Kitzingen

Kindern Schwimmen lehren: Gefordert sind Eltern und Schulen

Den Schulausschuss des Kreistags beschäftigte eine Umfrage, die besagt: Die Zahl der Kinder, die sichere Schwimmer sind, lässt zu wünschen übrig. Doch was folgt daraus?
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Unbestritten gilt Schwimmunterricht für Kinder als wichtige Aufgabe. Doch wo sollen die Kinder Schwimmen lernen: in der Schule oder in Vereinskursen?  Foto: dpa/Georg Wendt

Repräsentativ ist das Ergebnis der Befragung sicherlich nicht, doch es weist auf ein Problem hin: Etliche Kinder im Landkreis Kitzingen können nicht sicher schwimmen. Trotz Schwimmunterricht in den Schulen und angebotenen Schwimmkursen. Die exakte Zahl der Nichtschwimmer und die Tendenz verrät die Erhebung nicht. Doch über das Ziel, Kinder möglichst früh zu Schwimmern auszubilden, wie es Bernd Moser (SPD) ausdrückte, darüber waren sich die Mitglieder des Schulausschusses des Kreistags einig.

Zu einem im Gremium ausgiebig diskutierten Thema wurde das Schwimmvermögen von Kindern durch den Bildungsbericht "Bildung durchblickKT", den Frank Goßmann und Fabian Endres im Ausschuss vorstellten. Die beiden beschäftigen sich, vereinfacht ausgedrückt, im Rahmen des Förderprogramms "Bildung integriert" mit der Frage, wie es um die Bildungslandschaft im Landkreis Kitzingen bestellt ist. Hierzu haben sie eine Menge Daten erhoben und in besagtem Bildungsbericht anschaulich gemacht. Sie sollen demnächst in einem Online-Bildungsportal für jedermann abrufbar sein.

Die Bandbreite des Schwimmvermögens schwankt gewaltig

In diesem Zusammenhang haben sie in den vergangenen beiden Monaten auch knapp 5800 Haushalte mit Kindern bis zehn Jahren im Kreis befragt, um zu erfahren, wie viele sichere Schwimmer zwischen sechs und zehn Jahren in den Haushalten leben. Der Rücklauf war übersichtlich: Nicht einmal 20 Prozent haben sich beteiligt, weshalb die Ergebnisse sicherlich nicht überbewertet werden dürfen. Die Bandbreite, in der die Daten liegen, ist zudem weit: In nur zwei Gemeinden (Abtswind und Biebelried) sind über 85 Prozent der Kinder sichere Schwimmer, und in zwei Gemeinden (Geiselwind und Marktsteft) sind weniger als die Hälfte sichere Schwimmer.

Margit Hofmann (SPD) nannte die Zahlen "besorgniserregend" und formulierte einen Appell, keine Schwimmbäder zu schließen. Landrätin Tamara Bischof (FW) meinte, dass es ein Anliegen des Landkreises sein muss, dass mehr Schwimmkurse angeboten werden; wenn nötig, müsse hierfür auch der öffentliche Schwimmbetrieb der Bäder eingeschränkt werden.

Dies würde wohl auch Sylvia Voit begrüßen, die Vorsitzende der BRK-Wasserwacht Volkach. Diese bietet vier Schwimmkurse für Anfänger pro Jahr an. Mehr geht nicht, selbst, falls es ausreichend ehrenamtliche Ausbilder gäbe. Die bereitgestellten Zeiten im Volkacher Hallenbad für Schwimmkurse (aktuell an zwei Tagen pro Woche) lassen nicht mehr zu. Die Ausbilderin stellte fest, dass heute weniger Kinder als früher schwimmen könnten. Wer sein Kind zu einem Kurs anmeldet, muss sich gedulden: Der nächste, aktuell halb ausgebuchte Kurs ist im September 2020. Für November 2020 sind noch 80 Prozent der Plätze frei.

Wartezeiten für freie Plätze betragen oft viele Monate

Im Vergleich zu anderen Schwimmkursen sind diese Wartezeiten noch gering. Ein Blick ins Internet zeigt: Die BRW-Wasserwacht Iphofen bittet Eltern, ihre Kinder mit drei Jahren Vorlaufzeit anzumelden. Die TG Kitzingen bietet freie Kurs-Plätze wieder ab September 2020, das Aqua Sole in Kitzingen verweist auf Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren. Die BRK-Wasserwachten Dettelbach und Kitzingen haben im Internet keine aktuellen Angaben zur Buchungssituation.

Müssen die Kinder Schwimmen also im Schulunterricht lernen? Nein, meinte Eva Dinkel (CSU) im Schulausschuss. Die Eltern seien gefordert. Dennoch bleibe Schwimmunterricht eine Pflicht für Schüler, erklärte Landrätin Bischof. Deshalb, findet sie, könnte der Staat Schwimmbäder auch stärker fördern, oder Landkreisen müsste die Möglichkeit eingeräumt werden, für Bäder mehr Geld auszugeben. Bislang gelten diese als freiwillige Leistungen der Kreise und sind begrenzt.

Im Landkreis Kitzingen gibt es nur eine Grund- und eine Mittelschule (jeweils Wiesentheid), die im Sportunterricht nicht zum Schwimmen gehen, berichtete Katja Wagner von der Grund- (GS) und Mittelschule (MS) Iphofen. Sie ist Geschäftsführerin des Arbeitskreises "Sport in Schule und Verein" im Landkreis Kitzingen und erklärte: Von Wiesentheid aus seien es 13 Kilometer bis zum Volkacher Bad, weshalb die Fahrtzeiten zu lange wären. In Iphofen liegen GS und MS neben dem Hallenbad. Dort gehen die ersten bis vierten Klassen alle zwei Wochen zum Schwimmen. 95 Prozent der Schüler könnten schwimmen, schätzt Rektor Jürgen Wolff.

Alle Drittklässler sollen das Schwimmen lernen

Rektor Thomas Riehle von der GS/MS Dettelbach beobachtet dagegen, dass heute tendenziell weniger Schüler schwimmen könnten als früher. Deshalb bietet die Schule in der dritten Klasse allen Schülern im 300 Meter entfernten Bad intensiven Schwimmunterricht: jede Woche eine Doppelstunde. Zwei bis drei Lehrer – zum Teil Kräfte aus der gebundenen Ganztagsbetreuung – begleiten die Klassen. Das Ziel, dass alle Drittklässler am Ende des Schuljahres schwimmen können, wird damit laut Rektor Riehle erreicht.

Die Organisation des Schwimmunterrichts stellt Rektor Rainer Dotterweich von der GS/MS Volkach vor personelle Probleme. Vorgesehen sind eigentlich ein Lehrer mit Schwimmschein pro Klasse, was in der Praxis nicht ausreiche. Zum Glück kann Dotterweich zur Schwimmaufsicht einen qualifizierten Förderlehrer als zweite Kraft einsetzen. Er sieht Schwimmen "durchaus als Aufgabe des Sportunterrichts". – Nur müssten hierfür mehr Lehrerstunden, sprich mehr Personal, zur Verfügung stehen.

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