KITZINGEN

Jahrelang Parkautomaten geplündert

Ein städtischer Beamter sackte in Kitzingen insgesamt gut 13 900 Euro ein - jetzt wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
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Per Knopfdruck Parken zum Nulltarif: In Volkach soll die Brötchentaste am Parkautomaten (hier ein Gerät aus Kitzingen) Wirklichkeit werden. Bisher gibt's allerdings nur den Beschluss des Stadtrats für eine Viertelstunde Gratis-Parken in der Stadt. Foto: Foto: Harald Meyer

Er sollte kontrollieren, dass bei den wöchentlichen Leerungen der 28 Parkautomaten in Kitzingen alles mit rechten Dingen zugeht. Dass alle Münzen centgenau in der Stadtkasse landen. Doch ausgerechnet der Kontrolleur wurde zum Dieb: Über Jahre hinweg zweigte der heute 62-Jährige regelmäßig Geld für sich ab.

52-mal langte er laut Anklage hin und kassierte über 13 900 Euro. Vor dem Kitzinger Schöffengericht erhielt der inzwischen vom Dienst suspendierte Mann eine zweijährige Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem erhielt er eine Geldstrafe über 16 200 Euro (180 Tagessätze zu je 90 Euro).

Der städtische Verwaltungsbeamte schien ein nahezu perfektes Betrugssystem entwickelt zu haben. Der Oberstaatsanwalt wird es später in seinem Plädoyer „clever“ nennen. Selbst eine rathausinterne Revision schöpfte zunächst keinen Verdacht. Der Trick war: Der Mann behielt regelmäßig den Inhalt von genau einer Parkuhr für sich und warf den entsprechenden Beleg, der bei jeder Leerung automatisch von dem Automaten gedruckt wird, einfach weg.

Wenn das Geld dann bei der Bank landete, gab es dort nur eine Überprüfung: Ob die Summe auf dem jeweiligen Beleg auch dem tatsächlich eingezahlten Betrag entspricht. Das passte immer, weil die Bank ja nicht wissen konnte, wie viele Automaten tatsächlich geleert worden waren. Da der Automat nicht nur die Einzelbeträge seit der letzten Leerung auflistete, sondern sich auch die jeweiligen Gesamtsummen merkte, hätte der Schwindel auffliegen können. Doch genau diese Kontrolle oblag nur einem – dem 62-Jährigen.

So kassierte der Mann jahrelang einen netten Zusatzverdienst. Als Chef leerte er zwar nur vertretungsweise – konnte dann aber selten an sich halten. Bei seinen Runden zwischen Anfang 2010 und Ende 2013 ging er immer nach dem gleichen Muster vor: Er guckte sich einen Automaten aus, dessen Inhalt – Beträge zwischen 150 und 350 Euro – er sich unter den Nagel riss.

Die Sache wäre wahrscheinlich nie aufgeflogen – wenn nicht bei einer weiteren Überprüfung eine neue Revisorin ungeahnt viel Sinn fürs Detail bewiesen hätte. Die Rechnungsprüferin kniete sich über Wochen und Monate in die Aufgabe hinein, guckte Beleg für Beleg durch. Für das Jahr 2013 fielen ihr 14 Ungereimtheiten auf. Danach wurden die Leerzeiten mit den Dienstzeiten abgeglichen, was schließlich den Verdacht auf den 62-Jährigen lenkte.

Bei der anschließenden Kontrolle der Vorjahre das selbe Spiel: Immer wieder gingen die Gesamtbeträge nicht auf, weil ganze Leerungen fehlten. Wobei die Unterlagen nur bis 2007 zurückreichen und die Taten bis 2009 strafrechtlich verjährt sind.

Vor dem Gericht hatte der 62-Jährige zunächst versucht, alles zu leugnen, weshalb ein zweiter Termin mit weiteren Zeugen angesetzt werden musste. Die wurden nicht mehr benötigt: Der Angeklagte gab die Plünderungen zu und entschuldigte sich für alles: „Ich schäme mich dafür!“ Noch etwas war in der Zwischenzeit passiert: Der Angeklagte hatte den unterschlagenen Betrag vier Tage vorher auf das Konto seines früheren Arbeitgebers eingezahlt. Die Kehrtwende bewahrte den Täter vor dem direkten Weg ins Gefängnis, so der Vorsitzende Richter Bernhard Böhm.

Das Gericht sprach zudem von „Untreue in schärfster Form“, wobei die „Ausnutzung einer Vertrauensstellung“ besonders verwerflich gewesen sei. Unklar blieb das Motiv: „Ich kann nicht nachvollziehen, warum ich das gemacht habe“, sagte der Mann. Zwanghaft sei der Drang gewesen, die Automaten zu plündern.

Der Angeklagte nahm das Urteil an – und muss mit weiteren Sanktionen rechnen. Als Beamter drohen ihm disziplinarische Maßnahmen.

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