Ende November machten sich 17 Schülerinnen und Schüler einer der Berufsintegrationsklassen am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Ochsenfurt mit Bahn und Bus auf den Weg zur LWG nach Veitshöchheim, um die Berufe Gärtner und Winzer kennenzulernen. Organisiert wurde die Fahrt laut einer Pressemitteilung vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen in Zusammenarbeit mit Margit Stühler, der Koordinatorin der Berufsintegrationsklassen am BSZ Ochsenfurt.

Blick in die Praxis ist unverzichtbar

„Viele Geflüchtete wissen gar nicht, welche Möglichkeiten der Berufsausbildung bei uns im Gar-tenbau existieren“, meint Mathilde Bätz, Bildungsberaterin Gartenbau am AELF Kitzingen. „In der Praxis ist alles doch ein wenig anders als in der Theorie. Es ist daher wichtig für die Schüler, neben den Berufsinformationen an der Berufsschule auch durch Betriebs- und Baustellenbesuche Materialien, Maschinen und Arbeitsabläufe im Gartenbau kennenzulernen“, so Bätz. Mit der Vorstellung der gärtnerischen Berufe soll das Interesse an einer Ausbildung in der grünen Branche bei den jungen Menschen geweckt werden.

Mit großem Engagement nahmen Michael Braun, Bildungsberater Weinbau, Wolfgang Graf, Meister im Zierpflanzenbau und Johannes Öchsner, Meister im Garten- und Landschaftsbau die jungen Geflüchteten mit auf eine Tour durch die „Grünen Berufe“ an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim.

Schnupperrunde in der Kelterhalle

Michael Braun stellte zunächst den Beruf des Winzers anhand eines kleinen „Schul-Weinbergs“ vor: Typische Tätigkeiten wie Rebstöcke zurückschneiden, Triebe hochbinden, Düngung und Pflanzenschutz ausbringen wurden erläutert; das alles geschehe auch mithilfe von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen, erklärte Braun. „Die Arbeit im Weinberg ist körperlich oft anstrengend, man sollte also eine gute Kondition mitbringen“, so Braun weiter.

Auf die Frage nach den Herkunftsländern der Teilnehmer meinte eine junge Frau: „Bei uns in Syrien wird auch Wein angebaut“, "und auch in Afghanistan, wo ich herkomme", ergänzte ein junger Mann. Als guten Rat gab Braun den jungen Geflüchteten mit auf den Weg: „Lernt so schnell wie möglich Deutsch, denn ganz gleich, für welche Ausbildung ihr euch am Ende entscheidet: gute Sprachkenntnis ist eine wichtige Basis für die Integration in Deutschland“.

In der Kelterhalle erläuterte einer der Auszubildenden die Arbeiten rund um Gewinnung und Weiterverarbeitung des Traubensaftes. Jaqueline aus Peru, die eine Ausbildung in Weinanalytik absolviert, stellte typische Tätigkeiten vor, wie zum Beispiel den Zuckergehalt messen und den Säuregrad bestimmen. „Ich habe schon zuhause in Peru angefangen, Deutsch zu lernen“, erzählte Jaqueline. Sie sei sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung und arbeite aber auch immer weiter daran, ihr Deutsch zu verbessern und sich in Deutschland gut einzuleben.

Zu Besuch beim Landschaftsgärtner

Als nächste Station stand der Versuchsbetrieb Zierpflanzenbau auf dem Programm. „Die Garten-baubetriebe brauchen gut ausgebildete Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen können“, mein-te Wolfgang Graf während der Besichtigungstour durch die drei Versuchs-Gewächshäuser. Er er-läuterte den interessierten Geflüchteten die Aufgaben und Arbeiten eines Zierpflanzengärtners und erklärte, wie der Weihnachtsstern dazu gebracht wird, genau zur Adventszeit seine Blüte zu produzieren.

„Ohne fundiertes Wissen rund um die Pflanze und die eingesetzte Technik ist eine qualitativ hochwertige Pflanzenanzucht nicht möglich“, so Graf. Er erklärte, dass die Gärtnerausbildung in den Betrieben einerseits und in den Berufsschulen andererseits absolviert wird. „Eine fundierte Ausbildung ist wichtig und die Grüne Branche bietet gerade für praktisch-technisch begabte Asylsuchende einen guten Start ins Berufsleben“.

Am Ende der Tour stellte Johannes Öchsner den Beruf „Landschaftsgärtner“ vor. Zusammen mit seinem Auszubildenden aus Afghanistan erläuterte er typische landschaftsgärtnerische Arbeiten. „Den Menschen in Deutschland ist ein schöner Garten wichtig und sie geben dafür viel Geld aus; es ist eine Herausforderung, immer wieder neue Situationen zu planen und zu bauen. Das macht den Beruf des Landschaftsgärtners so interessant und abwechslungsreich und zu einem Beruf mit Zukunft“, sagte Öchsner.

Kampagne „Grüne Berufe“

Wer Gärtner werden möchte, muss sich zunächst für eine der sieben Fachrichtungen entscheiden. So stehen für den Berufseinstieg die Bereiche Zierpflanzenbau, Gemüsebau, Obstbau, das Baumschulwesen, die Friedhofsgärtnerei, die Staudengärtnerei sowie der Garten- und Landschaftsbau zur Auswahl. Die Ausbildung umfasst jeweils drei Jahre und findet im dualen System (Ausbildungsbetrieb und Berufsschule) statt.

Mit der Informationskampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sollen gezielt junge Geflüchtete mit Bleibeperspektive für die Grünen Berufe, wie Landwirt oder Gärtner, gewonnen werden.