KITZINGEN

Kino, Theater, Kleinkunst

Wird das Kitzinger Kino zum städtischen Kulturzentrum? Diese Frage zu bejahen, wäre verfrüht. Aber es gibt Planungen, die in diese Richtung gehen.
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Das Kino als städtisches Kulturzentrum? Eine Arbeitsgruppe befasst sich derzeit mit Möglichkeiten der künftigen Nutzung. Fragen wie nötige Umbauten, Trägerschaft und Kosten sind derzeit allerdings noch nicht geklärt. Foto: Foto: daniela röllinger
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Wird das Kitzinger Kino zum städtischen Kulturzentrum? Diese Frage zu bejahen, wäre verfrüht. Aber es gibt Planungen, die in diese Richtung gehen.

Es ist ein Kleinod, das mancher Kitzinger schon fast vergessen hat. Seit 2007 ist das Roxy-Kino geschlossen. Jetzt gibt es Überlegungen, wie das Gebäude am Rosenberg künftig genutzt werden kann: Spartenkino, ein Theater-Inklusions- und Integrationsprojekt, Kleinkunst und Lesungen sowie veranstaltungsbegleitende Gastronomie sind die vier Bausteine eines Konzeptes, das Konversionsmanager Christoph Hagen gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet hat. „Die Stadt hat großes Interesse, dass etwas passiert“, sagt Hagen. Für Besitzer Wolfram Kamm gilt das sowieso.

Christoph Hagen drückt sich vorsichtig aus, wenn er nach den Überlegungen zum Roxy gefragt wird. „Ich will nicht zu viel versprechen“, betont er. Fakt ist, dass der Besitzer im vergangenen Jahr auf die Stadt zugegangen ist. Er möchte sie ins Boot nehmen, hat Oberbürgermeister Siegfried Müller das Erstverwertungsrecht zugesichert. Es gab mehrfach Gespräche zwischen dem Besitzer und der Stadt, im Sommer wurde das Thema im Kulturbeirat besprochen. Aus den Mitgliedern bildete sich im September eine Arbeitsgruppe, die sich intensiver mit der Zukunft des Kinos befasst. Auch am Donnerstag ging es im Kulturbeirat wieder um dieses Thema.

„Das Interesse

der Stadt ist groß.“

Christoph Hagen Konversionsmanager

Klar ist für alle Beteiligten, dass ein Kino sich alleine wohl nicht halten kann, sondern eine Mehrfachnutzung Ziel sein muss. In den Gesprächen kristallisierten sich vier große Bausteine heraus. Zum einen natürlich das Kino, allerdings nicht als Mainstream-Kino, sondern als Nischenkino mit einem besonderen Angebot.

Zweiter Baustein ist ein Inklusions- und Integrationsprojekt, hinter dem Astrid Glos, Gerald Möhrlein und Andrea Möhringer stehen. „Spot On!“ steht für Theater, bei dem Behinderte und Nichtbehinderte, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Jung und Alt gemeinsam auf der Bühne stehen. „Alle können mitmachen, denn nur die Unterschiedlichkeit führt zum Erfolg“, sagt Astrid Glos. Zum Projekt gehören unter anderem eine Bühnenwerkstatt, Workshops und Filmvorführungen.

Als die drei im Sommer vergangenen Jahres zusammensaßen und die Idee ausarbeiteten, dachten sie sofort an das Roxy als Aufführungsort. „Das Roxy als Lebensbühne“, so drückt es Astrid Glos aus. Da traf es sich gut, dass parallel dazu Wolfram Kamm mit der Stadt über die künftige Nutzung sprach. Glos ist daran gelegen, dass baldmöglichst entschieden wird, ob sich das Projekt im Kino verwirklichen lässt. Denn die drei haben zwar ein fertiges Konzept, können die Umsetzung aber erst weiter verfolgen, wenn die Räumlichkeiten feststehen.

Als dritten Baustein für das Roxy nennt Hagen eine Theaterbühne mit Kleinkunst und Lesungen. Kitzinger Initiativen wie die Häckerbühne, das Fastnachtmuseum oder Schulen könnten diese Möglichkeit nutzen. Die Kulturtreibenden sind in die Überlegungen einbezogen, haben sich die Räume bei Führungen angeschaut. Es herrsche Konsens, dass man in Kitzingen gerne noch eine weitere kulturelle Veranstaltungsmöglichkeit hätte, so Hagen. Vierter und letzter Block im derzeitigen Konzept ist schließlich eine veranstaltungsbegleitende Gastronomie.

Im nächsten Schritt sollen nun die baulichen Voraussetzungen untersucht werden. Die Überlegungen für die künftige Nutzung beziehen sich derzeit nur auf die beiden oberen Säle, Roxy 1 und Roxy 2, nicht auf das Roxy 3. Grund dafür ist unter anderem, dass dieser Saal keinen Notausgang hat. Inwieweit die anderen Säle und das Gebäude den rechtlichen Vorschriften entsprechen, beispielsweise brandschutztechnisch, soll laut Hagen baldmöglichst geprüft werden. Dass Umbauten notwendig werden, ist allerdings jetzt schon klar, zumal die bestehende Bühne zu klein für Theateraufführungen ist.

„Wir stellen das Nutzungskonzept an den Anfang“, sagt Christoph Hagen. Erst anschließend soll es darum gehen, wer die Trägerschaft übernehmen könnte, was wie organisiert wird. Eine Möglichkeit wäre laut Hagen ein städtisches Kulturzentrum. Doch selbst wenn diese Lösung kommen sollte, wäre privates Engagement wichtig, macht der Konversionsmanager klar: „Die Bürger müssen das Angebot natürlich annehmen. Außerdem müsste es eine Art Förderverein oder etwas Ähnliches geben.“ Für die Fragen der Kosten und der Finanzierung, die ebenfalls noch nicht geklärt sind, ein wichtiger Aspekt.

„Im ersten Halbjahr 2015 muss etwas passieren.“
Wolfram Kamm, Besitzer des Roxy

Es gibt also noch viel zu klären – und das baldmöglichst. Denn für Besitzer Wolfram Kamm steht fest: „Im ersten Halbjahr 2015 muss etwas passieren.“ Seit Jahren investiert er Geld, lässt Heizung und Belüftung in den Kinosälen laufen, so dass sie funktionsfähig sind und das Roxy aus technischer Sicht sofort wieder nutzbar wäre. Kamm ist mit dem Kino groß geworden, hat als Kind sein Taschengeld als Platzanweiser aufgebessert. Selbst betreiben kann er es aber nicht. Beruf und Lebensmittelpunkt des Kitzingers liegen seit 1982 im Rheinland, er kommt nur ab und zu in die Stadt.

„Ich fände es schade, wenn das Werk derer, die es aufgebaut haben, kaputt geht“, sagt Wolfram Kamm. Auf der anderen Seite möchte und kann er selbst kein Geld mehr in das Gebäude stecken, an das ein Wohnhaus angeschlossen ist. Auch über die Nutzung dieses Teils gibt es Überlegungen von Seiten der Stadt.

Dass die Kitzinger Interesse am Betrieb des Roxy haben, hat sich 2013 gezeigt, als der Kitzinger Helmut Podschun seinen Film dort vorführte. „Die Vorstellungen waren samt und sonders ausverkauft.“ Für Kamm ein klares Zeichen, dass der Bedarf für ein Kino vorhanden ist.

Das Kitzinger Roxy-Kino

Von den fünf Kinos, die es einst in Kitzingen gab, hielt sich das Roxy am Rosenberg am längsten. 1956 wurde es von Friedrich Gahler eröffnet, damals nur mit einem Saal. 1973 kam ein zweiter dazu, 1994 ein dritter. 44 Jahre führte Gahler das Kino mit Annaliese Kamm-Gerstmeier, 2001 übergaben sie es an einen Nachfolger. Es folgten vier Pächter in sieben Jahren – alle gaben nach einer Weile auf, bis schließlich ganz geschlossen wurde.

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