MARKTBREIT

Junge Küken im Seniorenheim

Lars Hartmann macht manches anders als die meisten seiner Altersgenossen. Anstatt regelmäßig in sein Smartphone zu schauen, schaut er lieber in den Brutkasten. Anstatt vor dem PC zu sitzen, sitzt er vor seinem Gehege. Anstatt am Computer zu spielen, nimmt er lieber seine Küken in die Hand oder beobachtet seine Hühner. Und jetzt bringt er auch noch Leben in das Seniorenheim der AWO in Marktbreit.
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Alfred Behr freut sich. Der Bewohner des AWO-Seniorenheims in Marktbreit hält ein frisch geschlüpftes Küken in der Hand. Lars Hartmann und Marie Günthner beobachten das kleine Tier. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Lars Hartmann macht manches anders als die meisten seiner Altersgenossen. Anstatt regelmäßig in sein Smartphone zu schauen, schaut er lieber in den Brutkasten. Anstatt vor dem PC zu sitzen, sitzt er vor seinem Gehege. Anstatt am Computer zu spielen, nimmt er lieber seine Küken in die Hand oder beobachtet seine Hühner. Und jetzt bringt er auch noch Leben in das Seniorenheim der AWO in Marktbreit.

Mit zehn Jahren hat Lars Hartmann seine ersten vier Hühner bekommen, dann kam ein Hahn dazu. „Und dann hat es sich halt so entwickelt“, sagt er verschmitzt. 90 Quadratmeter des elterlichen Gartens darf er für sein Hobby nutzen. Er hat sich einen Brutkasten gekauft, eine Schrotmühle und eine kleine Halle für die Futterlagerung gebaut. Wieso er sich gerade für die Küken-Aufzucht interessiert? Lars muss nicht lange überlegen: „Ich finde es einfach schön, die Tiere aufwachsen zu sehen.“ Vielleicht liegt ihm das Interesse auch in den Genen. Sein Opa war Landwirt.

Lars ist jedenfalls eifrig bei der Sache. Mittlerweile tummeln sich bereits 30 Hühner im elterlichen Garten. Ein paar neue werden bald hinzukommen. Vor kurzem haben sie das Licht der Welt in einem Seniorenheim in Marktbreit erblickt.

Ursula Pfister ist Betreuungsleiterin im Haus der Senioren in Marktbreit. Sie wohnt in Repperndorf. Von Lars und seinem speziellen Hobby hat sie im Dorf gehört und den jungen Mann gefragt, ob er seinen Brutapparat nicht einmal den Marktbreiter Senioren vorführen will. Der 15-Jährige wollte. Am 8. März startete das Experiment.

Im lichtdurchfluteten Eingangsbereich des Seniorenheims stehen seither seine Utensilien für eine erfolgreiche Kükenaufzucht. An der Wand hängt ein Dienstplan – damit der Brutkasten auch regelmäßig und ordnungsgerecht gelüftet wird. Zehn Minuten am Tag sind Pflicht. „Die Luftfeuchtigkeit muss zwischen 45 und 50 Prozent liegen“, erklärt der 15-Jährige. Die ideale Temperatur beträgt 37,8 Grad.

„Für unsere Senioren entwickelte sich der Bereich zu einem regelrechten Treffpunkt.“
Ursula Pfister Betreuungsleiterin

„Das halbe Seniorenheim war in die Aktion involviert“, freut sich Ursula Pfister. Von der Pflegekraft bis zur Heimleitung schaute jeder mal vorbei, vergewisserte sich, ob die ersten Küken schon geschlüpft sind. „Für unsere Senioren entwickelte sich der Bereich zu einem regelrechten Treffpunkt“, freut sich Pfister. Selbst im Wohnbereich war die Küken-Aufzuchtstation ein Gesprächsthema. „Über Wochen hinweg.“

Erinnerungen wecken, miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen: Genau diese Ziele verfolgen Pfister und ihre Kolleginnen mit Angeboten wie einem Tanznachmittag, einem Gesprächskreis oder einer Wellness-Woche. Die Küken-Aktion von und mit Lars Hartmann passte da genau ins Konzept. Nach drei Wochen war es soweit: Die ersten Küken schälten sich aus ihren Eiern – immer neugierig beobachtet von den Senioren. „Früher haben wir Küken in der Küche großgezogen“, erzählt Arthur Langmann. „Da war es schön warm.“ Der Rentner kann sich noch gut erinnern, wie er Brennnessel für die Küken klein geschnitten hat. „Die sind vitaminreich“, sagt er und muss plötzlich lachen. „Aber Vorsicht: Vor dem Schneiden immer Handschuhe anziehen.“ Einen Tag bleiben die Küken von Lars Hartmann im Brutkasten, dann kommen sie in den Käfig. Noch ein paar Tage, dann nimmt er sie mit nach Repperndorf in seinen Stall. Die Senioren im AWO-Heim von Marktbreit brauchen sich deshalb keine Sorgen machen. Dank Ursula Pfister und ihrem Team wird es in der Einrichtung auch weiterhin lebendig bleiben. „An Ideen mangelt es uns nicht“, sagt die Betreuungsleiterin.

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