Oberschwarzach
Sebastiani-Gelübde

Jahrhunderte alte Tradition wird weiter gepflegt

Was ihre Vorfahren vor 402 Jahren versprochen haben, das halten die Oberschwarzacher noch heute: Sie gedenken dem Heiligen Sebastian an seinem Ehrentag mit einem großen Festzug.
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Der Fähnrich und zwei Offiziere holen die Fahne des Heiligen Sebastian aus der Pfarrkirche. Fotos: privat
Der Fähnrich und zwei Offiziere holen die Fahne des Heiligen Sebastian aus der Pfarrkirche. Fotos: privat
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Georg Wagner ist Hauptmann der Bürgerwehr des Marktes Oberschwarzach. Er ist quasi ins Amt hineingewachsen, denn er hat es von seinem Vater Franz übernommen. Er kennt die Geschichte, die mit dem Ehrentag des Heiligen verbunden ist, als wäre es seine. Nicht nur, weil er die Traditionsveranstaltung schon so oft mitgemacht hat. Für das 400-jährige Jubiläum vor zwei Jahren hat Georg Wagner gemeinsam mit dem Archivar der Gemeinde, Walter Kiesewetter, eine Festschrift erstellt und dafür viele Artikel und Unterlagen in Zeitungen und Archiven gelesen, viel mit Zeitzeugen gesprochen. "Ich setze mich dafür ein, dass das, was von unseren Vorfahren begonnen und fortgesetzt wurde, auch weiterhin erhalten bleibt", sagte er damals - und dieser Grundsatz gilt noch heute.


Die Entvölkerung drohte

"Man schrieb das Jahr 1611, als sich in unserer Pfarrei eine so verheerend wütende und gefürchtete Krankheit einschlich, dass täglich mehrere Leichen zu Grabe getragen wurden und durch den Tod der Gemeinde völlige Entvölkerung drohte", erzählt der Bürgerhauptmann. Daraufhin habe die hiesige Bürgerschaft Zuflucht zum heiligen Sebastian genommen und um Beistand gerufen.

88 Tote in einem Quartal

Der Schwarze Tod, wie die Beulenpest genannt wurde, holte sich im Jahre 1611 besonders zahlreiche Opfer in Oberschwarzach - 158 Personen im gesamten Jahr.
"Allein im Oktober 32, im November 26, im Dezember 30", weiß Wagner - 88 Personen in einem Quartal. Auch der örtliche Pfarrer Johann Kraus war unter den Opfern, er starb am 24. August 1611.
Die schreckliche Zeit hat Spuren hinterlassen, die bis in die heutige Zeit reichen. Alljährlich begehen Pfarr- und Marktgemeinde die Feier des Sebastianitages in würdiger Weise, "mit klingendem Spiel und bewaffneter Mannschaft", wie der Bürgerhauptmann es beschreibt. "Heute das Fest des heiligen Sebastian feiern, das heißt sich von der Glaubensstärke und den Glaubensmut dieses Glaubenszeugen entflammen und anspornen zu lassen. Sich des Glaubens nicht schämen, sondern Mut haben, als Christ in der Öffentlichkeit seinen Mann und seine Frau zu stehen", findet Georg Wagner.

Weckruf um 6.30 Uhr

Wenn der große Festtag startet, ist es noch finster: Um 6.30 Uhr spielt die Steigerwaldkapelle den Weckruf. Echter Auftakt der Feierlichkeiten ist der Aufzug der Bürgerwehr "mit bewaffneter Mannschaft" um 9.15 Uhr. Die etwa 50 Mitglieder erscheinen in Frack und Zylinder.
Nach dem Appell der Bürgerwehr begrüßt Bürgerhauptmann Georg Wagner den gebürtigen Handthaler Priester An-dreas Engert, den 1. Bürgermeister Josef Radler, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sowie weitere Ehrengäste und natürlich die Bürger, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen.
In Begleitung der Steigerwaldkapelle und den Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine zieht die Bürgerwehr "mit klingendem Spiel und bewaffneter Mannschaft" zum Kirchplatz. Der Fähnrich und zwei Offiziere holen aus der Pfarrkirche die Fahne des Heiligen Sebastian und reihen sich im Zug der Bürgerwehr wieder ein. Dann führt der Zug in die Pfarrkirche St. Peter und Paul, wo ein Festgottesdienst zu Ehren des Heiligen gefeiert wird.

Kranzniederlegung am Ehrenmal

Anschließend stellt sich die Bürgerwehr im Friedhof auf und zieht zum Ehrenmal, wo Bürgerhauptmann Georg Wagner eine kurze Ansprache hält und der Opfer der Kriege und der Naturkatastrophen sowie den verstorbenen des Pestjahres 1611 gedenkt. Im Auftrag der Bürgerwehr und der Marktgemeinde legt er einen Kranz für die Verstorbenen nieder.

Die Tradition pflegen

Durch die Ortsstraßen geht es dann gemeinsam mit der Steigerwaldkapelle und den Vereinsabordnungen zum Marktplatz. Auch dort ergreift Georg Wagner noch einmal das Wort. "Ich appelliere immer wieder an die beteiligten Personen, sich in die Tradition und ihre Pflege einzubringen."
Schließlich soll mit dem Sebastianigelübde auch dann noch lange nicht Schluss sein,wenn er einmal nicht mehr Bürgerhauptmann ist. red/len

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