Volkach

„Jetzt rasch in die Gänge kommen“

Moderne Fahrzeuge, gute Infrastruktur samt Park&Ride und Fahrradstellplätzen, Stundentakt, Busverknüpfung, Tarifverbund und vor allem ein einhelliger Wille der Region – dann klappt es mit einem zukunftsfähigen Nahverkehr. Diese Botschaft vermittelte Bernhard Jüstel in seinem Referat über den „Weißenhorner“, die seit 2013 reaktivierte Bahnverbindung zwischen dem schwäbischen Weißenhorn und Ulm. Sie gilt in vielerlei Hinsicht als Blaupause auch für die Mainschleife. Nach vier Jahren sind dort aus den ursprünglich vorhergesagten 1200 Reisenden über 2000 pro Tag geworden, inzwischen denken die Schwaben sogar über einen Halbstundentakt und eine Elektrifizierung der Strecke nach.
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Moderne Fahrzeuge, gute Infrastruktur samt Park&Ride und Fahrradstellplätzen, Stundentakt, Busverknüpfung, Tarifverbund und vor allem ein einhelliger Wille der Region – dann klappt es mit einem zukunftsfähigen Nahverkehr. Diese Botschaft vermittelte Bernhard Jüstel in seinem Referat über den „Weißenhorner“, die seit 2013 reaktivierte Bahnverbindung zwischen dem schwäbischen Weißenhorn und Ulm. Sie gilt in vielerlei Hinsicht als Blaupause auch für die Mainschleife. Nach vier Jahren sind dort aus den ursprünglich vorhergesagten 1200 Reisenden über 2000 pro Tag geworden, inzwischen denken die Schwaben sogar über einen Halbstundentakt und eine Elektrifizierung der Strecke nach.

Wichtig sei daher auch, so Jüstel, die Sache gleich richtig anzupacken und beim Ausbau keine halben Sachen zu machen. Dann könne der Betrieb ohne größeren Aufwand den steigenden Fahrgastzahlen angepasst werden.

Auch Prosselsheim Bürgermeisterin Birgit Börger (CSU) plädierte in der anschließenden Diskussion nochmals energisch für eine baldige Reaktivierung der Strecke. Die sei eine echte Investition in die Zukunft, an der niemand mehr vorbeikäme – auch angesichts der aktuellen Diskussionen um Luftverschmutzung, Fahrverbote und Klimawandel.

Zudem stehe bei vielen Jugendlichen das Auto nicht mehr oben auf deren persönlicher Wunschliste. Um diese Gruppe auf dem Land zu halten, sei auch ein leistungsfähiger Nahverkehr nötig. Darin sei sie sich auch einig mit dem Würzburger Landrat Eberhard Nuß, mit Würzburgs Oberbürgermeister Schuchard und ihren Bürgermeisterkollegen aus dem Würzburger Norden. Von einer reaktivierten Mainschleifenbahn würden zudem auch Kürnach und Rottendorf profitieren, sie erhielten dann einen 30- oder 20-Minuten-Takt Richtung Würzburg.

Mit großem Engagement beteiligten sich auch die Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib (SPD) und Otto Hünnerkopf (CSU), Volkachs Bürgermeister Peter Kornell sowie einige Stadt- und Kreisräte an der Diskussion. Was die Entscheidung zu einer Reaktivierung betrifft, zeigten sich beide Abgeordnete überzeugt davon, dass zeitnah mit einer positiven Entscheidung der zuständigen Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) zu rechnen sei. So hatte sich MdL Halbleib erst vor einigen Wochen erfolgreich dafür eingesetzt, dass nun auch der Schweinfurter Kreistag die von der BEG geforderten Grundsatzbeschlüsse zu Vertaktung von Bussen aus Richtung Wipfeld und Gerolzhofen mit der Mainschleifenbahn verabschiedet hat.

Das Fehlen dieser Gremienbeschlüsse galt bislang als letztes Hindernis für den Abschluss einer Berechnung des Fahrgastpotenzials durch die BEG. Bürgermeister Kornell erinnerte daran, dass auch die Stadt Volkach schon erste konkrete Schritte zur Vorbereitung einer Reaktivierung unternommen habe, so den Ankauf eines Grundstücks in Astheim, auf dem eine Haltestelle zur Verknüpfung von Bus und Bahn entstehen könne, auch die Bereitstellung künftiger Park&Ride-Flächen sei in Vorbereitung.

Wie das Beispiel Weißenhorn aber auch zeigt, dauert es von der Bestellzusage der BEG bis zur Abfahrt des ersten Zuges gut drei Jahre, auch wenn die eigentliche Bauzeit nur knappe sechs Monate gedauert habe. Zeit erforderten besonders die Planungen der Bahn zur signaltechnischen Anbindung der Volkacher Strecke in die Hauptbahn bei Seligenstadt, ergänzte Thomas Benz von der Mainschleifenbahn. Zudem liefen in den nächsten Jahren rund um die Mainschleifenbahn einige Verträge für Buslinien aus. Auch hier brauche man eine zeitnahe Entscheidung der BEG, um bald Planungssicherheit für die Ausschreibungen künftiger Busverkehre zu haben.

„Wir müssen jetzt rasch in die Gänge kommen“, betonte Wolfgang Schramm von der Mainschleifenbahn. Nach einem ersten, damals noch erfolglosen Versuch der Streckenreaktivierung vor über 20 Jahren, habe man 2013 einen zweiten Anlauf gestartet. Leider sei inzwischen viel Zeit verloren gegangen, hätte doch der eine oder andere wichtige Entscheider im politischen Umfeld eine Wiederbelebung der Strecke als „Spinnerei“ abgetan. Inzwischen habe aber die Realität in Form von Dieselfahrverboten, Feinstaubdiskussion und strengeren CO2-Grenzwerten gezeigt, dass eine moderne Bahn nach Weißenhorner Vorbild eine gewaltige Chance für die Mainschleife und deren Anliegergemeinden wäre.

Klar sei auch, so Schramm, dass sich dieses Projekt nur parteiübergreifend umsetzen lässt. Nach der Wahl sollten sich alle Landtagsabgeordneten der Region einen gemeinsamen Termin in München geben lassen und mit den Zuständigen Klartext reden. „Es kann nicht sein, dass wir in fünf Jahren wieder hier sitzen und dann wieder mit großen Augen Herrn Jüstel zuhören – und bei uns ist immer noch nichts geschehen“.



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