VOLKACH/KITZINGEN

Kettenreaktion auf dem Spielplatz

Mal so richtig cool sein, Eindruck schinden. Den anderen zeigen, wo der Hammer hängt. Darum ging es, als ein 19-Jähriger im Sommer vergangenen Jahres meinte, unbedingt mit seinem Auto auf einen Volkacher Abenteuerspielplatz fahren zu müssen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Symbolbild

Mal so richtig cool sein, Eindruck schinden. Den anderen zeigen, wo der Hammer hängt. Darum ging es, als ein 19-Jähriger im Sommer vergangenen Jahres meinte, unbedingt mit seinem Auto auf einen Volkacher Abenteuerspielplatz fahren zu müssen.

Der Auszubildende hielt auf einen Holztisch mit zwei Sitzbänken zu, auf denen zwei Jugendliche saßen. Gar nicht so cool war das Bremsmanöver, das gehörig in die Hose ging. Der Wagen kam nicht mehr rechtzeitig zum Stehen, schlitterte quer über die Wiese, erwischte mit der Stoßstange eine Bank und riss diese aus der Verankerung.

Was folgte, war eine Kettenreaktion: Die Bank kippte ihrerseits nun gegen den Tisch, der wiederum gegen die zweite Bank gedrückt wurde. Genau dort saß einer der beiden Jugendlichen, dessen Knie zwischen Bank und Tisch geriet. Kurzum: Der Abenteuerspielplatz wurde seinem Namen durchaus gerecht.

Weder die Verletzung – immerhin war drei Tage Humpeln angesagt – noch der angerichtete Schaden um die 1100 Euro brachte seinerzeit die Beteiligten auf die Idee, die Polizei zu rufen. Erst Tage später entdeckten Mitarbeiter der Stadt, dass die Sitzgruppe ramponiert worden war, die polizeilichen Ermittlungen nahmen ihren Lauf.

Vor dem Kitzinger Jugendrichter Wolfgang Hülle gibt sich der 19-Jährige geknickt. Den Unfall schildert er so: Er habe auf dem Spielplatz „etwas beschleunigt“, dann aber eigentlich rechtzeitig gebremst. Eigentlich – denn der Fahranfänger unterschätzte die Rutsch-Wirkung der Wiese. Fast wie auf Eis schlitterte der mit vier Personen voll besetzte Wagen gegen die Sitzgruppe.

„Ich habe etwas beschleunigt.“
Der Angeklagte über seinen Unfall auf dem Spielplatz

Dort hatten sich die Jugendlichen treffen und anschließend gemeinsam zu einer Party aufbrechen wollen.

Drei Wochen nach der Volkacher Rutschpartie gab es einen zweiten Vorfall, für den sich die Justiz ebenfalls interessiert. Wieder steht das Auto des 19-Jährigen im Mittelpunkt. Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich auf einem Kitzinger Parkplatz, als ein 18-Jähriger auf eine blöde Idee kommt: Er setzt sich ins Auto seines Kumpels und fährt los Richtung Mainfrankenpark.

Der Autobesitzer versucht zaghaft, die Fahrt zu verbieten – setzt sich dann jedoch auf den Beifahrersitz und macht den vermeintlichen Spaß mit. Das Problem ist: Der 18-Jährige hat zum einen keinen Führerschein, zum anderen bringt er es auf knapp 1,3 Promille. Auf der Rückfahrt nach Kitzingen wird eine Polizeistreife auf die Kamikaze-Fahrt aufmerksam. Als Halter des Wagens hat der Auszubildende damit ein weiteres Problem an der Backe.

Einen Hinweis, warum es zu den beiden Fällen gekommen ist, gibt der Bericht des Jugendamtes. Der Angeklagte sei „intellektuell beeinträchtigt“, so die nette Umschreibung dafür, dass er sich von anderen zu sehr beeinflussen lässt.

Was indes nicht vor Strafe schützt. Die Quittung kommt als Dreierpack daher: Neben einer Geldauflage über 500 Euro muss der junge Mann ein Wochenende – ein so genannter Freizeitarrest – ins Gefängnis. Dazu kommt ein dreimonatiges Fahrverbot. Das mit dem cool sein und Eindruck schinden hat sich damit – zumindest vorübergehend – erst einmal erledigt.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.