RÖDELSEE

Keine Spur von Jugendsünden des Grafen

Erstaunlich, dass so viele dem bunten Treiben an Fasching entfliehen wollten und stattdessen zur Schlosspark-Führung auf den Schwanberg gekommen sind. Vielleicht war es auch der strahlenden Sonne wegen oder aber ganz einfach zu Ehren Graf Radulfs zu Castell-Rüdenhausen, dem letzten Besitzer von Schloss und Park Schwanberg.
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Abschlusskonzert: Dafür bot das Mausoleum im Schlosspark auf dem Schwanberg bei der Führung zu Ehren des letzten Schwanberg-Grafen den idealen Platz. Es spielte Hemos Sax-Bar mit Hemo Waag, Eva Schneider, Christine Gumann und Erich Zink. Foto: Foto: ELISABETH VERSL-WAAG

Erstaunlich, dass so viele dem bunten Treiben an Fasching entfliehen wollten und stattdessen zur Schlosspark-Führung auf den Schwanberg gekommen sind. Vielleicht war es auch der strahlenden Sonne wegen oder aber ganz einfach zu Ehren Graf Radulfs zu Castell-Rüdenhausen, dem letzten Besitzer von Schloss und Park Schwanberg.

Eine Führung mit Lesung und Musik zu Graf Radulfs Büchlein „Jugendsünden“ hatte Monika Conrad zusammen mit ihrem Team an Schlosspark-Führern und Schwester Dorothea Krauß von der Communität Casteller Ring organisiert.

Poesie und Humor

Stimmungsvoller Auftakt der eineinhalbstündigen Veranstaltung war eine musikalische Begrüßung in der St.-Michaels-Kirche. Mit „Halleluya“ und dem Friedenslied „Ose Shalom“ umrahmten die vier Musiker von Hemos Sax-Bar (Leitung Hemo Waag) die erste Lesung zu Stimmungen im Jahreslauf: „Schnee schwebt von grauen Himmeln, die Lande gehen zur Ruh'“. Und zum Frühling: „Die Winterstürme weichen Jasmin- und Fliederhauch“. Schwanberg im Herbst: „Zeigt das edle Blut der Reben sich von seiner frohsten Seite.“ „Den Herbst liebe der Graf besonders, schon wegen der Weinlese“, wusste jemand aus persönlichen Begegnungen.

Mit Poesie und Humor gewährt Graf Radulf in seinem Büchlein Einblick in sein Leben quasi von Geburt an. Nach den „Jugendsünden“, nach denen es benannt ist, sucht man allerdings vergeblich. Es sind eher kuriose Begebenheiten und kleine Anekdoten, die es lesenswert machen. Für die Schlosspark-Führer sei es ein wertvolles Nachschlagewerk, verrät die ehrenamtliche Mitarbeiterin Monika Conrad. So erfährt man in Graf Radulfs Aufzeichnungen unter anderem vom Ankauf einiger kleiner Putten-Kopien und von Figuren des Bildhauers Carlo Müller für den Schlosspark in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Nach eben diesen Rechnungen über den Ankauf der Figuren suchte Monika Conrad im Fürstlich Castell'schen Archiv. Was sie dabei im hintersten Eck gefunden hat, war etwas ganz anderes: Eine Schriftrolle mit dem Originalentwurf zu Carlo Müllers Skulptur der heiligen Margit.

Die Statue der heiligen Margarete konnten die Gäste im Schlosshof bewundern und auch einer dazugehörigen Geschichte lauschen, nämlich der mit dem Wurm in heiterer Reimform. An einen humorvollen und geselligen Grafen Radulf Castell-Rüdenhausen erinnerten sich auch Rödelsees Bürgermeister Burkhard Klein und Gäste-Führer Peter Hess, die am runden Tisch und am Neptun-Brunnen vom Grafen als Weinbauer und begnadeten Schnapsbrenner erzählten.

Ein letztes Gedicht mit Blick auf das Mausoleum, trug Rosmarie Hofmann vor: „Rauschen klingt an mein Ohr, Brausend aus dunklen Wipfeln, Trägt mich zu fernen Gipfeln, Ewiger Freude empor.“ Mit Volksweisen, schon von weitem zu hören, empfing das Saxophon-Ensemble die Besucherschar die Gäste an der letzten Station der winterlichen Besichtigung, der Ruhestätte Graf Radulfs und seiner Eltern und spielte ihnen Ehren das kleine Abschlusskonzert.

Schlosspark auf dem Schwanberg

Auf dem Schwanberg ließ Graf Alexander von 1919 bis 1921 den Schlosspark in Form eines großen Privatgartens im Reformgarten-Stil anlegen. Die Anlage ist formal gestaltet. Endpunkt der 550 Meter langen Hauptachse ist das Mausoleum. Vom Schloss her kommend durchwandert der Besucher mehrere Gartenräume, die von Baumgruppen, einer Linden-Allee und Linden-Reihen gefasst werden. Der hippodromförmige Raum um den steinernen Tisch und den Obelisken ist der intimste Gartenraum, gleich in der Nähe des Schlosses. Der Neptun-Brunnen markiert den Schnittpunkt mit einer breiten Querachse, die von einer großen Pergola zu einer Aussichtsplattform reicht. Die streng gefassten Gartenräume lagen ursprünglich innerhalb großer Parkwiesen, die von Baumgruppen und reich strukturierten Gehölzrändern gefasst waren. Große Teile wurden allerdings bereits früh aufgeforstet. Versteckt im Wald liegen das Prinzessinnenbad und eine weitere Aussichtskanzel. Lange Jahre war der Park im Familienbesitz, namentlich von Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen, dem 1922 geborenen Sohn von Graf Alexander. Seit 2006 ist der Schlosspark auf dem Schwanberg im Besitz des Geistlichen Zentrums Schwanberg. Der Park wurde ab 2009 umfangreich wieder hergestellt. Quelle: KITZINGER GARTENLAND

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