MARKTSTEFT

Kampf um die Kläranlage Michelfeld

Kann Landrätin Tamara Bischof mit einem Federstrich die Probleme Marktstefts mit der Michelfelder Kläranlage lösen? Glaubt man den Aussagen des Herstellers, dann wäre dies durchaus möglich.
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Kann Landrätin Tamara Bischof mit einem Federstrich die Probleme Marktstefts mit der Michelfelder Kläranlage lösen? Glaubt man den Aussagen des Herstellers von Pflanzenkläranlagen Hermann Hugel in der Sitzung des Marktstefter Stadtrats am Montagabend, dann wäre dies durchaus möglich.

Das Problem: Seit rund 40 Jahren wird das Abwasser des Marktstefter Stadtteils von einer Teichkläranlage sauber gehalten. Jetzt liegt offensichtlich ein Bescheid der Wasserbehörden über eine Aufrüstung der Anlage vor. Demnach wird ein weiterer Klärteich, eine zusätzliche Belüftung und eine Nitrifikation, also der Abbau von Stickstoff, gefordert. Das wird teuer. In der Sitzung am Montag standen rund 2,5 Millionen Euro dafür im Raum. Alternativ könnte auch der Anschluss an die Kläranlage Kitzingen erfolgen. Gegen den Bescheid hat die Stadt Widerspruch eingelegt.

„Die Kläranlage Michelfeld arbeitet seit 40 Jahren problemlos“, sagte Hermann Hugel, Fachmann für Pflanzenkläranlagen, den die Stadt um Hilfe gebeten hat. Das belegen die Messprotokolle der Naturkläranlage. So liegt etwa der Nitratgehalt im geklärten Wasser bei einem Zehntel der gesetzlich geforderten Menge für Kläranlagen.

Gesetzeslücke

Und hier liegt für Hugel das eigentliche Problem: Für kleine Kläranlagen, wie etwa die Michelfelder, sind keine Grenzwerte definiert. Die gelten erst für größere Anlagen. Und so sei es egal, wie gut die Werte der kleinen Anlagen auch sein mögen: Wenn eine Nitrifikation und Erweiterung gefordert werden, müssen diese erfolgen. Hier liege eine Gesetzeslücke vor, die wohl wirtschaftlichen Interessen entspringe, so Hugel. Denn Kläranlagenbau ist teuer, da gebe es viel Geld zu verdienen.

Der Klageweg gegen den Bescheid scheint für Hugel wenig aussichtsreich und werde wohl scheitern. Die Stadt müsse vielmehr auf die Schließung der Gesetzeslücke drängen und fordern, dass auch für kleine und Kleinstanlagen Richtwerte eingeführt werden. Denn was würde eine Nitrifizierung bringen, wenn sie gar nicht nötig ist.

Hugel nannte ein weiteres Beispiel für die gute Arbeit der Kläranlage, der rund 80 Kubikmeter große „Haufen“ des Abraums aus dem Vorklärbecken. Der ist in insgesamt 40 Jahren entstanden, zeige also, dass mit rund zwei Kubikmetern pro Jahr an Klärschlamm eigentlich nur der Rest aus Sand und Erde übrig bleibe, der in die Kanalisation durch den Winterdienst und ähnliches eingebracht werde. Für andere „Abfälle“, etwa Plastiktüten und ähnliches, sei zudem kein aufwändiger Rechen im Klärteich nötig, einfaches Aussieben des Klärschlamms reiche hier aus.

Was also tun? Einig waren sich die Räte, nun ihre Verbindungen zu Landtagsabgeordneten und anderen Politikern spielen zu lassen, um Grenzwerte auch für kleine Kläranlagen zu erreichen. Darüber hinaus soll die Kläranlage optisch aufgepeppt werden, indem etwa die Überläufe neu gefasst werden. Ein Arbeitskreis soll weitere Möglichkeiten prüfen.

Zudem könnte die Landrätin bestimmen, dass die strengen Richtwerte größerer Kläranlagen auch für Michelfeld Anwendung finden – und die werden ja jetzt schon eingehalten.

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