Die medienwirksame Kanal-Affäre von Prichsenstadt ist offensichtlich auch für die Würzburger Staatsanwaltschaft und die Ermittler der Kripo schwer zu durchleuchten. Mit einem Ergebnis der Ermittlungen – wegen möglichen Betrugs – sei frühestens in vier bis sechs Wochen zu rechnen, da noch umfangreiche Angaben zu überprüfen seien, teilte Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen auf Anfrage mit.

Der Schlagabtausch um das Dunkel der Kanäle in drei Gassen der Prichsenstädter Altstadt ist längst für Außenstehende undurchsichtig geworden. Sicher ist nur: Die Kanäle müssen saniert werden. Wie teuer das wird, in dieser Frage scheiden sich die Geister. Die Stadt rechnet mit rund 970 000 Euro, die Kritiker – mit dem Unternehmer Richard Gebert an der Spitze – gehen von Erneuerungskosten im Umfang von 185 000 Euro aus.
 

Anzeige gegen Unbekannt


Der Riesenunterschied beider gutachterlicher Kostenschätzungen der Sanierung, für die die Bürger anteilig zur Kasse gebeten werden, löste bei Gebert den Verdacht eines Betrugs zu Lasten der Anlieger aus. Ende Mai erstattete er Anzeige gegen Unbekannt.

Seither ermitteln die Behörden. Gebert und weitere Zeugen seien vernommen worden, sagte Oberstaatsanwalt Raufeisen. „Die Kripo war schon bei mir“, sagte am Mittwoch Bürgermeister Adolf Falkenstein. Die angeforderten Akten seien bei den Ermittlern.

Sorgen wegen der Betrugsvorwürfe macht sich der Bürgermeister nicht: „Ich sehen der Sache sehr gelassen entgegen.“ Unter anderem deswegen, weil aus seiner Sicht der Vorwurf der Manipulation bei Bildern von den Kanälen ausgeräumt ist. Die Aufnahmen von 2001, die stark beschädigte Rohre zeigen und für die teure Großsanierung sprechen würden, stammen – so der Verdacht in der Anzeige – aus einem anderen Abschnitt des Abwassersystems – was Falkenstein jetzt widerlegt sieht.

Er habe die Aufnahmen an ein Ingenieurbüro geschickt, mit dem Auftrag, die „Bildstelle“ im Kanalsystem zu finden. Dies sei gelungen. Die angezweifelte Standortangabe sei bestätigt worden. Dieser Beleg gehe auch den Ermittlern zu. Eine zweite Anzeige gegen Unbekannt wegen Gewässerverunreinigung – ebenfalls von Gebert – sieht Falkenstein ebenfalls locker.
 

Schmutz ins Grundwasser gedrungen?


Dass aus defekten Kanälen Schmutz ins Grundwasser gedrungen sei, schloss der Bürgermeister nicht aus. Deshalb habe der Stadtrat eine Sanierung der Kanäle mit „engmaschiger Zeitplanung“ auf den Weg gebracht, die aber wegen des juristischen Tauziehens um ein Jahr verzögert werde.

Kontrahent Gebert hatte in seiner Anzeige von „permanenter Grundwasserverseuchung“ gesprochen. Der Vorwurf; Die Stadt wisse seit 2001 von maroden Kanälen und habe nichts gemacht.

Während die Ermittler sich noch durch die Akten kämpfen, könnte die Frage des Umfangs der Kanalsanierung bald geklärt sein. Das unabhängige Gutachten – Nummer drei – sei in Arbeit, so Falkenstein: „Ich rechne Ende September mit dem Ergebnis.“