PRICHSENSTADT

Jusos wollen AfD-Auftritt verhindern

Die AfD hat André Poggenburg als Redner nach Prichsenstadt geladen. Die Jugendorganisation der SPD würde sogar die Saalmiete übernehmen, wenn die Partei wieder ausgeladen wird.
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Andre Poggenburg
ARCHIV - Der Spitzenkandidat der Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, steht am 13.03.2016 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) in einem Fernsehstudio. Foto: Jens Wolf (dpa-Zentralbild)

Zum Auftakt des Bundestag-Wahlkampfs hat der AfD-Bezirksverband am Freitag nach Prichsenstadt (Lkr. Kitzingen) in die TSV-Sporthalle geladen. Neben dem bayerischen Spitzenkandidaten Martin Hebner soll als Redner ab 19 Uhr André Poggenburg auftreten , der Mitglied des AfD-Bundesvorstands und Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt ist. Die geplante Veranstaltung stößt bereits im Vorfeld auf Widerstand. Die Jugendorganisation der SPD Unterfranken (Jusos) fordert den Sportverein auf, die Veranstaltung abzusagen – und macht ein Gegenangebot.

Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr hat von der AfD-Veranstaltung erst durch die Polizei erfahren und ist darüber nicht erfreut. In der Stadt herrsche große Vorfreude auf das Stadtfest und den Handwerkermarkt. „Wir können auf negative Schlagzeilen durch die AfD oder mögliche Gegendemonstranten gut verzichten“, so Schlehr. Dafür ist es jedoch bereits zu spät.

Offener Brief an den Verein

In einem offenen Brief vom Montag fordert Juso-Bezirksvorsitzender Michael Reitmair den TSV auf, „der AfD in Prichsenstadt keine Plattform zu geben“. Die Parolen von André Poggenburg seien „nicht nur rassistisch, xenophob und antisemitisch“, sondern schürten auch „Ängste und Hass gegen Minderheiten“. Diese Positionen seien nicht mit dem Leitbild eines in der Gesellschaft verwurzeltem Sportvereins vereinbar. Poggenburg gilt neben dem Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke als Wortführer des rechtsnationalen Flügels in der Partei und sorgte im Februar für Schlagzeilen, als er in einer Rede Formulierungen aus dem Nationalsozialismus verwendete.

Neben der Ankündigung einer Gegendemonstration macht Reitmair dem TSV ein Angebot: Sollte der Verein die AfD wieder ausladen, würden die Jusos die Saalmiete für den Abend übernehmen und in der Halle ein Fest für Toleranz feiern. Zuvor hatte TSV-Vorsitzender Thomas Uhl auf kritische Stimmen entgegnet, dass der Verein ständig auf der Suche nach Einnahmenquellen sein müsse, um den Unterhalt der Halle zu finanzieren.

TSV will neutral bleiben

Auf das Angebot der Jusos will Uhl jedoch nicht eingehen und bezeichnet es als „komplett lächerlich“, empfindet es gar als „Erpressung“. Es gebe einen Mietvertrag. „Wir können nicht an einem Tag zusagen und am nächsten absagen.“ Ob der Verein auf den offenen Brief reagiert, werde intern noch diskutiert.

Uhl sagt zudem, er sehe nichts Anrüchiges an der AfD-Veranstaltung. „Alle Meinungen zählen etwas.“ Er wolle sich nicht positionieren: „Die AfD ist eine demokratische Partei. Wir sind Vermieter, nicht Veranstalter.“ Der Vorsitzende betont, dass der TSV Prichsenstadt ein toleranter Verein sei. Kürzlich habe man etwa einen Stolperstein in Gedenken an ein Holocaust-Opfer verlegt und Flüchtlingskinder hätten auch schon in dem Verein mittrainiert.

In der Halle habe die SPD ihren Politischen Aschermittwoch abgehalten und es gab dort türkische Hochzeiten.

Auch die AfD ist nicht zum ersten Mal dort Veranstalter: Im November kamen 200 Zuhörer zu einem Vortrag des umstrittenen Publizisten Jürgen Elsässer zum Thema „Islam – Gefahr für Europa?“.

Christian Klingen, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Kitzingen-Schweinfurt, war am Dienstagmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Mitarbeit Noh, gch

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