BIBERGAU

Junger Filmemacher produziert seinen ersten Kurzfilm

Einen professionellen Kurzfilm drehen kann lang dauern und ins Geld gehen- das hat Marius Mülhaupt bei seiner Abschlussarbeit gelernt. Die Drehorte waren hier in der Region.
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Erschöpft aber glücklich: Marius Mülhaupt hat in vier Tagen seinen lang vorbereiteten Kurzfilm an Drehorten in Bibergau, Münsterschwarzach und Würzburg gedreht. Foto: Foto: Ralf Thees

Marius Mülhaupt hat einen Scherbenhaufen produziert – und ist auch noch stolz darauf. Der junge Bibergauer drehte für seine Abschlussarbeit an der Fachhochschule Ansbach einen Kurzfilm darüber, wie Kinder an der Scheidung der Eltern zu zerbrechen drohen – ein familiärer „Scherbenhaufen“, wie auch der Titel des Film lautet. Gedreht hat er den Streifen unter anderem in seinem Elternhaus in Bibergau.

Der 21-Jährige studiert in Ansbach im sechsten Semester Multimedia und Kommunikation. Die Abschlussarbeit im Bereich Film stand in diesem Semester unter dem Motto „Mutig oder feige – eine Entscheidung muss getroffen werden“. Ein Thema, in das die Studenten auch ihre Lebenserfahrungen einbrachten. Sie entwickelten Drehbücher und trafen sich oft gemeinsam, um ihre Gedanken auszutauschen. „Das waren oft richtig persönliche Gespräche, da wurde auch manchmal geweint“, erzählt Mülhaupt.

Er musste nun zum ersten Mal ein ganzes Filmprojekt als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent von Anfang bis Ende durchziehen. Große Erfahrungen im Filmemachen hat der 21-Jährige nicht. Am Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach spielte er in seiner Schulzeit schon Theater, Filme machte er damals aber noch nicht. Somit war es für Mülhaupt schon eine Herausforderung, das Filmprojekt mit all seinen Problemen umzusetzen.

„Ich habe kaum geschlafen während der Drehtage.“

Marius Mülhaupt

Kurzfilm-Regisseur

Überraschend leicht war es für ihn, an Schauspieler oder einen Kameramann zu kommen. „Ich habe einfach im Internet inseriert“, sagt Mülhaupt, „und relativ schnell haben sich professionelle Schauspieler bei mir gemeldet.“ So stand bei „Scherbenhaufen“ Claudia Kraus vor der Kamera, die seit vergangenem Jahr festes Ensemblemitglied am Würzburger Mainfranken-Theater ist.

Und den kleinen Bruder des Hauptdarstellers spielte ein Nachbarsjunge aus seinem Heimatort Bibergau. „Ich hatte erst total Angst, ob das mit einem Kind vor der Kamera klappt“, berichtet der Student, „aber der hat das auf Anhieb erstaunlich gut gemacht.“

Der Film handelt von dem 17-jährigen Jakob, dessen Eltern sich scheiden lassen. Die Mutter, für die ihre Kinder ihr Halt im Leben sind, will wegziehen. Jakob, der sich für Theater und Schauspiel interessiert, muss sich nun entscheiden: Will er seine Freunde aufgeben und mit der Mutter wegziehen? Oder lässt er seine Mutter im Stich? In diesem Entscheidungsprozess eskaliert die Situation.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht – die Geschichte hat nur wenig mit dem Leben von Marius Mülhaupt selbst zu tun, wie er sagt. Er ist zwar auch ein Trennungskind, aber es war bei seinen Eltern eine „relativ angenehme Scheidung“, das Drehbuch hat er frei erfunden.

Die Drehorte hat der Student schnell gefunden. Die Theaterbühne im Gymnasium Münsterschwarzach ging problemlos. Erstaunlich leicht kam er zu der Lehrklinik der medizinischen Fakultät in Würzburg für Szenen in einem Krankenhaus. Und auch das Haus seiner Eltern in Bibergau lag auf der Hand. „Da ging es schon drunter und drüber mit einer Filmcrew von 15 Leuten im Haus“, erzählt Mülhaupt und grinst dabei.

Anfang Juni wurde der Kurzfilm in vier Tagen gedreht – und die Nächte waren kurz, „Ich habe kaum geschlafen während der Drehtage“, sagt der 21-Jährige. Nach dem letzten Tag ist er nachts vor dem Fernseher eingeschlafen und hat dann, als er aufwachte, laut „Cut“ gerufen, um das Gerät auszuschalten.

Obwohl die Schauspieler keine Gage, sondern nur die Kosten für die Anfahrt und Unterkunft bekamen, war die Produktion für Mülhaupt nicht billig. Gut 2000 Euro hat er in den Kurzfilm stecken müssen, viel Geld für einen Studenten.

Um den Film zu finanzieren, hat er eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, bei der Fans das Projekt finanziell unterstützen können. Auf der Internet-Plattform Startnext.de kann ein beliebiger Betrag als Förderung gegeben werden.

Für Spenden ab fünf Euro bekommt man auch ein Dankeschön, je nach Höhe des Betrags. Das geht von der Möglichkeit, den Film vor der Premiere im Herbst anzuschauen, bis zu einer DVD von „Scherbenhaufen“ oder einer Erwähnung im Abspann.

Die Premiere soll im Cinecitta-Multiplex-Kino in Nürnberg sein. „Ich werde den Film bei einigen Festivals einreichen, danach wird er frei im Internet zu sehen sein“, sagt Mülhaupt.

Und was hat der junge Filmemacher für die Zukunft geplant? „Ich habe schon länger die Idee für eine 90-minütige schwarze Komödie über Neonazis im Kopf“, erzählt der Student, „mal sehen ob daraus etwas wird.“

Crowdfunding: Der Kurzfilm „Scherbenhaufen“ kann über die Plattform Startnext finanziell unterstützt werden:

www.startnext.com/scherbenhaufen

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