Mit 18:2 Stimmen haben Dettelbachs Stadträte in ihrer Sitzung am Montag die Einleitung eines Ratsbegehrens zur Entwicklung der Vorranggebiete für Windkraftanlagen (WK 21) in den Gemarkungen Bibergau und Dettelbach abgelehnt. Mit seinem Beschluss behielt sich das Gremium seine eigene Entscheidungszuständigkeit vor und verlagerte sie nicht auf die Gemeindebürger.

In seiner letzten Sitzung hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, die Entscheidung über ein Ratsbegehren zur Entwicklung des im Entwurf des Regionalplans enthaltenen Vorranggebiets für Windkraftanlagen vorzubereiten.

Schon bei den Meinungsäußerungen am Ratstisch war abzusehen, dass ein eventueller Bürgerentscheid unter den Tisch fallen würde. Während Roland Hardörfer (FW) pro Bürgerentscheid sprach („Ich sehe die Ausweisung eines Vorranggebiets problematisch für künftige Baugebiete. Die Bürger sollten deshalb mit entscheiden“) lehnte Bürgermeisterin Christine Konrad (FW) einen solchen ab. „Wir werden voraussichtlich kein komplettes Bürgervotum bekommen“, sagte sie.

Die Stadtchefin schlug vor, kein Ratsbegehren einzuleiten, damit sich der Stadtrat künftige Entscheidungsmöglichkeiten vorbehält. Weitere Wortmeldungen in der Ratsrunde wandten sich gegen ein Ratsbegehren. Helmut Kapp (ML) betonte: „Für mich sind Windräder nicht bedrohlich, eher Atomkraftwerke.“ Michael Hartmann (SPD) meinte: „Wir dürfen die Verantwortung nicht auf die Bürger übertragen und die Entscheidung nicht auf sie abwälzen.“

Herbert Holzapfel (FW) sah im Vorranggebiet eine einmalige Chance, „die Spargelstellungen von einzelnen Windrädern zu verhindern. Lieber einen Windpark als lauter einzelne Windräder.“ Marcel Hannweber (CSU) forderte den Stadtrat auf, sich nicht die Flexibilität zu nehmen, „die wir wegen der komplexen Windkraftthematik vielleicht noch brauchen“. Letztlich sprach sich die Mehrheit kontra Ratsbegehren aus, auch wenn eingangs der Effeldorfer Norbert Schneider noch die Bürgernähe des Stadtrats gelobt hatte: „Mit einem Ratsbegehren zeigt der Stadtrat, dass er auf die Bürger zugeht und keine Angst vor einer Einbindung der Bürger in eine wichtige Entscheidung hat.“

Weitere Punkte aus dem Stadtrat:

• Ab Mitte November werden, wie in anderen Kommunen im Landkreis auch, in Dettelbach und den Ortsteilen Asylbewerber untergebracht. Laut Bürgermeisterin Christine Konrad sind zwei Unterkünfte vorgesehen. In einer Wohnung in Bibergau wird voraussichtlich eine Familie mit sechs Personen aufgenommen, im Kloster Dettelbach werden acht weitere Flüchtlinge leben. Deren Herkunft sei noch nicht bekannt, so Konrad. Sie appellierte an die Bevölkerung, ehrenamtliche Hilfe zu leisten.

• Für den Landkreisfaschingszug 2015 erhält die Dettelbacher Karnevalsgesellschaft einen Zuschuss von 500 Euro. Der gemeinsame Gaudiwurm der Dettelbacher, Kitzinger und Obervolkacher Narrengilden zieht am 17. Februar 2015 durch Dettelbach. Der Stadtrat stimmte ferner umfangreichen Leistungen durch den Bauhof sowie dem Überlassen der Maintalhalle für die Veranstaltung zu.

• Kenntnis genommen hat das Gremium vom Bedarfsplan für die Feuerwehren der Stadt zur Beschaffung neuer Einsatzfahrzeuge. Wenn es die finanziellen Möglichkeiten der Stadt zulassen, dann erhält im kommenden Jahr die Schernauer Feuerwehr ein TSF-W. Zwei Jahre später steht für die Euerfelder Floriansjünger eine Neuanschaffung an. Aufgrund der zahlreichen Aussiedlerhöfe sollen Einsatzfahrzeuge künftig Wasser mitführen.

• Das Betriebskostendefizit des Kindergartens „Schwalbennest“ in Schernau im vergangenen Jahr von 23 240 Euro übernimmt die Stadt Dettelbach. Einhellig befürwortete das Gremium den Antrag der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde.