LANDKREIS KITZINGEN

Kindern psychisch kranker Eltern frühzeitig helfen

„Was brauchen Kinder und ihre psychisch kranken Eltern?“ Unter diesem Thema stand der vierte Runde Tisch Frühe Hilfen. Das Netzwerk zum Schutz der Kleinsten hat sich laut Pressemitteilung des Landratsamtes mittlerweile etabliert und ist eine wichtige Austauschplattform für alle, die beruflich mit Schwangeren, Neugeborenen und (Klein-)Kindern zu tun haben.
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„Was brauchen Kinder und ihre psychisch kranken Eltern?“ Unter diesem Thema stand der vierte Runde Tisch Frühe Hilfen. Das Netzwerk zum Schutz der Kleinsten hat sich laut Pressemitteilung des Landratsamtes mittlerweile etabliert und ist eine wichtige Austauschplattform für alle, die beruflich mit Schwangeren, Neugeborenen und (Klein-)Kindern zu tun haben.

Geleitet wird der Runde Tisch von Cornelia Röder und Eva Seemann, den beiden Mitarbeiterinnen der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKi-Fachdienst Frühe Hilfen) am Landratsamt. Deutlich sei auch dieses Mal geworden: Die Treffen helfen, wichtige Kontakte zu knüpfen und fachliche Absprachen zu treffen.

Referent des Nachmittags war Andreas Schrappe, Psychologe am Evangelischen Beratungszentrum der Diakonie Würzburg. Dort gibt es auch die spezielle Gruppe „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, die sich an Kinder mit psychisch kranken Eltern richtet. Da dieses Angebot auch finanziell vom Landkreis Kitzingen unterstützt wird, steht es auch betroffenen Kindern aus dem Landkreis offen.

In den Mittelpunkt seines Vortrags stellte Schrappe die Folgen für Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil, heißt es in der Mitteilung weiter. „Diagnosen sind für Kinder irrelevant, deshalb sollten wir als Fachleute direkt die Auswirkungen, mit denen die Kinder umgehen müssen, bedenken.“ Man solle hierfür seinen „inneren Übersetzungsapparat“ einschalten.

Kinder fühlen sich wertlos

Schrappe unterschied psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression, Zwänge, Persönlichkeitsstörungen, Süchte sowie Aufmerksamkeitsstörungen. „Bei einer Depression merkt das Kind, dass seine Mutter zum Beispiel zu nichts Lust hat und keine Freude empfindet“, erklärt der Fachmann. Kinder spüren dann vielleicht selbst Schuldgefühle oder fühlen sich wertlos.

Vor allem bei Persönlichkeitsstörungen könnten die Auswirkungen für Kinder enorm sein, denn anders als eine Depression, die phasenweise auftreten kann, seien diese Störungen immer präsent. „Kinder brauchen Stabilität, Vorhersehbarkeit sowie Eltern, die stark und immer für sie da sind und ihnen ein positives Grundgefühl vermitteln“, erklärte Schrappe. Deshalb sei auch das Thema Kindswohlgefährdung vor dem Hintergrund der psychischen Misshandlung in diesem Zusammenhang brisant.

Der Fachmann bemängelte, dass bei vielen psychiatrischen Kliniken der Familienansatz fehle. Oft haben Therapeuten nur den Patienten im Blick und nicht die gesamte Familie. Deshalb seien eine Vernetzung und ein Austausch besonders wichtig.

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