Iphofen

Iphöfer Bürgerliste: Der Bauernaufstand bleibt aus

Die neue Bewegung sieht sich nicht nur als Lobby der Landwirte, sondern auch als Stimme der Stadtteile. Mit sechs Bewerbern zieht sie in die Wahl. Wer verbirgt sich dahinter?
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Die Kandidaten der Bürgerliste Iphofen und Stadtteile (von links): Robert Adler, Otmar Belz, Sonja Eichinger, Alexander Kreier, Stefan Eichinger, der als Sprecher der Bewegung nicht auf der Liste steht, Wolfgang Schwab und Matthias Blank. Foto: Eike Lenz

Wer einen Aufstand der Bauern erwartet hatte, wurde rasch enttäuscht. Mit lautem Protest oder dumpfen Parolen konnten und wollten die vereinzelten Damen und zahlreichen Herren an diesem Abend nicht dienen. Die Nominierungsversammlung für die kurzfristig aus dem Ackerboden gestampfte „Bürgerliste für Iphofen und Stadtteile“ hielt sich formal und atmosphärisch an das routinierte Prozedere solcher Veranstaltungen. Nach einer Stunde hatte sich die Liste konstituiert: Fünf Männer und eine Frau wollen für die neue Bewegung in die Kommunalwahl am 15. März ziehen.

Eine Woche zuvor war es hier, im hell erleuchteten Saal des Dornheimer Schützenhauses, zum Showdown gekommen zwischen Bürgermeister Josef Mend und den Landwirten,  die ihrem Ärger Luft machten: über eine neue Düngemittelverordnung des Bundes, über die von der Stadt geplante Vorkaufsrecht-Satzung für die von den Landwirten kultivierten Holzwiesen. Diesmal blieb alles ruhig: der Ton sachlich, die Stimmung geschäftsmäßig, am Rednerpult ein eher unauffälliges Schild mit der Aufschrift „Zukunft braucht Bauern – Bauern brauchen Zukunft.“ Aus den Lautsprechern schepperte Blasmusik. Es war schon rein äußerlich nicht der Rahmen, in der die Revolution vorbereitet wird.

Geburtsstunde der Bewegung ist der 9. Dezember 2019

Als Stefan Eichinger um 20.05 Uhr ans Rednerpult trat, kam er rasch zur Sache. Der Landwirt aus Dornheim ist nicht der Mann großer Worte und schon gar keiner, der um den heißen Brei herumredet. Noch einmal zeichnete er die kurze Entstehungsgeschichte der Bewegung nach, deren Geburtsstunde er ziemlich genau taxierte: 9. Dezember 2019, irgendwann in den Abendstunden. Damals hatte der Iphöfer Bauausschuss entschieden, eine Vorkaufsrecht-Satzung für die Holzwiesen auf den Weg zu bringen. Die Landwirte sehen sich dadurch gegängelt, sie fürchten um ihre Hoheitsrechte und lehnen die Satzung ab. Dass diese erst dann greife, wenn die Bauern ihre Wiese abstoßen, ist ein Argument, mit dem der Bürgermeister in der Sitzung und auch bei der Veranstaltung eine Woche zuvor nicht durchdrang.

Den Landwirten geht es nach eigenen Angaben nicht nur um ureigene Interessen und darum, dass ihre Lobby im Stadtrat schwindet, wenn dort demnächst „drei, vier Kandidaten aufhören, die die Landwirtschaft vertreten haben“, wie Eichinger sagte. Es geht ihnen auch darum, die Position der Stadtteile zu stärken. Angesichts der Stadtratskandidaten von Freien Wählern, CSU und SPD vermissen sie Repräsentanten etwa aus Hellmitzheim oder Dornheim. Die sechs Bewerber (die ersten fünf werden dreifach gelistet) stammen denn auch allesamt aus den Stadtteilen. Angeführt wird die Bürgerliste vom 30-jährigen Alexander Kreier (Dornheim). Ihm folgen Matthias Blank (Hellmitzheim), Robert Adler (Possenheim), Otmar Belz (Nenzenheim), Sonja Eichinger (Dornheim) und Wolfgang Schwab (Birklingen). In Mönchsondheim unterstütze man den etablierten Kandidaten der Freien Wähler, den Bio-Landwirt Gerhard Heubach.

Eine Hürde bis zur Wahl gilt es noch zu nehmen

Von den 45 Wahlberechtigten nahmen 36 die Liste unverändert an. Nun gilt es eine weitere Hürde zu nehmen. Wie Stefan Eichinger sagte, wird der Wahlvorschlag am kommenden Montag bei der Stadt eingereicht und dort geprüft. Danach braucht es bis zum 3. Februar 80 Unterstützer-Unterschriften, die in der Verwaltung geleistet werden müssen. Erst wenn diese Formalien erfüllt sind, kann die Liste – neben Freien Wählern, CSU und SPD – an den Start gehen. „Wir haben unsere Hausaufgabe gemacht“, sagte Eichinger. Und: „Wir sind für Bürger da, für Landwirte, für alle.“

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