Iphofen

Ist der Iphöfer Marktplatz bald autofrei?

Mit dem Umbau des Kaufhauses Stöhr kommt eine alte Idee wieder auf den Tisch. Bisher ist der Ansatz einer „grünen Begegnungsstätte“ im Stadtkern immer gescheitert.
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Iphofens gute Stube vom Rathaus aus gesehen. Viele wünschen sich den Marktplatz als Begegnungsstätte ohne Autos. Foto: Eike Lenz
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Eigentlich sollte es nur um den Umbau des alten Iphöfer Kaufhauses Stöhr zum „Genusshaus“ gehen. Doch dann wuchs die Sache unversehens zu einer „Vision“ für den gesamten Marktplatz. Der Stadtrat Otto Kolesch hat den Begriff benutzt und damit am Montagabend im Bauausschuss eine Diskussion neu angestoßen, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert köchelt. Der autofreie Marktplatz – das ist die Vorstellung, die sich bislang stets als Utopie erwiesen hat.

Vielleicht war es ganz gut, dass Bürgermeister Josef Mend am Montag auf Dienstreise in Berlin weilte. Denn inzwischen blickt er in der Debatte um den ruhenden Verkehr in der Stadt drein, als habe man ihm dreimal die Vorfahrt genommen. In bald 30 Dienstjahren hat er sich an diesem Thema abgearbeitet. Es gibt wenig auf seiner politischen Agenda, was er nicht hat erfolgreich durchsetzen können. Die Parksituation am Marktplatz gehört dazu. Gescheitert ist der Durchbruch immer wieder am Widerstand von Gastronomen und Gewerbetreibenden, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen, wenn die zahlende Kundschaft mit dem Auto nicht mehr bis vor ihre Haustür fahren und dort parken kann.

Die "gute Stube" ist zum Parkplatz verkommen

Niemand wagt die Erfolgsaussichten des neuen Vorstoßes zu beurteilen. Stadtrat Kolesch hat mit seiner Initiative nach eigenen Worten die Gesamtsituation im Blick. Er sagt: „In jedem Ort ist der Marktplatz das Wohnzimmer, die gute Stube. Bei uns ist die gute Stube zum Parkplatz verkommen.“ Deshalb wage er jetzt – mit der Wiederbelebung des Kaufhauses – einen neuen Anlauf: zu überlegen, wie man den Marktplatz wieder zur Begegnungsstätte entwickeln könne. Für Kolesch ist das „mit geringem Aufwand“ zu schaffen: hier ein wenig Grün, dort einen Baum, Autos teilweise raus.

Schon im Januar, als das "Genusshaus" im ehemaligen Kaufhaus erstmals auf der Tagesordnung stand, hatte Kolesch die Ansicht vertreten, einen attraktiven Treffpunkt am Marktplatz schaffe man „nur mit Menschen, nicht mit Autos“. Das Thema, so sagte er am Montag, solle möglichst noch der jetzige Stadtrat anpacken, damit es das neugewählte Gremium im nächsten Jahr rasch umsetzen könne. Vizebürgermeister Ludwig Weigand, der die Bauausschuss-Sitzung in Vertretung des verreisten Mend leitete, sagte, der Antrag solle in der Dezembersitzung vom gesamten Stadtrat behandelt und diskutiert werden.

Die Schaufensterfront soll versetzt werden

Auf den Weg gebracht hat der Ausschuss den Umbau des von der Stadt erworbenen alten Kaufhauses Stöhr zum Genusshaus. Nach außen sichtbarstes Zeichen wird dabei der Rückbau der markanten Schaufensterfront sein. Sie soll um 1,50 Meter nach hinten versetzt werden, um zum Marktplatz hin einen Freisitz zu schaffen. Die bodentiefen Fenster sollen komplett zur Seite verschiebbar sein, was vor allem im Sommer zu einer luftigen Situation beiträgt.

Stadtrat Dieter Lenzer verteidigte die vom Würzburger Planungsbüro Archicult konzipierte Lösung, etwa gegen Kritik des Kollegen Rupert Maier, der Fenster auf normaler Höhe ins Spiel gebracht hatte. „Das wird ja kein reines Café, sondern auch Verkaufsraum. Insofern sind die Schaufenster dienlicher, als die komplette Front zuzumachen“, sagte Lenzer.

Noch nicht unterzeichnet ist laut Weigand der Pachtvertrag. Zunächst gehe es darum, den Bauantrag auf den Weg zu bringen, weil dieser Voraussetzung ist, um die vorgesehenen Fördergelder zu erhalten. Nach den Kalkulationen muss die Stadt etwa 200 000 Euro investieren, um das Gebäude für das geplante Genusshaus zu ertüchtigen. Der Innenausbau soll dann im Detail mit dem künftigen Pächter abgestimmt werden.

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