Kitzingen

Intensivtäter muss für vier Jahre hinter Gitter

Zehn Taten in kurzer Zeit reichten dem Gericht, um einen 21-Jährigen in Haft und in eine Entziehungsanstalt zu schicken. Drogen und Alkohol spielten eine unheilvolle Rolle.
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Justitia steht symbolisch für die Rechtsprechung. Foto: Peter Steffen, dpa

Sechs Anklagen, zehn Straftaten, zehn Zeugen und ein Gutachter: Gut sechs Stunden hat sich das Jugendschöffengericht mit einem 21-Jährigen beschäftigt, auf den der Begriff "Intensivtäter" wie die Faust aufs Auge passt. Vor allem Gewaltdelikte sorgten denn auch für eine Jugendstrafe von vier Jahren. Dazu ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an.

Das Gericht ging weit über die Anträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung hinaus. Für "die Latte der schweren Straftaten in kürzester Zeit" seien vier Jahre "tat- und schuldangemessen", begründete Jugendrichter Wolfgang Hülle das Urteil. Da der Mann bei allen Taten unter Drogen- und/oder Alkoholeinfluss stand, hatte ihm ein Gutachter teilweise Schuldunfähigkeit attestiert. Dieser sah auch die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt erfüllt. Das griff das Gericht auf. Der Mann muss ein Jahr hinter Gitter und danach zwei Jahre in den Entzug. Klappt das, ist die Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung möglich.

Mit 13 trank er erstmals Alkohol

Diese Perspektive trifft auf einen 21-Jährigen, der 2015 als unbegleiteter Jugendlicher nach Deutschland kam. Der aus Syrien stammende Mann tat sich mit Ausbildungen und Schule schwer. Was auch daran lag, dass er schon mit 13 mit Alkohol Kontakt hatte. Später kamen Drogen dazu. Heute sagt er: "Ich trinke und rauche täglich." Der fast tägliche Mix aus Amphetamin, Cannabis und Alkohol war es wohl, der den Mann außer Kontrolle geraten ließ.

In der Zeit von November 2017 bis August 2018 fiel er regelmäßig auf. "Da hat er sich in Kitzingen einen echten Namen gemacht", sagte ein Polizist: "Der hat sich mit allen angelegt, das war der Wahnsinn." Zehn Straftaten landeten danach vor Gericht. Die standen nach Zeugenaussagen und dem durch Gedächtnislücken geprägten Geständnis fest.

Am Ende war klar: Der Mann ist für gefährliche und einfache Körperverletzungen ebenso verantwortlich wie für Sachbeschädigungen. Dazu kamen Fahren ohne Fahrerlaubnis, eine Trunkenheitsfahrt, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte samt Beleidigungen und mehrere Drogendelikte. Unter anderem hat der Angeklagte einen Autofahrer, der ihn bei einem Streit mit seiner Freundin bremsen wollte, mit dem Gürtel geschlagen. Danach hatte er das Seitenfenster des Autos zertrümmert und war losgefahren, ohne Führerschein und betrunken. Dass er sich danach bei der Polizei gestellt hat, war einer der wenigen Punkte auf der Habenseite. Dann hat er Möbel aus einer Wohnung auf die Straße geworfen und ein Auto beschädigt. Als die Polizei anrückte, leistete er Widerstand und beleidigte die Beamten. Dann ist er gemeinsam mit anderen auf zwei Polen und auf einen Afrikaner losgegangen, hat geschlagen und getreten. Und ein Bekannter holte sich wegen eines zurückliegenden Streits eine blutige Nase.

Reue und Einsicht sind nicht vorhanden

Nach der Aussage des Gutachters und der Jugendgerichtshilfe zeichnete sich die Jugendstrafe ab. Die Jugendgerichtshilfe sah zwar Reifedefizite und plädierte für die Anwendung des Jugendstrafrechts, sah aber auch "schädliche Neigungen in Reinform". Dazu kamen weder Reue noch Einsicht und eine ganz düstere Sozialprognose. Am späten Nachmittag kehrte der Mann dahin zurück, von wo er am Vormittag in Fesseln gekommen war: in die Justizvollzugsanstalt. Dort sitzt er, seitdem er in einem Verfahren in Würzburg zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden war. Und dort wird er noch lange Zeit bleiben.

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