmen entstanden zwischen dem Sommer 2010 und Oktober 2012", erzählt er. Viele Kirchenbesuche seien geplant, aber manches auch Zufallsfund. Einige der Kirchen markieren auch Lebensstationen: "Ein rheinisches Jahrzehnt" lang lebte Bätz in Düsseldorf. Damals fand er die romanische Kirche von Knechtsteden und besuchte sie öfter. "Aber wir waren nur einmal im Kölner Dom!"

Ähnlich verhält es sich mit der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Bad Königshofen im Grabfeld. Bätz entdeckte sie für sich wieder, als er in den 90er Jahren bei Würzburg lebte. Noch heute weiß Bätz, wie sein Kunsterzieher am Ernestinum, Hugo Hußla, von dem spätgotischen Netzrippengewölbe dieser Kirche schwärmte. "Ich hörte ihn förmlich", sagt Bätz in der Erinnerung an den ersten Besuch in Bad Königshofen an einem Sommertag. Hußla dozierte seinerzeit über die Gotik, ihre Spitzbögen, Krabben, Fialen und Wimperge, über Arkaden, Bündelpfeiler, Stützenwechsel und Obergadenfenster. Mariä Himmelfahrt ist bis heute Bätz "Referenzkirche", wenn er neue Aufnahmetechniken ausprobiert.

Zwölf Aufnahmen braucht Bätz, bis er den kompletten Innenraum einer Kirche im Kasten hat. Dann werden die Bilder zusammengesetzt. Dabei hilft natürlich der Computer. Aber Bätz bastelte schon Vertiramen aus Fotografien, bevor es den elektronischen Helfer gab. Und, bei aller Technik: "Vertiramen entstehen zuerst im Kopf." Der Betrachter muss jedenfalls den Kopf nicht mehr in den Nacken legen, um die Decke betrachten zu können.
Die ungewöhnliche Perspektive der Kirchen-Innenräume hat auch schon andere Kalenderhersteller hellhörig gemacht. Für 2014 soll ein Kalender mit gotischen Kirchen in Frankreich und Deutschland beim Kölner Dumont-Verlag erscheinen. "Ende Mai habe ich ein 2012er Kalender-PDF nach Köln geschickt und im E-Mail-Betreff gefragt: ,Wie sieht das aus?‘ Und Ende Juli kam die Antwort: ,Gut sieht das aus‘", berichtet Bätz. Ob er parallel dazu wieder einen eigenen Kalender für 2014 zusammenstellt, überlegt er noch. "Wenn, wird er rein romanisch."
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